Der Weiße Berg

So! Jetzt haben wir es lange genug heraus gezögert. Schmerzen hin oder her. Heute geht es auf den Mont Blanc!

Also nicht direkt auf den Mont Blanc. Dahin fährt die Seilbahn nämlich nicht. Und zum alpinen Bergsteigen sind wir nicht gut genug ausgerüstet. (Das ist selbstverständlich der einzige Grund. Wenn wir entsprechende Ausrüstung dabei hätten, würden wir natürlich problemlos hochklettern.) Stattdessen geht es auf den Aiguille den Midi, einem Berggipfel gleich neben dem Mont Blanc – 3.842m hoch.

Nun ist das in der Hochsaison gar nicht so einfach einen Platz (bzw. in unserem Fall fünf Plätze) am gewünschten Tag in der Seilbahn zu ergattern. Die Anzahl der Fahrten pro Tag ist begrenzt und der Andrang groß. Und im Voraus für einen bestimmten Tag ein Ticket zu kaufen, ist mutig. Schließlich kommt es regelmäßig vor, dass die Seilbahn aufgrund von starkem Wind oder anderer ungünstiger Witterungsverhältnisse nicht fahren kann. Dann steht man da mit seinem taggebundenen, vom Umtausch ausgeschlossenen Ticket…. Also war ich bereits kurz nach halb 8 Uhr morgens an der Talstation und sicherte mir Tickets für die Bergfahrt gegen halb 11 – die Fahrten vorher waren bereits ausgebucht. Die Tickets haben einen mehr als stolzen Preis. Eine einfache Berg- und Talfahrt kostet für uns fünf über 260 Euro! Die Tickets gelten nur für diesen Tag und diese Uhrzeit… wenn man seinen Slot verpasst, Pech gehabt. (Es gibt auch noch einen ‚Multipass‘, mit dem man mehrere Seilbahnen in der Gegend um Chamonix nutzen kann. Der Preis für einen Tag ist nur unwesentlich höher als der für eine Hin- und Rückfahrt am Aiguille du Midi. Mehr als eine der Bergbahnen innerhalb von einem Tag zu schaffen, ist allerdings eine recht ambitionierte Planung, so dass man den Multipass für mehrere Tage buchen müsste. Hier wäre die Ersparnis dann nicht mehr ganz so hoch und es bleibt das Risiko, dass die Bahnen bei schlechtem Wetter nicht fahren können.)

Kurz vor der angegebenen Uhrzeit wird dann die „Boardingnummer“ aufgerufen und man wird mit seiner Gruppe in den ‚inneren‘ Wartebereich geleitet. 

Anschließend geht es dann mit der ersten Bahn zur Mittelstation Plan de l’Aiguille auf 2.310 Metern und danach mit der zweiten Bahn in einer unglaublichen Geschwindigkeit – bei der einem schon mal ein wenig unwohl werden kann – in nur wenigen Minuten hinauf zur Bergstation.

Oben angekommen steht man keineswegs, wie man es erwarten könnte, in freiem Gelände auf einer Bergspitze. Vielmehr befindet man sich in einem Gebäudekomplex voller Tunnel, Röhren und Aussichtsplattformen.

Direkt nach der Ankunft erhielten wir außerdem etwas überraschend einen Zettel mit der reservierten Rückfahrzeit. Durch die hohe Anzahl an Besuchern ist für jeden nur eine Verweildauer von etwa 1,5 Stunden vorgesehen. Angesichts der Preise für die Seilbahnfahrt hielt sich mein Verständnis dafür in Grenzen. 

Neben den regulären Aussichtspunkten auf dem Aiguille du Midi gibt es noch einen Aufzug, der einen auf eine gläserne Plattform – den Skywalk – bringt. Dort wollten außer uns aber auch alle anderen Besucher hin und nach kurzer Überlegung beschlossen wir, die 60 Minuten, die man auf den Lift hätte warten müssen, um mit 50 anderen Menschen für 2 Minuten auf einer Glasplattform zu stehen, lieber anderweitig zu nutzen. 

