Exkurs: Supermärkte und Restaurants

Wenn wir mit der ganzen Familie in den Urlaub fahren, ist es in der Regel so, dass wir Lebensmittel einkaufen und dann in unserer Unterkunft kochen und essen. Immer essen gehen ist bei so vielen Menschen finanziell einfach keine Option. In Japan ist das tatsächlich anders. Essen gehen ist in den meisten Fällen so günstig, dass es mit einem Einkauf im Supermarkt kaum preiswerter wird. Und als dritte Möglichkeit nach Essengehen und Selbstkochen gibt es hier ja auch noch die Variante, sich sowohl kleine Snacks als auch Fertigessen in kleinen Läden und Geschäften zu besorgen. Die Auswahl ist in der Regel mehr als reichlich und die Qualität von Reisbällchen, Fried Chicken, Sushi & Co. normalerweise wirklich gut. Nicht zu vergessen das schier endlose Angebot an Instant-Suppen, die nur noch mit heißem Wasser aufgefüllt werden.

(Allerdings ist zu beachten, dass Essen in der Öffentlichkeit – beispielsweise im Gehen oder an Haltestellen – ganz und gar nicht üblich ist und gefühlt auch nicht gern gesehen wird. Die Menschen kaufen die Snacks und essen sie entweder sofort vor Ort oder nehmen sie mit nach Hause.)

Generell sind Supermärkte damit ein wirklich guter Ersatz für einen Restaurantbesuch. Überraschend fand ich, wie vergleichsweise wenig Obst angeboten wird (und zu welchen vergleichsweise hohen Preisen). Das Kassen- und Bezahlsystem im Supermarkt hat mir gut gefallen. Entweder man zahlt an einer der vielen Selbstbedienungskassen oder man bringt seinen Korb/Wagen zu einem Kassierer / einer Kassiererin. Diese scannen die Produkte und legen sie dann sorgsam je nach Menge in ein oder zwei neue Körbe, tunlichst darauf bedacht, empfindliche Lebensmittel vorsichtig zu behandeln und oben auf zu legen, damit sie nicht zerdrückt werden. Anschließend geben sie dir deinen Korb und verweisen sie dich an eins der Bezahlterminals. (Jede Kasse hat in der Regel zwei Terminals zum Bezahlen.) Während du bezahlst, kann dann schon der Einkauf des nächsten Kunden gescannt werden. Sehr praktisch. (Und auch wieder Ausdruck eines Urvertrauens, weil eigentlich könntest du mit deinem erhalten Einkauf ja nun auch ohne zu Bezahlen irgendwie locker aus dem Geschäft spazieren.)

Das mit dem Restaurantbesuch ist angesichts unserer Gruppengröße auch einfacher gesagt als getan. Die meisten Restaurants hier sind winzig klein mit nur wenigen Plätzen und meistens gibt es gar keine Tische, an die mehr als vier Personen passen (wenn überhaupt). Und als allererstes muss man das Restaurant ja auch erstmal finden. Die ersten Tage dachten wir noch, dass das Handy-Navi vielleicht nicht zuverlässig funktionierte, bis wir feststellten, dass sich Restaurants tatsächlich ohne Probleme in der vierten Etage eines absolut unauffälligen Wohnhauses befinden können oder in irgendeinem dunklen Hinterhof. Oder zumindest – wenn schon ebenerdig – vollkommen unbeleuchtet, hinter verschlossenen Holztüren mit Vorhängen davor. Hat ein bisschen was Verschwörerisches oder es ist die Umsetzung des Darwinismus im japanischen Gastronomiebereich: Tja, wenn du das Restaurant noch nicht mal findest oder dich nicht traust, die Tür zu einem komplett dunklen, fremden Gebäude aufzumachen, hast du es offensichtlich auch nicht verdient, das Lokal zu besuchen. 🙂

Dass in vielen Fällen das angebotene Essen vor dem Restaurant entweder in Plastikform oder auf Bildern ausgestellt ist, hatte ich schon berichtet. Das macht den Auswahlprozess doch deutlich einfacher. Generell läuft es in den meisten Restaurants fast ausschließlich über die Übersetzer-App und anschließendes Zeigen und Deuten. Ich bin immer noch jedes Mal überrascht, wie wenige Menschen hier selbst nur ein paar wenige Worte Englisch sprechen.

