Kyōto

Kyōto

Sämtliche Reiseführer und unsere Ratgeber für diese Reise waren sich einig, dass wir für Kyōto einige Tage einplanen sollten, weil es hier einfach unglaublich viel zu sehen und zu erleben gibt. Kyōto war für über 1.000 Jahre Sitz des Kaisers und hat neben dem hier fast schon selbstverständlichen Welterbe auch eine bezaubernde Altstadt, wunderschöne Gärten und Parks und natürlich hier und da einen Tempel oder einen Shinto-Schrein zu bieten.

Kyōto liegt von Bergen umgeben in einem Tal, in dem sich im Sommer ganz hervorragend die warme Luft sammelt. Das kann an kühleren Tagen sicherlich ganz angenehm und vorteilhaft sein, heute allerdings war es in Kyōto einfach nur sehr warm… genauer gesagt sehr heiß. Als das Thermometer 42 Grad anzeigte, waren wir uns einig, dass dies vielleicht nicht der beste Tag für einen Stadtrundgang wäre…

Und so beschlossen wir, uns vorerst auf einen kleinen Ausflug zum Arashiyama Bambuswald zu beschränken, in der Hoffnung, dass es in einem Wald eventuell etwas kühler ist. Das war es tatsächlich auch. Allerdings waren wir offensichtlich nicht die einzigen mit dieser Idee, denn es waren außer uns gefühlt noch alle Touristen und Einwohner von ganz Kyōto in Arashiyama unterwegs.

Unabhängig davon ist es ein wirklich hübscher wenn auch kleiner Wald mit riesigen Bambuspflanzen (In der Kategorie ‚unnützes Wissen‘ kann ich an dieser Stelle mitteilen, dass es sich bei Bambus keineswegs um einen Baum handelt, sondern vielmehr um ein Süßgras.) und einer wunderschönen Aussicht auf den Katsura-Fluss. (Und weiter oben wurden es auch merklich weniger Menschen, so dass es doch noch die Möglichkeit für ein paar touristenfreie, blogtaugliche Bilder gab. :-))

Kühler war es auch. Allerdings nicht so viel, dass ein längerer Spaziergang (oder gar eine Wanderung) angenehm gewesen wären. Also verzichteten wir auf den Besuch des angrenzenden Affenparks und erfüllten stattdessen einen Herzenswunsch der jüngeren Mitreisenden: wir gingen shoppen.

Im Zentrum von Kyōto gibt es keinen Mangel an Einkaufszentren – mit den riesigen Malls in Amerika nicht zu vergleichen, aber man findet alles, was man braucht und sogar noch ein bisschen mehr. Denn neben den üblichen Klamotten- und Schuhläden gab es auch noch einen ganz hervorragenden Supermarkt, der uns das Mittagessen sicherte…

…und – zur ekstatischen Begeisterung der Jugendlichen – eine Arcade. Das alles in hervorragend klimatisierter Umgebung. Teenager-Herz was begehrst du mehr?! 🙂

Am nächsten Morgen war es zumindest ein kleines bisschen weniger heiß und wir hatten ja noch die Theorie, dass es in einem Wald sicherlich temperaturtechnisch erträglicher sein sollte… also auf in Richtung Higashi-Fushimi Inari Schrein – quasi der Schrein der Schreine in Japan überhaupt berühmt für seine Tausenden von Toriis, die die Wege zur Tempelanlage und hinauf zum Berg Inari säumen.

Die Menschenmassen, die wir gestern noch im Bambuswald getroffen hatten, waren heute übrigens alle am Inari-Schrein und so kämpften wir uns die ersten Meter durch ein Menschenmeer unter den endlos scheinenden Toren hindurch bergauf.

