Für unsere letzten Tage in Japan hatten wir Kamakura, etwa eine Stunde südlich von Tokio in der Sagami Bucht des Pazifiks ausgesucht. Zum Zeitpunkt der Planung war der Strand der Stadt nur eines von vielen Auswahlkriterien gewesen. Denn neben den hübschen Sandstränden hat Kamakura auch einige interessante Sehenswürdigkeiten zu bieten.
Da ist zum Einen der Kotokuin Tempel mit der riesigen „Daibutsu Statue“ – mit über 11 Metern die zweitgrößte bronzene Buddha-Statue in Japan.

Hübsche Nebengeschichte dazu… in den 50er Jahren bastelten Schulkinder etwas 1,80m große Sandalen für den Buddha, damit dieser durch ganz Japan reisen kann und nicht barfuß gehen muss. Diese Schuhe werden nun etwa alle drei Jahre neu hergestellt und ersetzt.


Oder der Hase-dera Tempel – ein buddhistischer Tempel berühmt für seine Kannon-Statue, der Göttin der Barmherzigkeit, seine wunderschönen Gärten sowie die große und unzählige kleine Buddha-Statuen.











Und da ist der Hokoko-ji Tempel, ein kleiner Tempel der Zen-Buddhisten mit seinem kleinen aber sehr hübschen Bambuswäldchen drumherum. Interessant war übrigens, dass in Kamakura für alle Tempel Eintritt gezahlt werden musste. Nicht viel, aber doch überraschend, da bisher alle (selbst die großen in Tokio oder Miyajima) kostenfrei gewesen waren.






Nach fast drei Wochen mit reichlich Tempeln und Schreinen, mit durchschnittlichen Temperaturen jenseits der 30 Grad und nach vielen, vielen zu Fuß zurückgelegten Kilometern, wurde der Strand dann aber doch das eigentliche Highlight unserer letzten Station in Japan und wurde in vollen Zügen genossen. Auch wenn außer uns schon drei oder vier andere Besucher ihr Handtuch ausgebreitet hatten und in Japan auch an einem Strand gewisse Regeln zu beachten sind. 🙂




Viel haben wir gesehen in diesen 2,5 Wochen und viel Neues gelernt. Japan ist ein großartiges Reiseziel und wir planen auf jeden Fall noch einen Besuch – da ist noch so Vieles, was es zu entdecken gibt. Allerdings erst, wenn wir nicht mehr an die Sommerferien gebunden sind, denn im Sommer ist es in Japan – vor allem in den großen Städten – einfach sehr, sehr warm. Vielleicht zur Zeit der Kirschblüte oder im Herbst, wenn sich die vielen Bäume wunderschön verfärben. Auch wenn dann wohl deutlich mehr Touristen unterwegs sein sollen.

Was bleibt uns in Erinnerung? Auf jeden Fall diese unbeschreibliche Freundlichkeit, die Hilfsbereitschaft, die Zurückhaltung. (Allerdings haben wir, so glauben wir, auch die Achillesverse der japanischen Freundlichkeit gefunden: Straßenverkehr allgemein und Stau im speziellen. 😉 Hier geht es unter Autofahrern gern mal genau so zu wie zuhause. Da wird keinem auch nur ein halber Meter Straße gegönnt. Und versucht mal, im Stau die Spur zu wechseln… viel Glück. Gehupt wird allerdings kaum. Sie lassen dich halt nur einfach nicht rein und fahren bis auf 1,5cm an die Stoßstange des Autos vor ihnen ran, egal, ob sie damit die gesamte Kreuzung blockieren. :-D)