In einem (auf Wunsch der jungen Herren italienisch-japanischen) Lokal hatten wir eine hübsche Lösung in Form eines Übersetzungsgerätes. Der Wirt ließ uns zeigen, in welche Sprache wir übersetzen wollten und sprach dann die Sätze für uns in das Gerät, das diese sofort übersetzte, anzeigte und auch vorlas. (Umgekehrt funktionierte das für die Dinge, die wir sagen wollten, natürlich ganz genauso.) Der Handyapp-Übersetzer kann das auch, aber das hier war deutlich schneller und sehr praktisch. Ähnliche Geräte hatten wir auch schon ein-, zweimal an größeren Bahnhöfen in Tokio gesehen, wenn wir dort nach einer Auskunft gefragt hatten.

Sechs nicht-japanisch aussehende Personen ziehen (vermutlich angesichts generell wenig ausländischer Besucher) gern mal ein wenig Aufmerksamkeit auf sich und ich glaube, es hätte mehr Fragen und Gespräche gegeben, hätte man eine gemeinsame Sprache gehabt, in der man sich hätte verständigen können. In besagtem japanisch-italienisch Restaurant hatten wir eine sehr angenehme Dreiergruppe am Nachbartisch, die, sobald der Kellner das Übersetzungsgerät brachte und wir unsere Bestellung aufgegeben hatten, die Gelegenheit ergriff und mithilfe des Gerätes alle möglichen Fragen stellte: wo wir herkämen und ob wir alle eine Familie wären (was? so viele Kinder? :-D) und wie lange wir in Japan wären und ob das unser erster Besuch sei usw. Und all das begleitet von einer unbeschreiblichen, liebevollen, aufrichtigen Freundlichkeit. (Die man tatsächlich aber auch wirklich fast immer und überall spürt, unabhängig von den sprachlichen Schwierigkeiten.) Es war wirklich sehr schön und berührend. Ist schon großartig, was die moderne Technik so möglich macht.

Hinsichtlich der Auswahl an Restaurants gibt es, zumindest in den großen Städten so ziemlich jede Richtung – auch europäische oder (nord- und süd)amerikanische Lokale. Allerdings überwiegen natürlich bei weitem die japanischen Restaurants. Und hier allein gibt es durchaus eine beträchtliche Bandbreite. Japanisches Restaurant ist nicht gleich japanisches Restaurant. Der häufigste Typ ist das so genannte Izakaya- eine Art japanische Kneipe in der neben Getränken das japanische „Fastfood“ angeboten wird. In der Regel so etwas wie frittiertes Hühnchen oder Seafood (generell waren wir von der Menge an frittierten Essen schon überrascht), Nudelsuppen, Edamame und ähnliches. Hühnchengerichte werden übrigens in der Regel aus der Oberkeule und nicht aus dem Filet gemacht wird – das ist es meist fettiger und ‚durchwachsener‘ als wir Verwöhnten es so kennen. Geschmacklich war fast alles immer gut, aber nach ein paar Tagen darf es dann auch mal wieder etwas anderes sein als deep fried chicken. Zum Glück gibt es zahlreiche Alternativen – vom schon erwähnten BBQ am Tisch über die obligatorischen Sushi-Restaurants bis hin zu Teppanyaki-Grills oder Läden, die sich auf Ramen (Nudelsuppen) oder Dumplings und Gyoza (verschiedene japanische Teigtaschen) spezialisiert haben. (Ich habe im übrigen eine besondere Vorliebe für Dumplings – und hier gibt es soooo viele verschiedene Füllungen. Großartig. :-)) Typisch auch: japanische Currys (entweder mit Fleisch oder vegetarisch). Quasi das japanische Hausmannsgericht schlechthin mit Nudeln oder Reis als Beilage. Und eigentlich gibt es fast immer irgendeine Art Miso-Suppe zu jedem Essen.

