Also eigentlich sah der Plan für den heutigen Tag folgendermaßen aus:
- Recht frühes Aufstehen und Auschecken
- Fahrt nach Saint John – einem hübschen Örtchen an der Bay of Fundy
- Besichtigung von Saint John einschließlich Markthalle und den Reverse Falls
(dazu gleich mehr) - Anschließend mit der Fähre Überfahrt nach Digby auf der anderen Seite der Bucht
- kurzer Stopp in Grand Pré, einer Kulturlandschaft (und ein Unesco Welterbe ;-)) mit viel Historie v.a. in Bezug auf das Leben der Akadier (auch dazu in einem anderen Beitrag noch mehr)
- Weiterfahrt zu unserem letzten Stopp unserer ersten Etappe in der Nähe von Halifax
Also eigentlich….
Nun scheint aber wettertechnisch in diesem Urlaub (oder hoffentlich nur in diesem ersten Abschnitt) irgendwie der Wurm drin zu sein. Und so begrüßte uns der neue Tag beim Aufwachen mit Starkregen und Gewitter. Ein Blick auf die Wettervorhersage für Saint John verriet, dass es dort ähnlich aussah und für die nächsten Stunden auch nicht mit Besserung zu rechnen war. Also spontan die frühe Abreise durch Ausschlafen und entspanntes Frühstücken ersetzt – eine ausgiebige Stadtbesichtigung würde bei starkem Regen definitiv keinen Spaß machen. Die Fahrt nach Saint John verlief dann aufgrund miserabler Sichtverhältnisse eher gemächlich und so hatten wir auch nur noch etwa 1,5 Stunden bis zur Abfahrt der Fähre. Die Reverse Falls wollte ich mir aber nicht entgehen lassen. Schließlich handelt es sich hier um ein ganz besonderes Naturschauspiel an den Zuflüssen in die Bay of Fundy. Aufgrund der riesigen Wassermassen, die bei Flut aus der Bay in Richtung der Flüsse strömen, entstehen Stromschnellen und Verwirbelungen und an manchen Stellen kehrt sich sogar die Fließrichtung der Flüsse um, so dass das Wasser in diesen Flüssen zeitweise flußaufwärts fließt.



Ich hatte das Auto nur für wenige Minuten verlassen, um die Reverse Falls zu bestaunen und war trotzdem bis auf die Knochen durchnässt. Damit entfiel die Frage nach dem Besuch weiterer Attraktionen und wir machten uns stattdessen auf in Richtung Fähre. Überraschenderweise wollte auch keiner der Mitreisenden während der Wartezeit „kurz aussteigen“, um sich die Beine zu vertreten. 😀

Meine große Hoffnung für die Fährfahrt war eigentlich gewesen, dass wir Wale sehen würden. Von diesen gibt es gerade in den Sommermonaten in der Bay of Fundy nämlich einige und die Fährüberfahrt soll eine gute (und weniger kostenintensive) Alternative zu Walbesichtigungstouren sein. Allerdings stellten sich die Sichtverhältnisse beim Ablegen der Fähre so dar:

Also verabschiedete ich mich von dem Gedanken der Walsichtung und setzte mich stattdessen leicht geknickt (und immer noch sehr nass und mit einem Schnupfen) ins Café der Fähre. 😦
Der treue Leser wird sich vielleicht daran erinnern, dass ich mit schwankenden Transportmitteln allerdings gar nicht gut zurechtkomme – und angesichts der herrschenden Wetterverhältnisse schwankte das Schiff nicht unerheblich. Daher sah ich mich genötigt im eigenen Interesse und dem der Mitreisenden, mich recht zügig doch wieder an die frische (und sehr feuchte) Luft zu begegnen. Und während ich da so am Heck der Fähre stand… und in den Nebel und den Regen hinaus starrte….



Wieviel Glück kann ein Mensch haben? 🙂 Was für ein großartiger Anblick – und in echt natürlich viele tausend Male besser als auf den schlechten Fotos einer Handykamera. Ich bin immer noch ganz hin und weg. 🙂 Mittlerweile bin ich fest davon überzeugt: Diese wunderbaren Begegnungen mit Schwarzbär, Eichhörnchen und Buckelwal sind unsere persönliche Entschädigung für die eher durchwachsene Wetterlage. 😀

Bei der Ankunft in Digby hatte sich die Unwettersituation nicht verbessert. Im Gegenteil. Kaum dass wir die Fähre verlassen hatten, vibrieren und klingelten sämtliche Mobiltelefone und zeigten alle die gleiche Nachricht:

Die Warnmeldung vor Überflutungen, Stürmen und Starkregen übertrieb keineswegs. Es war als hätte der Himmel alle Schleusen gleichzeitig geöffnet. An ein Besuchen von irgendetwas war nicht zu denken. Nicht mal an ein Aussteigen. Das Wasser stand auf den Straßen und spritzte unablässig an beiden Seiten weit nach oben. Im Grunde wäre man mit einem Boot auf der Straße besser bedient gewesen als mit einem Auto. Die Fahrt auf der Autobahn erfolgte mit wenig mehr als 30 km/ h und konstant eingeschalteten Warnblinkern, da man andere Fahrzeuge sonst überhaupt nicht erkannte. Eigentlich schwamm und glitt man mehr vorwärts als dass man fuhr. (Jedes Aquaplaning-Training ist ein Witz dagegen.) Das waren sehr, sehr lange 200km und es hörte tatsächlich auch erst wenige Kilometer vor unserem Ziel auf zu regnen. So eine Fahrt muss ich erstmal auch nicht wiederholen.
Insgesamt war von unseren Plänen für diesen Tag nicht viel übrig geblieben… aber was soll’s: Wir sind alle heil ankommen, der Regen hat aufgehört und… wir haben Wale gesehen. 🙂 ❤






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