Unsere Unterkunft für den heutigen und morgigen Tag liegt in Haiku, im Nordosten der Insel. Um dorthin zu gelangen, hatten wir zwei Möglichkeiten:
1) Zurück wie wir gekommen waren über die Road to Hāna – eine Strecke von etwa 40 Meilen.
Oder 2) An der Südküste der Insel entlang, um den Haleakalā herum – etwa 65 Meilen Fahrtstrecke.
Auch wenn sich die Begeisterung für die längere Fahrt auch angesichts des kurvigen Streckenverlaufs bei einigen Reiseteilnehmern in Grenzen hielt, fiel die Wahl natürlich auf Option 2. Der große Vorteil von Option 2: Sie führte uns in einen Teil der Insel, der ganz anders war als das, was wir bisher auf Hawai’i gesehen hatten. Außerdem lagen ein, zwei Dinge entlang der Strecke, die ich gern gesehen haben wollte.
Der Nachteil dieser Option abgesehen von der längeren Strecke: Wenige Meilen hinter Hāna nimmt die Qualität der Straßenbeschaffenheit dramatisch ab. Erinnert ihr euch noch an diesen Schlaglochwettbewerb zwischen Ukraine, Moldau und Rumänien? Also er hätte auch sehr gut im Süden von Maui stattfinden können, ohne viel von seinem Schwierigkeitslevel zu verlieren. 🙂


Dafür aber kommt man auf diesem Weg am Grab von Charles Lindbergh vorbei. Ihr wisst schon: erster Nonstop-Solo-Atlantikflug 1927. (Es braucht diese beiden Einschränkungen – der erste Solo-Atlantikflug mit Zwischenstopps gelang Albert C. Read bereits 1919 und im selben Jahr hatten John Alcock und Arthur Whitten Brown den Atlantik auch bereits nonstop überflogen, aber eben zu zweit.)
Ein langjähriger Freund hatte Lindbergh einmal nach Maui eingeladen. Maui gefiel Lindbergh so gut, dass er in den 60er Jahren beschloss sich dort niederzulassen. Lindbergh starb 1974 und wurde im Friedhof der Palapala Ho’omau Church – einer sehr schlichten Kirche – beerdigt.



Noch eine kleine hübsche Erwähnung: Die letzte Kirche entlang der Straße um den Südteil der Insel ist übrigens die St Joseph Church in Kaupo. Dieser Teil der Insel ist allerdings so dünn besiedelt, dass es keine regelmäßige Messe gibt. Sie findet nur dann statt, wenn es im betreffenden Monat fünf Sonntage gibt. Die wichtigsten Termine kann man vermutlich dem Schild am Eingang entnehmen. Also die von 2011 und 2012. 😉


Bevor sich die Landschaft um uns herum grundlegend verändert, machen wir noch einen Stopp an einer DER Attraktionen von Südostmaui: ‚Ohe’o Gulch. Hierbei handelt es sich um eine Reihe von Wasserfällen mit mehreren Pools dazwischen, in denen man bei guten Bedingungen auch Schwimmen kann. Letzte Nacht hindurch hatte es heftig und anhaltend geregnet. Zum einen war daher das Schwimmen in den Pools untersagt und zum zweiten hatten sich die Wassermengen, die die Wasserfälle hinunterkamen deutlich vergrößert. Auch war das Wasser dadurch nicht klar, wie wir es sonst bei allen Wasserfällen bisher gesehen hatten sondern durch den mitgeführten Schlamm eher bräunlich.
Nichtsdestotrotz – der kleine Rundwanderweg war geöffnet – und Wasserfälle sowie einen wunderschönen Blick über den Pazifik lassen wir uns nicht entgehen. 🙂



Eine lustige Anekdote gibt es noch zu diesen Pools. Ein findiger Geschäftsmann, der ein Hotel in Hāna betrieb, suchte nach einer Idee, wie er mehr Touristen dazu bewegen könnte, diesen – ohne Zweifel sehr reizvollen – Teil der Insel zu besuchen. Ein Gedanke war dabei, die Schönheit von ‚Ohe’o Gulch stärker zu vermarkten. Daher dachte er sich dafür den Namen ‚Seven Sacred Pools‘ aus. Das klang natürlich viel interessanter und schnittiger als ‚Ohe’o Gulch. Nun sind die Pools weder heilig noch sind es sieben an der Zahl, aber die Taktik ging auf. Nach kurzer Zeit nahmen die ersten Reiseveranstalter diese Bezeichnung auf und mittlerweile weiß jeder, was mit den Seven Sacred Pools gemeint ist. Man muss nur die richtigen Ideen haben. 😀
Viel interessanter war für uns allerdings der zweite Wanderweg in diesem Teil des Haleakala Nationalparks: der Pīpīwai Trail. (Ihr könnt euch vorstellen, wer diesen Namen zum Lachen fand. :-))


Auch wenn ein Teilnehmer der Wandergruppe den ca. 6,5km langen Weg nur sehr mißmutig absolvierte, glaube ich behaupten zu können, dass auch ihn die Schönheit um uns herum nicht gänzlich unbeeindruckt ließ. Regenwald, Flussdurchquerungen, grandiose Wasserfälle und ein dichter meterhoher Bambuswald… ich kann mich an dieser Natur hier wirklich nicht sattsehen.










Und zum Schluss die über 120m hohen Waimoku Falls – der höchste Wasserfall auf Maui. Bei dem man auch in einiger Entfernung noch den Wind spürt, der entsteht, wenn das Wasser mit gewaltiger Kraft unten auftrifft.



Und dann noch diese gigantisch großen Bäume entlang des Weges mit ihren endlos scheinenden Wurzeln. Manche davon eignen sich ja auch hervorragend zum Klettern. 🙂



Nur wenige Meilen nach ‚Ohe’o Gulch und Pīpīwai endet plötzlich der Regenwald entlang der Straße und macht einer offenen, wesentlich trockeneren, sehr windigen Landschaft Platz. Ab und zu ein paar Ziegen, alte Steinmauern als Zeugen der früheren, dichteren Besiedlung durch die Hawaiianischen Ureinwohner, die hier vorwiegend vom Fischfang lebten – eine sehr felsige Landschaft geprägt durch die Lavaflüsse in vergangenen Jahrhunderten.



Und ab und zu der Blick über den Pazifik zur Rechten oder über durch Lavaströme geformte Schluchten zur Linken. Ganz anders als das, was wir die letzten Tage an Landschaft gesehen haben, aber nicht weniger beeindruckend.



Am Abend dann – nachdem wir unser sehr hübsches Airbnb Häuschen (Bilder folgen) bezogen hatten – zum (sehr leckeren) Abendessen nach Paia. Wusstest ihr, dass es dort den Ho’okipa Beach gibt, an dem jeden Abend etliche Meeresschildkröten für die Nacht an Land kommen? Sooo viele Schildkröten. Nur für mich. 😀



Das Abendessen war zur Abwechslung übrigens mal nicht amerikanisch sondern eine fast-authentische Pizzeria so mit echtem Steinofen und so.


Die Pizza war sehr gut. Und dann erst dieser Nachtisch. 😋







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