Mir.tut.alles.weh. Also zumindest alles unterhalb der Hüfte. Und das Stöhnen der jungen Herren beim seeehr langsamen und irgendwie mühevollen Aufstehen verrät mir, dass es nicht nur mir so geht. 😀 War das mit dem Radikal-Turbo-Abstieg gestern vielleicht doch nicht die allerbeste Idee. Ihr hättet die Blicke der Familienmitglieder sehen sollen, als ich vorschlug, Muskelkater und Zerrungen aller Art heute doch gleich am besten mit einer ausgedehnten Wanderung am Mont Blanc zu begegnen… 😀
Nun gut. Also heute kein Mont Blanc. Stattdessen schlug ich dann eine gemächliche Wanderung (eigentlich fast schon einen Spaziergang) durch Chamonix und zu einem nicht allzu weit entfernten See ohne großartige Anstiege entlang des Weges vor. Zu behaupten der Vorschlag wäre auf großartige Begeisterung gestoßen, wäre gelogen, aber schließlich sind wir in den Bergen und zum Wandern hier. Und alle noch folgenden Annehmlichkeiten dieses Urlaubs wollen auch erstmal verdient sein. Alle bisherigen Annehmlichkeiten haben wir uns definitiv mit der gestrigen Wanderung ‚erarbeitet‘. Nur um mal zu verdeutlichen, aus welcher Höhe wir abgestiegen sind…

Heute also etwas gemächlicher. Das war der Plan. Erstmal ein wenig durch Chamonix schlendern – ein Touristenstädtchen par Excellence mit einer kleinen Fußgängerzone und durchaus ein paar hübschen Ecken. Vor allem aber ist Chamonix ein Wintersportzentrum und das eigentliche Highlight dieser Gegend ist die Natur rund um die Stadt herum mit der imposanten Bergkulisse zu beiden Seiten des Tals.



Also trotteten wir (nicht ohne wiederholte Schmerzensbekundungen aller Teilnehmer) durch die Stadt in Richtung Lac à l’Anglais. Nun läuft es sich ja viel schöner durch den Wald als auf Asphalt. Also beschloss ich, statt des kürzesten Wegs entlang der Straße, eine alternative Route einzuschlagen, die mir meine Wander-App auch als besonders idyllische Strecke mit vielen schönen Aussichtspunkten vorschlug. Eigentlich hätte mir bereits da einleuchten müssen, dass sich Aussichtspunkte eigentlich zwangsläufig in einer gewissen Höhe befinden müssen, wenn man von ihnen aus irgendwohin eine Aussicht haben will. Nunja. Nach den ersten zweihundert Höhenmetern hatten wir uns fast erfolgreich eingeredet, dass die Schmerzen in Waden und Oberschenkeln schon deutlich besser wurden. Dann musste ich irgendwo falsch abgebogen sein und von dem, was eben noch ein deutlich erkennbarer Wanderweg gewesen war, war irgendwie nichts mehr zu sehen.

Vor die Wahl gestellt, den Weg wieder zurückzulaufen, um die richtige Abzweigung zu suchen oder über eine „Abkürzung“ auf einem tieferliegenden Teil des Weges rauszukommen, fiel die Wahl der Musketiere auf die Abkürzung. An der Tatsache, dass es einen Blogbeitrag gibt, könnt ihr sehen, wir haben es überlebt. Dass das der Fall sein würde, dessen war ich mir während des Abstiegs allerdings nicht immer sicher. Aber trotz schmerzendem Gesäß und brennender Beine – die drei hatten sichtlich Spaß 😀


Unser eigentliches Ziel – der Bergsee – wurde da fast zur Nebensache. Wäre er nicht wirklich ausgesprochen schön gewesen (tatsächlich waren es ingesamt sogar drei kleine Seen) und hätte es da nicht einige große Höhlen gegeben, die es zu entdecken galt.


Zurück nach Chamonix sollte es natürlich ebenfalls nicht auf dem kürzesten Weg gehen und zufällig stand irgendwo auch ein Wegweiser, der die Richtung zum Cascade du Dard – einem Wasserfall – wies. Die App sprach von einer Wegstrecke von um die 40 Minuten… und wir hatten uns ja jetzt auch irgendwie warmgelaufen. Also wurde der Rückweg – unter ausdrücklichem, starkem und wiederholtem Protest der jungen Herren – kurzerhand um einen Abstecher zum Wasserfall erweitert. Tatsächlich ging es noch einige Meter bergauf (wobei der anschließende Abstieg dank unserer gestrigen Aktion tatsächlich deutlich anstrengender war und mehr schmerzte), aber zum Glück gab es gleich neben dem hübschen Wasserfall ein ganz bezauberndes Café, so dass die Herren besänftigt und die Kraftreserven wieder aufgefüllt werden konnten.



So artete der geplante Spaziergang dann doch irgendwie in eine Ganztageswanderung aus. Mich beschleicht das Gefühl, heute bei den Jungs ein ganz klein wenig an Glaubwürdigkeit eingebüßt zu haben, was Länge und Steigung geplanter Wanderrouten angeht. Aber vielleicht bild ich mir das auch nur ein. 😀 Im Zweifel finden wir sonst bestimmt immer noch eine gute ‚Abkürzung‘. O:-)







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