Das mit dem Autofahren hatte generell einige interessante und lustige Episoden. Gerade in Bezug auf Gewohnheiten, die man nur schwer los wird. Bei unserem Auto zuhause ist der Blinkerhebel beispielsweise links vom Lenkrad. Bei unserem japanischen Modell war dort der Scheibenwischer. Sagen wir mal so… die Frontscheibe des Mietwagens ist mittlerweile wirklich sehr, sehr sauber. 😀
Was das Parken in japanischen Städten angeht, gibt es ein relativ gängiges System. Vor dem Platz zeigen große Schilder den Preis pro Stunde (oder halbe Stunde oder x Minuten – meist unterschiedlich an Wochentagen und Wochenenden und tagsüber oder nachts) an und auf dem Platz selbst sind dann die Parklücken mit Nummern versehen und kleinen Rampen ausgestattet. Sobald man das Auto auf den Platz stellt, fährt die Rampe hoch und blockiert das Fahrzeug. An einem kleinen Automaten an der Ausfahrt wählt man dann, wenn man wieder rausfahren möchte, seine Parkplatznummer aus, bezahlt den angezeigten Betrag und die Rampe gibt das Auto wieder frei. Gerade in der Nähe der größeren Sehenswürdigkeiten lohnt sich der Vergleich der Parkplatzgebühren. Da gibt es durchaus einige Anbieter mit eher unangemessenen Preisen.

Was noch…. Die mitunter sehr lustigen Ergebnisse der Übersetzer-App. Da man mit Englisch (oder anderen Sprachen, denen wir mächtig sind) in der Regel nicht weit kommt, braucht man die Unterstützung der modernen Technik. Und die war stellenweise sehr kreativ. 🙂



Nicht immer waren die Ergebnisse wirklich hilfreich und bei Dingen wie der Bedienung von Waschmaschine und Trockner, konnte man einfach nur hoffen, das Richtige ausgewählt zu haben, damit die Kinder die nächsten Wochen nicht in Kleidergröße 116 würden herumlaufen müssen.

Was gab es noch Interessantes… vielleicht das System der Mülltrennung. Bis auf wenige Ausnahmen wird an den meisten Stellen nur zwischen genau zwei Arten von Müll unterschieden – brennbar und nicht brennbar. Wobei gefühlt alles, außer Mehrweg-Flaschen irgendwie in die Kategorie „brennbar“ zu fallen schien. 😀 Geheimtipp übrigens, um euren „Unterwegs-Müll“ loszuwerden, da es ja keine öffentlichen Mülleimer gibt – steuert den nächsten Supermarkt oder kleinen Lebensmittelladen an, dort steht hinter dem Eingang fast immer ein Mülleimer.
Auch lustig – irgendwie scheint es, gerade bei neueren Geschäften und Restaurants, einen Hang zur Wahl von modern klingenden, englischen Namen für die Shops und Lokale zu geben. Die Sprache selbst spricht dann dort aber niemand. 😀 Oh und dann wollte ich euch doch noch ein Foto von diesen coolen belüfteten Westen zeigen… wir haben uns mehr als einmal auch so eine gewünscht. 🙂

Dann hätten wir noch die berühmten Koi-Karpfen… also wenn es hier einen auch noch so kleinen Tümpel oder Eimer mit Wasser darin gibt, könnt ihr eigentlich fast sicher sein, dass sich darin auch mindestens eine Handvoll Koi-Karpfen befinden. Davon gibt es hier offensichtlich genügend. 🙂 Und wovon es auch mehr als reichlich gibt – und das nicht nur in den großen Städten – sind Spielhallen voller Automaten. Allerdings nicht solche, an denen man versucht etwas zu gewinnen (die gibt es auch), sondern Automaten voller Spiel-/Sammelkarten à la Pokemon oder Sammelfiguren, bei denen man versucht durch Drehen, eine möglichst gute oder die noch fehlende Figur oder Karte herauszubekommen. Hunderte von solchen Automaten.

Was wir auf jeden Fall mitnehmen werden, ist diese besondere, friedliche Philosophie und Grundhaltung, die einem vor allem aber nicht nur in allen Tempeln und Schreinen begegnet. Und das Wissen, dass sich die meisten Menschen doch nur sehr wenige Dinge wirklich von Herzen wünschen.
Man müsste meinen, dass mit dem Frieden kann doch eigentlich nicht so schwer sein.




„Hatred ceases not by hatred but by love.“
„Hass wird nicht durch Hass überwunden, sondern durch Liebe.“







Hinterlasse einen Kommentar