An der Spitze der Inside Passage von Südalaska liegt Skagway – ein winziges Örtchen mit einer spannenden Goldgräbervergangenheit. Allerdings nicht, weil hier Gold gefunden wurde, sondern weil es von hier aus eine Eisenbahnverbindung nach Klondike im Yukongebiet zu den Goldfundstätten gab.
Heute hat Skagway (außerhalb der Saison der Kreuzfahrtschiffe) noch knapp 1.000 Einwohner – alles eher beschaulich. An Ausflugsmöglichkeiten und interessanten Orten mangelt es – zumindest in den Sommermonaten – aber dennoch keineswegs. Daher gibt es heute gleich zwei Geschichten für euch zu lesen. 🙂
Nach einem kurzen Spaziergang durch das Örtchen, bei dem wir innerhalb von ca. 10 Minuten an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Form von einem Supermarkt, dem Post- & Bankgebäude, zwei Restaurants, einem Saloon (mit dem verheißungsvollen Namen „Happy Ending“) und dem historischen Bahnhofsgebäude des White Pass & Yukon Railway vorbeigekommen waren, entschieden wir uns noch zu einem Ausflug zum Goldrush Cemenentary (Goldrauschfriedhof), vor allem um die Gräber von Jefferson ‚Soapy‘ Smith und Frank Reid finden.






Zu den beiden gibt es eine sehr hübsche Anekdote, die auch den Jungs so gut gefallen hatte, dass sie den ca. 5km langen Weg zum Friedhof fast ohne größere Beschwerden zurücklegten, auch wenn es sich um DEN einen Tag in ungefähr 10 Jahren handelte, an dem es in Skagway in Südalaska keine Wolke am Himmel und 28 Grad Celsius gab.
Jefferson Smith war ein Hochstapler, der in der Heimat versucht hatte, mit Seife das große Geld zu machen (daher der Spitzname ‚Soapy‘), in dem er den Menschen erzählte, in einem der Seifenstücke wäre Geld versteckt. Als er aufflog, ging er nach Skagway und betrieb dort ein Telegrafenamt. Er verlangte horrende Summen für ein Telegramm und die Menschen zahlten die hohen Preise, da sie ihren Lieben in der Heimat nach etlichen Monaten der Reise unbedingt eine Nachricht zukommen lassen wollten. Nach einiger Zeit fanden sie jedoch heraus, dass das angebliche Telegrafenkabel nach ein paar hundert Metern einfach im Wald endete. Es kam zu einem Aufstand gegen Soapy Smith. Allerdings hatte dieser den einen oder anderen Gauner auf seiner Seite, so dass es zunächst nicht gelang, Smith zu vertreiben.
Schließlich trat ihm der Landvermesser Frank Reid entgegen und es kam zu einem Schusswechsel bei dem Frank Reid angeschossen und Soapy Smith getötet wurde. Reid erlag wenige Tage später seinen Verletzungen. Beide sind auf dem Goldgräberfriedhof in einem Wald außerhalb von Skagway begraben. Anhand der Gräber kann man grob erahnen, wer von beiden der Held war. 😉




Gleich hinter dem Friedhof führt ein Pfad etwas tiefer in den Wald hinein und wenn man diesem folgt, gelangt man zu den Reid Wasserfällen.


Und die Musketiere waren fest davon überzeugt, dass sich hier noch Gold finden lassen musste. Wir müssen noch analysieren lassen, ob unsere Ausbeute ausreicht, dass wir uns zur Ruhe setzen können. 😉


Am späten Nachmittag hatten wir dann noch etwas ganz Besonderes auf dem Programm. Auf Wunsch einer einzelnen Dame ging es zu einem Schlittenhundecamp in den Bergen von Dyea – ca. 10km hinter Skagway. Schlittenhunderennen sind der Nationalsport von Alaska. Allerdings wurde es erst wieder populär, nachdem das legendäre Iditarod-Rennen 1973 ins Leben gerufen wurde. Das längste Schlittenhunderennen der Welt von Willow in der Nähe von Anchorage nach Nome in Nordalaska. Über 1850 km durch Schnee und Eis. Der schnellste Teilnehmer hat die Strecke bisher in ca. 8 Tagen und 4 Stunden geschafft. Schlafen können die Schlittenhundeführer, die so genannten Musher, dabei nur wenige Minuten am Tag, da sie entweder fahren oder ihre Hunde versorgen müssen.
Seinen Ursprung hat das Rennen in einem Ereignis im Winter 1925. In der Stadt Nome war die Diphtherie ausgebrochen. Die Medizin war ausgegangen und es drohte eine Epidemie. Der nächste Ort, an dem das Medikament vorrätig war, war Anchorage. Der erste Teil der Strecke bis nach Nenana war noch mit der Eisenbahn zu bewältigen. Nome selbst aber war nur mithilfe von Schlittenhunden zu erreichen. In einem abenteuerlichen Wettlauf gegen die Zeit wurde die Medizin innerhalb von nur 5,5 Tagen mit Hilfe von insgesamt 20 Mushern und über 100 Hunden von Nenana nach Nome ans Beringmeer transportiert und so eine Epidemie verhindert.
In Dyea trafen wir (neben einigen anderen Mushern und ihren Hunden) Becky mit ihren 29 Alaskan Huskies. Sie kommt aus Willow und plant tatsächlich nächstes Jahr auch am Iditarod teilzunehmen. Dafür trainiert sie auch im Sommer mit ihren Hunden, wenn auch für die Touristen ein wenig anders als mit ihrem Einzelschlitten im Winter. Die Steuerung der Hunde erfolgt übrigens ausschließlich über Kommandos – keine Leine o.ä. Sehr beeindruckend.
Das Camp liegt im Wald in den Bergen, weil die Temperatur dort für die Hunde angenehmer ist. Allerdings war es an diesem Tag so ungewöhnlich warm, dass wir nur eine recht kleine Runde mit dem Schlitten fahren konnten. Die Wohlfühltemperatur der Tiere liegt eher um die 0 Grad Celsius.


Als Entschädigung für die kurze Fahrt hatten wir dann aber dafür um so mehr Zeit mit dem zuckersüßen Schlittenhundenachwuchs. Wir konnten die Jungs nur mit Mühe davon abhalten, sich heimlich einen für zuhause mitzunehmen. 🙂










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