The streets of Philadelphia

Im Grunde war der Hauptzweck unseres „Umwegs“ in die Vereinigten Staaten zumindest für einen aus unserer Reisegruppe ja eigentlich bereits erfüllt, als wir (beziehungsweise genau genommen vor allem Musketier #3 ;-)) am Flughafen von Philadelphia sehr herzlich in Empfang genommen wurden. Ab diesem Zeitpunkt hätte der Rest der Familie vermutlich auch einfach wieder abreisen können – ihn hätte es wahrscheinlich nicht gestört. (Sofern er es überhaupt bemerkt hätte. :-D)

Aber nun waren wir schon mal hier und so wollte die Zeit auch sinnvoll genutzt werden – und was liegt da näher als die umfassende Erkundung einer Stadt, in der bisher noch keiner von uns gewesen war. Zu unserem großen Glück und unserer ebenso großen Freude nahm uns die Familie der großen Liebe von #3 nicht nur unglaublich liebevoll und herzlich auf, sondern bot sich auch noch als persönlicher Reiseführer für Philadelphia an.

Das Wetter hatte mittlerweile beschlossen, uns für die letzten 10 Tage intensiv zu entschädigen und so wurde die Temperatur auf – für eine Städtetour ganz großartige – 38 Grad Celsius hochgedreht und kein Wölkchen trübte den Himmel. Nun, definitiv besser als Kälte, Dauerregen und Nebel. 🙂 Die Stadterkundungstaktik unserer amerikanischen Gastgeber wurde allerdings Temperatur und Sonneneinstrahlung angepasst und so folgten auf etwa 10 Minuten gemächlichen Sapziergang jeweils wahlweise Trinkpausen in entsprechenden Etablissements oder die Einkehr in unterschiedliche klimatisierte Museen oder Ausstellungen. Nicht das schlechteste Vorgehen.

Gegründet wurde die Stadt übrigens durch William Penn. Dieser wollte die Kolonie, deren Hauptstadt Philadelphia sein würde, eigentlich Sylvania nennen. König Charles II. (der Penns Vater das Land überlassen hatte) ergänzte dazu den Namen des Vaters von William Penn: Pennsylvania. Philadelphia selbst – die Stadt, die die ‚brüderliche Liebe‘ im Namen trägt – wurde 1681 gegründet und ist eine der ältesten Städte der USA. Sie war außerdem von 1790 bis 1800 die Hauptstadt der Vereinigten Staaten von Amerika.

Ich wusste bisher von Philadelphia nicht allzu viel, hatte aber – wahrscheinlich verschiedenen Büchern und Filmen geschuldet – eher niedrige Erwartungen. Tatsächlich stellte sich Philly (zumindest der Teil, den wir besucht haben) als wirklich hübsche und vor allem historisch bedeutsame Stadt heraus. Schließlich war es Philadelphia, wo am 4. Juli 1776 die amerikanische Unabhängigkeitserklärung beschlossen und verkündet wurde. Ebenso auch die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika am 17. Juli 1787.

Eines der wichtigsten Symbole im Zusammenhang mit den Unabhängigkeitskriegen bzw. der Erklärung der Unabhängigkeit ist die Liberty Bell (Freiheitsglocke). Diese soll bei der Verkündung der Unabhängigkeitserklärung am 8. Juli 1776 in Philadelphia zum ersten Mal geläutet worden sein. Sie trägt die Inschrift „Proclaim Liberty throughout all the land unto all the inhabitants thereof“ („Verkünde Freiheit im ganzen Land für alle seine Einwohner“) und gilt als Teil der Independence Hall, in der sie ausgestellt ist, als Unesco Weltkulturerbe. 😉

Im übrigen soll die Polsterin Betsy Ross in Philadelphia auch die offizielle erste Fahne der Vereinigten Staaten gestaltet haben mit 13 roten und weißen Streifen und 13 Sternen angeordnet im Kreis auf einem blauen Feld.

In Philadelphia findet man außerdem das älteste Postamt der USA sowie die beiden ersten Banken. (Wir haben beide gesehen – ich kann euch nicht erklären, wieso ich nur von der zweiten ein Foto gemacht habe.)

Auch steht in Philadelphia eine von nur vier Münzprägeanstalten der USA. Diese kann man besuchen und in einer wirklich interessanten Ausstellung nicht nur allerlei Historie erfahren, sondern auch beim Münzherstellungs- und -prägeprozess live dabei sein.

Außerdem zu erwähnen, eine wichtige kulinarische Entdeckung in Philadelphia: das Philly Cheesesteak – ein Sandwich mit dünnen Steakstreifen und Käse… sooo lecker.

Tja und dann wäre da natürlich noch…. Benjamin Franklin. Mir unwissendem Banausen war er vor allem als Erfinder des Blitzableiters geläufig, aber Benjamin Franklin war so viel mehr als das. (Benjamin Franklin ist für Philadelphia ein bisschen das, was Alexander Graham Bell für Baddeck, Nova Scotia ist. :-D) Im Zusammenhang mit Philadelphia ganz besonders bedeutend: Benjamin Franklin war einer der Gründerväter der USA, denn er war sowohl an der Erstellung der Unabhängigkeitserklärung als auch an ihrer Unterzeichnung beteiligt.

Im Benjamin Franklin Museum kann man einiges über seine politische aber auch seine wissenschaftliche Arbeit erfahren. So hat er (neben dem Blitzableiter 😉 auch noch zum Beispiel die Glasharmonika, eine Art Gleitsichtbrille und eine frühe Form der Schwimmflossen entwickelt. Und das mit dem Schwimmflossen war wohlgemerkt im Alter von 11 Jahren… habe die Jungs dann erstmal darauf hingewiesen, dass sie einiges aufzuholen haben.

Benjamin Franklin hat sich außerdem sein Leben lang für das Gemeinwohl eingesetzt und neben seinem Engagement in der Politik solche Dinge ins Leben gerufen wie die ersten freiwilligen Feuerwehren. Sein größtes Vermächtnis bleibt aber mit Sicherheit sein Mitwirken an der Vereinigung der 13 Kolonien. (In diesem Zusammenhang soll er seinen berühmten Cartoon „Join or die“ entworfen und publiziert haben, in dem die verschiedenen Schlangenteile für die jeweiligen Kolonien stehen.)

Nach der Abkühlung im klimatisierten Museum dann noch ein kurzer Abstecher zum Christ Church Burial Ground zu Benjamin Franklins Grab…

…und anschließend zur Elfreth’s Alley – einer der ältesten Straßen Philadelphias.

Zum Abschluss unseres Philadelphia-Ausflugs gab es dann ein ganz großartiges Abendessen auf einer der letzten noch erhaltenen Viermastbarken der Welt (das musste ich googeln) – der Moshulu im Hafen von Philadelphia.

Nach eigener Aussage war das für unsere amerikanischen Gastgeber das erste Mal, dass sie an einem Tag so viel gelaufen sind. Entsprechend groß war die Erschöpfung und entsprechend früh das allgemeine Zubettgehen. Ich denke, das mit dem Städteführer für deutsche Besucher wird vielleicht etwas Einmaliges bleiben. 😀

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