Nachdem wir die letzte Schleuse mit ihrem kleinen Kiosk, an dem man neben Wein und verschiedenen Utensilien auch frisch geerntetes Obst und Gemüse erwerben kann, durchfahren hatten, haben wir unser Bötchen noch ein letztes Mal am Kanalufer festgemacht, um noch dem Örtchen Roubia einen kleinen Besuch abzustatten.

Ziel war die Moulin à huile – die Olivenölmühle von Roubia, in der aus den verschiedenen vor Ort geernteten Olivensorten unterschiedliche Olivenöle und allerlei andere Produkte aus Oliven und deren Öl hergestellt werden.
Nun läuft die Ölgewinnung heute natürlich lang nicht mehr so ab, wie sich das manch einer vielleicht leicht nostalgisch verklärt vorstellt, sondern wird zum weitaus größten Teil von Maschinen übernommen, aber interessant war es allemal. (Schon allein, um zu verstehen, was es mit diesem „kaltgepresst“ und „kaltgeschleudert“ als Qualitätskriterium auf sich hat.)
Die Ernte der besten Oliven, die nicht für die Ölherstellung verwendet werden, erfolgt übrigens tatsächlich immer noch zum größten Teil von Hand. Das Abernten eines einzelnen Baumes dauert dabei bis zu vier Stunden.


Nach einer kleinen Führung durch die „Olivenfelder“ durften wir auch noch ein paar der Öle probieren. Schon überraschend welche großen Unterschiede eine andere Olivensorte oder eine etwas längere Lagerung vor der Weiterverarbeitung geschmacklich machen können. Aber da war sehr viel sehr Leckeres dabei. 🙂

Drei interessante Erkenntnisse des Tages noch:
1. In dem Abschnitt des Kanals, den wir heute besucht haben, vor allem aber an den Olivenbäumen gibt es Unmengen von Schnecken. Da sie den Bäumen und Oliven aber nichts tun, lässt man sie einfach in Ruhe.


2. Die Baumstümpfe im folgenden Bild gehören zu Platanen. Über 40.000 davon stehen bzw. standen entlang des Canal du Midi. Leider sind viele tausende der Bäume von einer Pilzkrankheit – dem Platanenkrebs – befallen, durch die die Bäume innerhalb weniger Jahre absterben. Viele dieser Bäume mussten bereits gefällt werden und da sich die Krankheit immer weiter ausbreitet (und unter anderem wohl auch durch die Leinen der an ihnen festgemachten Boote übertragen wird), wird sich das auch die nächsten Jahre fortsetzen. Das Bild des Kanals ändert sich dadurch an den betroffenen Stellen deutlich, denn bevor die Ersatzpflanzungen von resistenten Platanensorten oder Silberlinden groß genug sind, um die uralten stattlichen Platanen zu ersetzen, wird es noch ein paar Jahre dauern.



3. In dieser Gegend weht ein besonderer Wind. Der Cers ist ein starker, im Sommer sehr warmer und trockener Nordwind, der in der Aude-Region an mehr als 200 Tagen im Jahr mit bis zu Windstärke 10 weht. Da will so ein Boot auch auf einem ruhigen Kanal gut festgemacht sein. 😉
Und falls man bezüglich der Windrichtung unsicher ist, reicht ein kurzer Blick auf die Wachstumsrichtung der Bäume am Wegesrand. 🙂

Nach unserem letzten kleinen Stückchen auf dem Kanal (auf dem sogar die Reiseleitung – kritisch bewacht – kurz das Steuer übernehmen durfte) hat unser Kapitän mit der Encassan wieder sicher im Hafen von Argens angelegt. Morgen geben wir sie hier zurück und steigen für den Nachhauseweg wieder auf das Automobil um. Zwischenstopp morgen: Lyon.







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