Tokio Teil 1 – oder auch „Es gibt nichts, was es nicht gibt!“

Ich ahnte es und ihr mit Sicherheit auch – die Sache mit den Toiletten war bei weitem noch nicht alles, was die japanische Wunderkiste so bereithält. In Tokio gibt es offensichtlich wirklich nichts, was es nicht gibt. Was als harmloses Drei-Tages-Programm mit dem Besuch der wichtigsten Sehenswürdigkeiten, Schreine und Tempel begann, entwickelte sich sehr schnell zu einem kleinen Wettbewerb im Raussuchen der noch verrückteren Attraktionen dieser Stadt. Aber von vorn… Tokio ist vor allem eines – ein beeindruckender Mix von Altem und Neuem. Von Tradition und Moderne. Mit der Tempelanlage aus dem 17. Jahrhundert inmitten von Straßen und Wolkenkratzer.

Tokio ist eine riesengroße Stadt und wir haben viele Tausend Schritte gemacht, um möglichst viel zu sehen und haben dabei – neben den geplanten bekannten Sehenswürdigkeiten – noch so viele wunderbare Besonderheiten entdeckt. Da sind all diese kleinen Parks und Gärten an jeder zweiten Ecke – wie Oasen zwischen all den Häusern. Und angesichts der aktuellen Temperaturen von um die 35 Grad, oft auch eine willkommene kleine Abkühlung.

Die meisten Einheimischen tragen im Übrigen trotz der Wärme fast immer lange Hosen und viele dazu auch gern noch ein langärmliges Oberteil oder sogar ein Jäckchen. Warum das so ist, konnten wir nicht so richtig herausfinden. Außer vielleicht, dass sehr helle Haut hier immer noch als eine Art Schönheitsideal gilt. Als Gegenstück hatte dafür etwa jede/jeder Zweite einen Schirm als Schutz gegen die Sonne oder einen kleinen Ventilator in der Hand oder alternativ einen kühlenden Ring um den Hals. Schon praktisch. 🙂 Am genialsten war das Outfit von ein paar Bauarbeitern, die uns begegneten. Diese trugen dicke Westen und wir wunderten uns erst, wie unfassbar warm es ihnen darin wohl sein musste und wie sie das scheinbar ohne groß zu schwitzen locker aushielten. Allerdings stellten wir beim Näherkommen fest, dass es sich um Westen mit eingebauten Ventilatoren handelte und sie nur deshalb so dick wirkten, weil die kühle Luft sie so aufblähte. Großartige Erfindung. 😀

Eine weitere sinnvolle Maßnahme bei heißem Wetter ist bekanntlich, viel zu trinken. Wie praktisch, dass in Tokio alle paar Meter ein Automat mit einer Auswahl an kühlen Getränken steht. Für um die 80 Cent findet sich da für jeden Geschmack ein Durstlöscher. Mit Bedauern hat Vova allerdings mehrmal feststellen müssen, dass keiner der Automaten mit Bier aufwartet. Dafür allerdings mit einer beachtlichen Auswahl an Getränken, die nicht immer direkt erkennen lassen, wonach sie wohl schmecken könnten. Bei unseren ersten Automaten-Nutzungen zeigten sich die Herren noch sehr experimentierfreudig und wollten auch ausdrücklich nicht die Übersetzer-App zu Hilfe nehmen, um die Inhaltsstoffe oder die Geschmacksrichtung eines bestimmten Getränks zu erfahren sondern wählten stattdessen vorwiegend nach Aussehen der Flasche aus. Nach mehreren nennen wir es ‚interessanten‘ Erfahrungen und herben Enttäuschungen (Gerstentee… Litschiwasser mit Salz… irgendein Vitamingetränk, das geschmacklich ein wenig an Spülmittel erinnert…) fällt die Wahl jetzt allerdings doch vermehrt wieder auf Bekanntes und Wasser. 😀

Nun, wenn die Automatenlösung bei Getränken ein tragfähiges Konzept ist, warum dann eigentlich nicht auch beim Essen? So oder so ähnlich müssen die Japaner wohl überlegt haben, und schon war der Bestellautomat für Ramen und andere Leckereien erfunden. Diesen stellt man nun vor ein (in der Regel sehr kleines) Restaurant und lässt die Gäste sich dort ihr Essen auswählen und bezahlen. Der Automat spuckt dann für jede Bestellung ein kleines Ticket aus. Dieses gibt man als Gast dann dem Kellner und dieser gibt es zur Zubereitung an die Küche weiter.

