Wir haben Trèbes erreicht und damit heute etwa 28km zurückgelegt. Man sollte meinen, dass es bei solch einem Fahrtag irgendwann langweilig wird, aber irgendwie hat man die ganze Zeit alle Hände voll zu tun. 😀
Da muss die Mannschaft mit Bier, Wein oder alkoholfreien Getränken (je nach Besatzungsmitglied) versorgt werden, Essen muss vorbereitet und ein kurzer Stop im Hafen von La Redorte eingelegt werden, um im örtlichen Supermarkt die Vorräte aufzufüllen, Spiele werden gespielt, der Kapitän wird unterhalten und ab und zu wird das Fahrpersonal gewechselt, so dass jedes Familienmitglied (unter den wachsamen Adleraugen des wahren Kapitäns) mal das Steuer übernehmen darf.



Und dann wären da noch die 19 Schleusen, die wir heute durchfahren haben. Zunächst muss gesagt werden, dass es sich dabei um wirklich beeindruckende Bauwerke und einen Beweis echter Ingenieurskunst handelt, bedenkt man, dass der Kanal inklusive der meisten Schleusen bereits im 17. Jahrhundert gebaut wurde und dass mithilfe der Schleusen auf der gesamten Kanalstrecke in den verschiedenen Schleusenanlagen Höhenunterschiede von bis zu 13,60 Meter überwunden werden.

Schleusenanlagen können aus mehreren Schleusen bestehen. Wir hatten heute Einfach-, Zweifach- und Dreifachschleusen auf unserem Weg dabei.
Der Ablauf ist dabei immer gleich (erfahrene Schleusenbenutzer können diesen Passus überspringen): Ein Besatzungsmitglied (Matrose 1) geht vor der Schleuse an Land und geht hinauf (wir schleusen derzeit immer nach oben) an den Schleusenrand. Sobald unser hervorragender Kapitän unser Boot sicher in die Schleuse manövriert hat, wirft ein zweiter Matrose das Tau vom Bug des Schiffes dem Matrosen an Land zu. Dieser legt es um einen der am Schleusenrand befindlichen Poller (hierfür gibt es mit Sicherheit einen fach-/seemännischen Ausdruck) und wirft das Seil zurück zu Matrose 2 auf dem Boot. Matrose 2 zieht das Tau nun fest und das Boot damit so nah und so stabil wie möglich an den Schleusenrand. Dasselbe Prozedere geschieht am Heck, wo Matrose 3 (oder sollte dieser nicht verfügbar sein, auch gern der Kapitän) das Tau-zu-werfen-und-um-den-Poller-legen-Spiel mit Matrose 1 spielt.
Das Boot muss so gut als irgend möglich in Position gehalten werden, wenn das Wasser in die Schleuse fließt (beim Aufwärtsschleusen), auch da sich in Regel mehrere Boote auf einmal in der Schleuse befinden.

Wenn alle Boote fest vertäut sind, schließt der Schleusenwärter das untere Schleusentor. Sobald das geschehen ist, wird das obere Schleusentor ein kleines Stück geöffnet, so dass Wasser in die Schleuse strömt und die Boote mit dem steigenden Wasserstand Stück für Stück angehoben werden bis der Wasserstand in der Schleuse dem hinter der Schleuse entspricht. An diesem Punkt öffnet der Schleusenwärter das obere Schleusentor und die Boote können nacheinander ausfahren.
Vom oberen Schleusenrand aus kann man sehr schön beobachten, wie die Boote langsam nach oben ‚fahren‘. Ein kleines Daumenkino:






Die Schleusen sind während der Sommerzeit von 9 Uhr bis 12 Uhr und von 13 Uhr bis 19 Uhr geöffnet. Und je nachdem wie viele Boote auf beiden Seiten der Schleuse warten, wie groß der zu überwindende Höhenunterschied ist und aus wie vielen Stufen die Schleuse besteht, kann der ganze Vorgang inklusive Wartezeit auch gern mal 30 – 45 Minuten dauern. Zum Glück hat es hier kaum einer eilig. 🙂
Bei unserer Abfahrt gestern wurden wir gefragt, ob wir sicher sind, dass wir in Richtung Carcassonne fahren wollten, da auf dieser Strecke besonders viele Schleusen liegen. Es war definitiv die richtige Entscheidung. Einfach nur vor sich hin zu fahren, wäre nur der halbe Spaß gewesen – vor allem für die drei jüngsten Matrosen, die bei jeder Schleuse mit Feuereifer dabei sind.
Einige der Schleusen bieten zudem noch einen besonderen Unterhaltungswert wie beispielsweise die Schleuse von l’Aiguille. Hier ist der Schleusenwärter ein Künstler, der aus den Dingen, die im Kanal treiben oder gefunden werden, Kunstwerke herstellt und an seinem Schleusenwärterhäuschen zum Verkauf anbietet.

An anderen Schleusen finden sich kleine Büdchen, in denen man ein paar Souvenirs, ein Eis oder ein schnelles Glas Wein bekommen kann. Und an jeder sind der Name der Schleuse und die Entfernungen zu den nächsten Schleusen in beiden Richtungen angegeben.

Morgen geht es weiter nach Carcassonne. 9 Schleusen auf ca. 13km. Eine gewisse Vorfreude lässt sich nicht leugnen. 🙂






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