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Erich Fried

Aber

Zuerst habe ich mich verliebt
in den Glanz deiner Augen
in dein Lachen
in deine Lebensfreude

Jetzt liebe ich auch dein Weinen
und deine Lebensangst
und die Hilflosigkeit
in deinen Augen

Aber gegen die Angst
will ich dir helfen
denn meine Lebensfreude
ist noch immer der Glanz deiner Augen

 

Ohne dich

Nicht nichts
ohne dich
aber nicht dasselbe

Nicht nichts
ohne dich
aber vielleicht weniger

Nicht nichts
aber weniger
und weniger

Vielleicht nicht nichts
ohne dich
aber nicht mehr viel

 

Zu guter Letzt

Als Kind wusste ich:
Jeder Schmetterling
den ich rette
Jede Schnecke
und jede Spinne
und jede Mücke
jeder Ohrwurm
und jeder Regenwurm
wird kommen und weinen
wenn ich begraben werde

Einmal von mir gerettet
muss keines mehr sterben
Alle werden sie kommen
zu meinem Begräbnis

Als ich dann groß wurde
erkannte ich:
Das ist Unsinn
Keines wird kommen
ich überlebe sie alle

Jetzt im Alter
frage ich: Wenn ich sie aber
rette bis ganz zuletzt
kommen doch vielleicht zwei oder drei ?

Eine Antwort zu „Erich Fried”.

  1. Avatar von Renate Lehmann
    Renate Lehmann

    Liebe Anja, jetzt also auch noch Gedichte! Das war eine wunderbare Idee, sie haben uns sehr berührt. Mir wurde bewußt, daß ich mir viel zu selten die Zeit nehme, um in Gedichtbänden zu stöbern. Deshalb herzlichen Dank für die Anregung und ganz liebe Grüße aus Dresden von Renate und Hanne

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