Die Temperatur war ein wenig niedriger als im Stadtzentrum, aber noch weit entfernt vom Zustand ‚angenehm‘ und so wurden es, je weiter wir nach oben kamen, sehr schnell immer weniger Menschen. Als wir nach etwas einer Stunde deutlich kurzatmig (und unter Verbrauch von etwa 3 Wasserflaschen pro Person) den von google als „schönsten Aussichtspunkt entlang der Strecke“ ausgewiesenen Punkt erreicht hatten, waren laut Wegweiser noch etwa 30 Minuten Wegstrecke bis zum Gipfel übrig. Ein kurzer Blick in die verschwitzten Gesichter und wir waren uns ohne große Worte einig, dass uns die Menge an bisher gesehenen Torii und Schreinen angesichts der herrschenden Temperaturen absolut ausreicht und weder der sich am Gipfel befindliche Schrein noch eine eventuelle besondere Aussicht von ganz oben, einen weiteren Aufstieg rechtfertigten. Und so beglückwünschten wir uns, dass wir im Gegensatz zu soooo vielen anderen trotz der widrigen Umstände ja sooo weit nach oben gekommen waren, versicherten uns nochmals, dass das hier definitiv der schönste Aussichtspunkt war, dass wir an religiösen Stätten & Co ja mittlerweile auch schon wirklich viel gesehen hatten und überhaupt war jetzt definitiv der perfekte Zeitpunkt, um umzudrehen – alles ab hier könnte nur noch weniger schön werden. 😀 Unabhängig davon… die Toriis sind schon allein aufgrund ihrer schieren Menge unbedingt einen Ausflug wert. Selbst bei 36 Grad im Schatten.

Nach ein paar Kaltgetränken (und natürlich Bier für Vova), einem kleinen Snack und einem Shaved Ice als Nachtisch waren die Kraftreserven soweit wieder aufgebaut, dass sich die Jugendlichen nochmal zu einm kurzen Abstecher in die Mall aufmachten.

Vova und ich erfüllten währenddessen den Wunsch eines Familienmitglieds (an dieser Stelle liebe Grüße nach Bayern :-)) und besorgten uns am Bahnhof von Kyōto ein Plattform-Besuchsticket (Admission Ticket). Nur mit diesem Ticket (oder einer gültigen Fahrkarte natürlich) gelangt man überhaupt auf die Bahnsteige, an denen der Shinkansen abfährt und kann die gewünschten Fotos und Videos machen. 🙂

Wie wir gelernt haben, ist das Geheimnis der zuverlässigen und verrückt schnellen Verbindungen in Japan mit dem Shinkansen weniger die hohe Spitzengeschwindigkeit des Zuges an sich (angeblich kann der ICE wohl – zumindest in der Theorie – in Spitze sogar ein wenig schneller fahren als der Shinkansen) als vielmehr das fast vollständig vom sonstigen Zugverkehr separierte Schienennetz und die auch auf längeren Stecken gleichbleibend andauernd hohe Durchschnittsgeschwindigkeit. Es war schon beeindruckend, in welcher Frequenz und uhrwerkartigen Präzision ein Zug nach dem anderen im Bahnhof ein- und ausfuhr.

Zum Abendessen waren wir auf besonderen Wunsch von zwei Reiseteilnehmern auf der Suche nach einem Sushi-Restaurant, das im besten Fall für die anderen – weniger Sushi-begeisterten – Mitreisenden auch Alternativen im Angebot hatte. Und zu unseren großen Freude und Überraschung wurden wir tatsächlich fündig. (Warum das keineswegs selbstverständlich war, dazu in einem anderen Beitrag mehr.) Eine Sushi-Sashimi-Nigiri-Platte für die einen, Rindfleisch-„Sushi“ und gegrilltes Hühnchen für die anderen. Alles sehr lecker. 🙂

Zum Abschluss unseres Kyōto-Besuchs hatten wir uns (nachdem wir uns gemäß dem ‚Mut zur Lücke Prinzip‘ gegen den Besuch des Kaiserpalasts und weiterer Tempel entschieden hatten) noch den Stadtteil Higashiyama aufgehoben – ein besonders gut erhaltener historischer Teil Kyōtos mit alten Holzhäusern und engen Gassen, die sich den Berg hinaufwinden. Hier befindet sich sogar das obligatorische Starbucks in einem alten kleinen Holzhäuschen. Und es gibt so viele winzige Geschäfte und Cafés, die die leckersten Sachen anbieten. 🙂 Ein sehr, sehr hübscher Fleck dieser Stadt. Auch wenn er vor lauter Menschen nur so überquillt.

Alles in allem haben sie alle recht gehabt… Kyōto ist auf jeden Fall eine Reise wert!

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