Erinnert ihr euch noch an die Zeiten, als es im Verkehrsfunk im Radio zum Schluss hieß: „Und nun noch die Wartezeiten an den Grenzübergängen…“? Nun… die Jungs kennen das natürlich gar nicht, aber seit heute wissen sie, am Grenzübergang von Polen zur Ukraine sind es ca. 3 Stunden. Einfach unglaublich.

Wirklich langweilig war es allerdings überraschenderweise nicht, denn während dieser Wartezeit bekamen wir erstaunlich viel Besuch von den verschiedensten Grenzbeamten, die reichlich Fragen zu unserem Wohnmobil stellten. Allerdings nicht, wie man vermuten würde, hinsichtlich Zuladung, Gewicht oder zu verzollender Waren sondern viel mehr, wie schnell es denn fährt und wie viele Betten es hat. Ach was, einen Kühlschrank hat es auch? Und einen Fernseher! Funktioniert die Toilette auch unterwegs? Und hier kann man die Treppe ein- und ausfahren? Toll! Und was macht man mit diesem Knopf? … 😀


Die Ukraine ist kein Camperland. Das sichert dir mit einem Gefährt wie unserem zwar eine gehörige Portion Aufmerksamkeit, heisst aber auch, dass Campingplätze rar gesät sind. In der Gegend von Lviv gibt es keinen. Dafür sind die Preise für Hotelzimmer unschlagbar niedrig. Also haben wir uns kurzerhand für zwei Nächte in einem Hotel im Zentrum von Lviv eingemietet – das Wohnmobil sicher auf dem überwachten Hotelparkplatz untergebracht. Nach den heutigen ersten Erfahrungen mit den Straßen in ukrainischen Städten ist das Wohnmobil vermutlich auch ganz dankbar, wenn es morgen einfach auf dem Parkplatz stehen bleiben darf. Man hatte ganz vergessen, was für ein Erlebnis durchgehendes (deutlich in die Jahre gekommenes) Kopfsteinpflaster in Bezug auf Fahrkomfort und Geräuschkulisse darstellt.

Lviv selbst ist Krakau mit seiner historischen, wunderschönen Altstadt nicht unähnlich. Allerdings ist der Bruch zu den Stadtteilen abseits des direkten Zentrums schon gewaltig. Da wird an jeder Ecke deutlich, dass die Ukraine insgesamt (noch) ein sehr armes Land ist. Ehemals wunderschöne alte Häuser, die Stück für Stück verfallen, kaputte Straßen und Gehwege, gegen die jeder deutsche Abenteuerspielplatz geradezu langweilig wirkt 🙂

Dafür scheint Lviv (der deutsche Name ist übrigens Lemberg) ein besonderes Faible für ungewöhnliche Fahrradständer zu haben… die Jungs hatten ihren Spaß damit. 🙂

Interessant war auch, wie voll und lebendig die Altstadt war – und das bis spät in die Nacht am Sonntag. Auf dem Platz vor dem Schewtschenko-Denkmal (ihr kennt natürlich alle Taras Schewtschenko, den berühmtesten Schriftsteller der Ukraine) sang eine große Gruppe Menschen zusammen ukrainische Volkslieder und ein paar Straßen weiter hatten sich Menschen zum Open-Air-Salsa-Tanzen getroffen. An jeder freien Ecke hatten Bars und Kneipen ihre Tische und Stühle rausgestellt. Und die unzähligen Straßencafés schienen aus allen Nähten zu platzen.


Insgesamt wieder ein wunderschöner Tag voller neuer Erlebnisse und Erfahrungen und für Vova perfekt abgerundet durch die Erkenntnis, dass es sich bei Lviv offensichtlich um das Bierzentrum der Ukraine handelt. Wo sonst gibt es ein Biertheater oder eine Zapfanlage in Frauentorsoform, die, wenn du ihr liebevoll über die Brüste streichst, dein Bierglas füllt?! Es gibt einfach nichts, was es nicht gibt.

Hinterlasse einen Kommentar

Willkommen beim Glück auf Reisen

Ein Blog über die Freude am Reisen… mit den drei Musketieren, mit der Familie, mit Freunden, mit der guten Fee oder auch zu zweit. Ein Blog über Dankbarkeit und Demut. Ein Blog über die Liebe.