Stattdessen erkundeten wir die Gänge und Ausstellungen zur Geschichte der Besteigungen des Mont Blanc und zum Bau der Seilbahn und die Präsentation über die Auswirkungen des Sauerstoffmangels in großen Höhen und genossen die unglaublich beeindruckende Aussicht auf den Mont Blanc und die umliegenden Berge und Täler. Wirklich, wirklich imposant.

Das mit dem Sauerstoffmangel macht sich im übrigen auch schon unter den fast 4.000 Metern bemerkbar, auf denen wir uns jetzt befanden. Uns war allen leicht schwindlig, wir atmeten schneller und beim Treppensteigen (wohlgemerkt auch noch mit Maske!) war keine Luft mehr für großartige Gespräche übrig.

Es hätte auch noch die Möglichkeit gegeben, mit einer weiteren Seilbahn hinüber auf die italienische Seite zur Bergspitze des Pointe Helbronner zu fahren. Die Aussicht bei der Fahrt über ein Gletscherfeld soll großartig sein. Die Tickets hätten uns jedoch nochmal fast 100 € gekostet und daher begnügten wir uns mit der grandiosen Aussicht vom Aiguille du Midi. 🙂 Interessant übrigens, dass es zwischen Italien und Frankreich seit Jahrhunderten eine Meinungsverschiedenheit über den genauen Grenzverlauf im Mont Blanc Gebiet gibt. Nach französischer Auffassung liegt der Mont Blanc gänzlich auf französischem Staatsgebiet. Italien ist jedoch der Meinung, die Grenze würde genau über den Gipfel des Mont Blanc verlaufen, so dass die Hälfte des Berges in Italien liegt. Für Italien geht es immerhin darum, welchen Berg es als die höchste Erhebung des Landes deklarieren kann. Mal sehen, wie das noch ausgeht. 🙂

Nachdem wir noch durch das Café und das Restaurant sowie den Souvenirshop geschlendert waren, nahmen wir pünktlich die uns zugewiesene Seilbahn zurück zur Mittelstation. Um aber möglichst viel von diesem Ausflug mitzunehmen, fuhren wir nicht gleich mit der zweiten Bahn weiter, sondern wollten noch eine kleine Runde zu einem Bergsee laufen. (Wir meint in diesem Fall Vova und mich – der Rest der Mannschaft ergab sich mehr oder weniger in sein Schicksal.)

Und dann… muss sich das mit diesem Anflug von Höhenkrankheit irgendwie auch bei mir bemerkbar gemacht haben. Als Vova nach wenigen hundert Metern meinte, wenn wir doch schon so weit gelaufen wären, könnten wir eigentlich auch gleich ganz nach unten zurück nach Chamonix wandern…

Ich wandere gern. Das Wetter war hervorragend. Die Strecke wunderschön. Aber dass ich diesem Unterfangen zugestimmt habe, kann ich mir im Nachhinein trotzdem nicht mehr erklären. (Dem ältesten Musketier ging es lustigerweise ganz genauso.) Statt einer halben Stunde Spaziergang um den Bergsee, waren es also nun 3 Stunden straffe Wanderung bergab. Und das mit unseren leicht vorgeschädigten Muskeln und Sehnen. :-/ Nun zumindest die ersten 2 Stunden waren wir (fast alle) noch hochmotiviert – hüpften erst von Fels zu Fels und später – nach erreichen der Baumgrenze – von Baumstumpf zu Baumstumpf. Außerdem gab es Walderdbeeren und Heidelbeeren so viel das Herz begehrt. Es war eine wirklich schöne Route (inklusive ein oder zwei Abkürzungen), aber am Ende hatten wir alle mehr als nur wirklich müde Füße und uns ein kleines Eis verdient. 😀

Alles in allem ist der Mont Blanc (bzw. der Aiguille du Midi) definitiv einen Besuch wert. Die Bergfahrt und die unglaubliche Aussicht sind beeindruckende Erlebnisse. Wir waren uns aber einig, dass wir angesichts der hohen Preise und der Beschränkungen, kein zweites Mal herkommen. Dann wandern wir lieber ein wenig im Allgäu oder im Schwarzwald. 🙂

Eine Antwort zu „Der Weiße Berg”.

  1. Avatar von mannisfotobude

    Ein Erlebnis der besonderen Art vor allem wenn man die Berge liebt ! Dies macht man nur einmal aber du wirst es nicht bereut haben !

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