Was die Zutaten angeht, ist es ein bunter Mix aus verschiedenen Fleisch- und Fisch-/Meeresfrüchtesorten. Das berühmte Wagyu-Rind – bei uns quasi unbezahlbar – kann man hier, in verschiedenen Qualitätsstufen, zu absolut erschwinglichen Preisen eigentlich in jedem Supermarkt kaufen. Schade, dass wir davon nichts mitnehmen können. 🙂 Daneben gibt es viel Gemüse – entweder frisch oder sehr oft auch sauer eingelegt in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Neben Aubergine, Rettich & Co. auch Sorten, die es bei uns eher seltener gibt: Algen, Lotuswurzeln, Taro… Vermutlich aufgrund der recht hohen Anzahl an Buddhisten wird ganz generell viel vegetarisches Essen angeboten.

Schön ist übrigens, dass in jedem noch so kleinen Restaurant, Wasser immer kostenlos zum Trinken angeboten wird. Selbst im kleinsten Ramen-Lokal findet sich mit Sicherheit irgendwo eine Ecke, in der eine Kanne mit Eiswasser zum selbständigen Nachfüllen steht. Diesbezüglich hat Deutschland definitiv gegenüber anderen Ländern noch Nachholbedarf.

Was den Nachtisch angeht, scheinen wir offensichtlich zu europäisiert zu sein. Wir haben viel ausprobiert, aber so richtig begeistert hat uns kaum etwas. Bei vielen Dingen waren wir nicht in der Lage überhaupt herauszufinden, woraus sie bestehen oder wonach genau sie schmecken. Vieles hat eine gelee- oder gummiartige Konsistenz. In vielem befindet sich Paste aus roten Bohnen. Viele Geschmacksrichtungen lassen sich bestenfalls in die Kategorien ‚gewagt‘ oder ‚ungewöhnlich‘ einordnen.

Gut, dass es da gerade in den großen Städten auch irgendwie starke französische Einflüsse zu geben scheint und sich so reichlich französische Cafés und Bäckereien finden lassen. (Da gibt es in der Regel sogar echtes Baguette – sonst findet man in den Supermärkten fast immer nur Toastbrot-ähnliches, weiches Brot, wie man es auch aus den USA und England kennt.) Und das allerbeste: offensichtlich haben sich gefüllte und zusammengerollte Crêpes zu einer Art Kassenschlager in Japan entwickelt. Ich liebe Crêpes! Und um so mehr, wenn sie dann noch mit so großartigen Dingen wie Vanillecreme, Eis, Schokolade und Obst gefüllt sind. 🙂

Insgesamt haben wir wirklich viel verschiedenes an japanischem Essen probiert und darunter gab es sehr viele, sehr leckere Sachen und Einiges, dass wir nicht unbedingt ein zweites Mal auswählen würden. Aber Geschmäcker sind ja zum Glück verschieden. Anders lässt sich auch nicht erklären, wie es so etwas wie fermentierte Sojabohnen überhaupt als Lebensmittel geben kann. Schon der Geruch allein… (schon beim Schreiben darüber bekomme ich ein ganz flaues Gefühl im Magen. :-D) Man muss vermutlich ein wirklich echter Gourmet sein, um das schätzen zu können. Selbst bei einem japanischen Buffet mit allerlei ‚interessanten‘ Speisen, waren die Sojabohnen das Einzige, was fest verpackt in einer Schale lag. Wer es einmal ausprobiert und die Packung geöffnet hat, weiß warum… 😉

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