Das französische Wort „la roche“ bedeutet Fels und angesichts der zahlreichen felsigen Abschnitte ist es nicht überraschend, dass viele der Orte entlang der Atlantikküste den Fels im Namen tragen. Und da man (ich) nicht die ganze Zeit faul an Strand oder Pool rumliegen kann, haben wir zweien dieser Orte einen kleinen Besuch abgestattet.
La Rochelle
Vielleicht haben wir einfach nur Glück bei der Auswahl unserer Reiseziele oder diese Welt ist tatsächlich voll von wunderschönen Orten, die es zu entdecken gilt. Und auch La Rochelle ist einer davon. Eine Hafenstadt wie aus irgendeinem kitschigen Roman gefallen, mit Festungsanlage, Leuchtturm, Strandpromenade usw. Alles sehr hübsch anzuschauen und wunderbar für einen Spaziergang durch den alten Hafen und die Altstadt geeignet. Dass die alten Gebäude in La Rochelle alle noch erhalten sind und zum Ende des zweiten Weltkriegs beim Rückzug der deutschen Armee nicht dem Erdboden gleichgemacht wurden, ist übrigens der so genannten Konvention von La Rochelle zu verdanken – einem Stillhalteabkommen zwischen dem Festungskommandanten von La Rochelle, Ernst Schirlitz und dem französischen Unterhändler Hubert Meyer kurz vor dem Ende des Krieges.

Markantes Wahrzeichen von La Rochelle sind drei Türme im alten Hafen: Der Tour Saint-Nicolas (der größte der drei Türme) und der Tours de la chaîne (Kettenturm), die zusammen das Eingangstor zu La Rochelle bildeten. (Vom Kettenturm aus wurde zur Schließung des Hafens nachts eine Kette zum Tour Saint-Nicolas gespannt, daher der Name.) Und der Tour de la Laterne (Laternenturm), der in der Vergangenheit als Leuchtturm genutzt wurde.

Beim Übergang vom alten Hafen in die Altstadt finden sich hier und da noch Überbleibsel der alten Stadtmauer. Auch erhalten ist ein Teil des alten Stadttores mit der Porte de la Grosse-Horloge („das Tor der großen Uhr“).

Und wenn man genug vom Herumschlendern hat, braucht man auch in La Rochelle keine Sorge zu haben, möglicherweise kein passendes Lokal zum Einkehren zu finden. Das mit den Bistros, Bars, Cafés und Restaurants haben die Franzosen einfach raus. 🙂





Rochefort
Rochefort ist ein kleines Örtchen an der Charente und wäre nicht unbedingt einen Besuch wert gewesen, gäbe es dort nicht eine der letzten 8 Schwebefähren (Pont Transbordeur) der Welt. Und die mussten wir natürlich unbedingt ausprobieren, wenn wir schon mal in der Gegend waren. Die Fähre bzw. Brücke (Baujahr 1900) hat auf jeder Seite zwei über 60 Meter hohe Pfeiler die durch einen Träger (über die Charente) miteinander verbunden sind. Eine am Träger befestigte Gondel bringt die Passagiere von der einen auf die anderen Seite. Durch diese Art der Konstruktion wurde der Schiffsverkehr durch die Brücke nicht behindert.
Die Überfahrt dauert nur wenige Minuten und da wir auch nur für die Brücke (und einen kleinen Spaziergang durch die Altstadt in Verbindung mit einem leckeren Abendessen) nach Rochefort gekommen waren, fuhren wir gleich einmal hin und zurück. Während der Rückfahrt machte uns ein Ausflugskatamaran noch die Freude, den Fluss herab zu kommen, so dass der Kapitän (vielleicht auch weil es die letzte Fahrt des Tages war) noch einen kleinen Zwischenstopp mittig über dem Fluss einlegte. War schon lustig dieses ‚Über-den-Fluss-schweben‘. 🙂








Von den 8 Schwebefähren, die weltweit überhaupt noch in Betrieb sind, ist die Fähre von Rochefort übrigens die einzige in Frankreich. Zwei weitere befinden sich in Deutschland (Rendsburg und Osten-Hemmoor), zwei in Großbritannien, zwei in Argentinien und eine (die älteste der Welt) in Spanien. Es gibt sogar einen Weltverband der Schwebefähren, der 2003 in Bilbao gegründet wurde. (Und die Schirmherrschaft übernahm niemand geringeres als der spanische König.) Und die Bewerbung als Unesco Weltkulturerbe läuft auch schon. 🙂 Also mir zumindest war die Bedeutung von Schwebefähren für die Weltgeschichte bisher gar nicht bewusst gewesen. Man lernt nie aus.






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