Eventuell ist der Automat aber auch einfach nur die logische Weiterentwicklung des Speisen-Präsentationskonzepts der Restaurants. Vor fast jedem noch so kleinen Lokal findet sich nämlich neben einer bebilderten Speisekarte auch eine Vitrine, in der die angebotenen Speisen in Plastik gegossen ausgestellt sind. Gerade dann, wenn man der japanischen Schriftzeichen jetzt noch nicht gänzlich mächtig ist und die vom Handy vorgeschlagene Übersetzung einen etwas ratlos zurücklässt, kann das sehr hilfreich sein. (Wobei das echte Gericht in vielen Fällen zum Glück deutlich appetitlicher anmutet als seine Plastikversion.) 🙂

Was haben wir noch gesehen…? Zum Beispiel Ampeln, die dir über abnehmende Balken an der Seite anzeigen, wie lange die jeweilige Rot- oder Grünphase noch dauert. Sehr praktisch.

Oder die interessanten Parkkonzepte der Stadt, die zum einen darauf bauen, aus jeder noch so winzigen Lücke und noch so kleinem Hinterhof einen Parkplatz zu machen.

Und zum anderen auf automatische Parksysteme, bei denen das Auto auf einer Drehscheibe abgestellt und dann automatisch (nach Aussteigen von Fahrer und Passagieren) über Förderbänder und Aufzüge zu einem freien Parkplatz befördert wird. Dabei können mehrere Autos auf Podesten übereinander und auch sehr eng aneinander geparkt werden. Das spart viel Platz.

Dann wäre da noch unser Ausflug nach Ginza – einem DER Einkaufsviertel von Tokio. Wo sie am Wochenende und an Feiertagen die Hauptverkehrsstraße für den Verkehr sperren, damit Einheimische und Touristen ungestört durch die Läden bummeln können.

Und wo es in einer Mall auf zwei riesigen Etagen nichts anderes gibt als Lebensmittel aus aller Welt. Man hätte mich dort durchaus ein paar Tage zurücklassen können – auch wenn in der Abteilung für Lokales & Regionales durchaus Dinge dabei waren, die zu probieren mich vielleicht ein wenig Überwindung gekostet hätte. 🙂

Es ist schon erstaunlich, wie man kulturell vorgeprägt wird. Viele Speisen und Getränke, die hier völlig selbstverständlich sind, gehen bei uns bestenfalls als außergewöhnliche Delikatesse oder Liebhaberspeisen durch. Und genauso umgekehrt. Bei unserem anschließenden Abstecher in die Takeshita Street im Stadtteil Harajuku blieben dann aber – vor allem was den Dessertbereich angeht – keinerlei Wünsche mehr offen. 🙂

Und dann hat Tokio ja auch noch einen schier endlosen Einfallsreichtum in Bezug auf besondere Restaurants und Cafés und um die Takeshita Street herum gibt es davon einige. Also wenn ihr Lust habt, euch heute mal das Café mit Meerschweinchen zu teilen, oder mit Katzen, Hunden, Eulen oder vielleicht Mini-Schweinen? In Tokio kommt ihr, was das angeht, auf jeden Fall auf eure Kosten. (Wie die Tiere das wohl so finden, steht auf einem anderen Blatt – wir haben uns das Ganze jedenfalls nur von Außen angesehen.)

