Die Charente ist ein etwa 380km langer Fluss im Südwesten von Frankreich und auf ca. 160km schiffbar. Abhängig vom Wasserstand ist sie etwa zwischen Angoulème und Saint-Savinien mit dem Hausboot befahrbar, wobei der letzte Abschnitt jedoch nur sehr erfahrenen Bootsfahrern empfohlen wird, da die Charente kurz vor ihrer Mündung in den Atlantik ein Gezeitenfluss ist und der Wasserstand daher mit Ebbe und Flut beträchtlich schwankt. Der bekannteste Hafen im Hausboot-Fahrgebiet ist sicherlich Cognac – Heimat des dazugehörigen Weinbrands.

Das allerwichtigste, was einem vor der Fahrt ausgehändigt wird, ist die Gewässerkarte für das jeweilige Fahrgebiet. Dieses Buch ist quasi unsere Bibel für die nächsten 7 Tage. Alle relevanten Informationen zu Fahrrinne, Schleusen, Brückendurchfahrten, Sandbänken, Häfen, angrenzenden Orten usw stehen hier drin.


Wichtigste Seite für die erste Planung: die Fahrzeitentabelle inklusive der entscheidenden Information zur Anzahl der zu durchfahrenden Schleusen. Schleusenvorgänge mit manuellen Schleusen (und natürlich sind bis auf eine alle Schleusen auf der Charente von Hand zu bedienen) sind nicht nur ein ordentliches Fitnessprogramm sondern sie dauern auch ihre Zeit. Je mehr Schleusen auf einem bestimmten Streckenabschnitt liegen, umso mehr Zeit muss man für diese Strecke einplanen. Auch macht es tatsächlich einen Unterschied, ob man stromauf- oder stromabwärts fährt, da das Boot mit der Strömung doch den einen oder anderen Knoten mehr schafft.

Insgesamt fährt man aber selbst mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 5 Knoten/Stunde (ca. 8 km/h) doch sehr gemächlich vor sich hin, so dass man Zeit hat, die wunderschöne Natur an der Charente zu genießen. Das Wasser ist so unglaublich klar, dass sich alles darin spiegelt und man an vielen Stellen bis auf den Grund sehen kann. Reichlich Wasservögel geben sich die Ehre und hier und da mal ein (leider kamerascheuer) Biber.








Unser Ausgangshafen war Jarnac – etwa mittig im befahrbaren Gebiet gelegen. (Falls euch bei eurer nächsten Teilnahme an einer Quizshow die Frage gestellt wird, welcher französische Präsident aus Jarnac stammt und auch dort begraben ist, lautet die Antwort: François Mitterrand. Man kann ja nie wissen. :-)) Wir entschieden uns dafür, zuerst in die sehr schleusenreiche Gegend flussaufwärts zu fahren. Hier dominieren Natur und kleine Dörfer. Die größeren Städte in Richtung Atlantik, das Sightseeing und das entspannte Ohne-viele-Schleusen-vor-sich-hin-Fahren heben wir uns für das Ende auf.
Mit der Ankunft der guten Fee war die Mannschaft komplett und als besonderes Extra haben wir diesmal sogar ein weiteres Crewmitglied an Bord, das uns zum einen die Sympathien aller Menschen sichert, auf die wir unterwegs treffen und zum anderen dem Kapitän auch immer mal prüfend über die Schulter schaut.


Ich werde euch dieses Mal mit einem separaten Beitrag zum Schleusen verschonen. (Es sei denn, es besteht gesteigertes Interesse, dann gebt einfach kurz Bescheid. In diesem Fall komme ich meinem Bildungsauftrag selbstverständlich gern nach.) Aber ein paar kleine Bilder zur Eleganz 😀 (und Enge) der Schleusenanlagen gibt es. Die Aufgaben sind wieder klar verteilt: Das Fußvolk (also alle außer dem Kapitän) dreht und kurbelt bis die Arme brennen, befestigt Seile und hält das Boot durch pure Muskel- und Willenskraft an Ort und Stelle und der Kapitän navigiert absolut souverän durch jede noch so enge Schleuse. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass die Begeisterung für die Unterstützung beim Schleusenvorgang bei den Musketieren etwa ab Schleuse 5 doch merklich nachlies. Zumindest fiel die Akquise von Mitschleusern jedes Mal schwerer. Das könnte aber auch am Wetter gelegen haben, aber dazu im nächsten Beitrag mehr. Oder daran, dass es auf der Charente Vorschrift ist, jede Schleuse, die man durchfahren hat, nach der Durchquerung wieder zu schließen. Das heißt bei jeder Schleusung: erst hinten öffnen, Boot reinfahren lassen, dann schließen, dann vorn öffnen, Boot rausfahren lassen und vorn wieder schließen. Und das alles mit diesem merkwürdigen Drehscheiben-Kurbelmechanismus… es gibt weniger anstrengende Tätigkeiten. :-p







Unsere gute Fee kümmert sich aber wieder so liebevoll um alles und vor allem um unser leibliches Wohl, dass die Kraftreserven für die nächste Schleusung schnell wieder aufgefüllt werden. Zwischen den Schleusen (die Pausen sind auf diesem Abschnitt allerdings nicht sehr lang), wenn nicht gerade gegessen oder gespielt wird, ist es sinnvoll, wenn sich ein Crewmitglied darauf konzentriert, Angelschnüre frühzeitig zu erkennen. Es gibt unglaublich viele Angler an der Charente. Vor allem vor und hinter Schleusen. Und dieser einer Angler…. der seine Angel nicht rechtzeitig eingeholt hat… und der verdeckt zwischen Bäumen stand, so dass wir auf dem Boot ihn und die Schnüre nicht rechtzeitig erkennen konnten… nun, eventuell hat er jetzt einen recht beträchtlichen Teil Angelschnur weniger.







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