Dann war da noch Nishi-Shinjuku – das Viertel der Wolkenkratzer. In dem wir vom 45. Stock des Tokyo Metropolitan Government Office aus uns aus etwa 200m Höhe die Stadt bei Nacht angeschaut haben. Und das für umsonst – eine perfekte Alternative zu Tokyo-Tower & Co., die für die gleiche Aussicht nicht wenige Yen verlangen. (Ein großes Dankeschön an den Tippgeber. :-))

Na und natürlich noch diese berühmte Kreuzung in Shibuya gleich neben einem der größten Bahnhöfe Tokios – bei der entweder alle Menschen stehen oder – wenn alle Ampeln gleichzeitig grün werden – alle auf einmal in allen Richtungen die Straßen überqueren. Aus der ersten Etage einer berühmten amerikanischen Café-Kette hat man einen ziemlich guten Blick über die ganze Kreuzung. Schon ein verrücktes Bild. Und weil einer der Herren das Ganze auch unbedingt nochmal bei Nacht sehen wollte, kamen wir am Abend gleich nochmal vorbei, um das Gewusel und all die Leuchtreklamen zu bestaunen. Was tut man nicht alles. 🙂

Und vielleicht kennt ihr die Geschichte von Hachikō, dem Hund, der jeden Tag sein Herrchen zum Shibuya-Bahnhof begleitete und dort auf ihn wartete, bis er von der Arbeit zurückkam? Und auch weiter jeden Tag am Bahnhof wartete, nachdem sein Herrchen bereits gestorben war? Eine wirklich süße Geschichte und für Hachikō gibt es auch kleine Statue direkt an der Kreuzung, vor dem Shibuya-Bahnhof.

Und wo wir grad bei Bahnhöfen sind… zwei-, dreimal sind wir an Bahnübergängen vorbeigekommen bzw. haben diese überquert oder davor gewartet. Und ausnahmslos jedes Mal haben mehrere Menschen, die vor der Schranke gewartet haben, dem vorbeifahrenden Zug voller Freude zugewunken. Einfach so. Einfach schön. ❤

Zum Abschluss noch vier Kleinigkeiten…

1) Solltet ihr auf der Suche nach einem kleinen Snack sein, kann euch jeder der zahllosen Mini-Supermärkte weiterhelfen. Hier gibt es neben Sandwiches auf jeden Fall auch die typischen Instant-Suppen, abgepackte Reisportionen mit verschiedenen Füllungen wie Lachs oder roter Bohnenpaste und an der Kasse an der warmen Theke frittierten Fisch oder Hühnchen, Gyozas oder Dumplings. Und wenn ihr die Sachen vor Ort warm machen wollt oder heißes Wasser für die Suppen benötigt, findet sich am Ausgang bestimmt eine Mikrowelle und ein Wasserkocher zur freien Benutzung. Schon cool, oder?

2) Falls ihr einen Schirm dabei habt, denkt bitte daran, ihm am Eingang eines Gebäudes in den dafür vorgesehenen Schirmhalter zu stecken. Aber merkt euch euren Code, damit ihre euren Schirm auch wieder rausbekommt. 🙂

3) Solltet ihr euren vierbeinigen Freund mit nach Japan bringen, sucht am besten ein Restaurant aus, in dem ihr beide auf eure Kosten kommt. Wieso sollte nur der Mensch sich sein Essen auf der Speisekarte aussuchen dürfen?

4) Auch bei Fahrten in Aufzügen könnt ihr in Tokyo ganz entspannt bleiben. Schließlich ist hier jeder Aufzug mit einer Emergency Box ausgestattet. Einfach im Notfall öffnen und ihr seid mit dem Nötigsten versorgt. In einer Stadt mit regelmäßig auftretenden Erdbeben vielleicht gar nicht die schlechteste Idee.

Übrigens, wenn ihr nach Japan kommt und auch eine gewisse Vorliebe für das Sammeln von Erinnerungen habt, nehmt ein kleines Büchlein mit und sammelt Stempel. Meine einzige mitreisende weibliche Verstärkung hatte von der Möglichkeit gehört, an den verschiedensten Orten wir Bahnhöfen oder Tempeln, Erinnerungsstempel zu sammeln und war entsprechend vorbereitet. Was für eine wunderschöne Idee. Und so begeben wir uns an jedem neuen Ort erstmal auf Stempelsuche. Mal sehen, welche wir morgen finden. 🙂

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