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Ottawa

Ottawa

Mag man verschiedenen Internet-Touristen-Seiten und Reiseführern Glauben schenken, so gehört Ottawa nicht unbedingt zu den absoluten Highlights des Landes und ist nicht mit unzähligen Touristenhighlights und Sehenswürdigkeiten gesegnet. Nun lag Ottawa aber zum ersten ganz hervorragend als Zwischenstopp auf unserem Weg nach Toronto und zu den Niagarafällen, zum zweiten ist es schließlich die Hauptstadt des Landes und hat damit irgendwie per se schon einen Abstecher verdient und zum dritten sind die Interessen der jugendlichen Mitreisenden ja keineswegs immer deckungsgleich mit denen von typischen Reiseführerlesern.

Die beiden älteren Jugendlichen hatten sich schon mehrere Orte und Viertel rausgesucht (Instagram, Tiktok und Snapchat sei Dank) und sich eine Erkundungsroute durch die Stadt zusammengestellt. Ich allerdings hatte nach Philadelphia, Washington & Co. meinen Stadterkundungsbedarf erstmal gedeckt und hielt das (angeblich) eher unscheinbare Ottawa für eine gute Gelegenheit, einfach mal den Tag mit ein oder zwei kühlen Getränken in einem kleinen Café sitzend und dabei über irgendeinen Fluss oder See schauend zu verbringen. Dabei schien man hier vielleicht ja nicht so viel zu verpassen wie in einer anderen kanadischen Stadt. 🙂

Also gesagt getan – nach einem gemeinsamen Frühstück zogen die älteren Jugendlichen auf eigene Faust los zur Erkundung Ottawas während das jüngste Reisegruppenmitglied sich mit mir Richtung Rideau Canal aufmachte. (Der Fußweg dahin war dann doch fast eine Stunde durch die Stadt – so ganz ohne Bewegung geht es eben doch nicht. 🙂

Nachdem wir den ursprünglichen Plan mit dem Café und den Getränken (begleitet von anderen kulinarischen Ergänzungen und verschiedenen Kartenspielen) erfolgreich in die Tat umgesetzt hatten….

… schlenderten wir noch ein wenig am Kanal entlang und machten – völlig ungeplant – einige interessante Entdeckungen. So gibt es in Ottawa am Rideau Canal zum Beispiel die „Central Experimental Farm“ – der einzige in aktivem Betrieb befindliche Bauernhof mitten in einer Stadt in Nordamerika.

Außerdem wurde entlang des Kanals ein wunderschöner Park und ein Aboretum angelegt mit unzähligen verschiedenen Pflanzen, Bäumen, Wiesen und in Kanada heimischen Tieren.

Und schließlich – ihr werdet es nicht glauben – stellte sich noch heraus, dass es sich beim Rideau Canal, der 202 Kilometer von Kingston nach Ottawa verläuft, wovon nur 19 Kilometer künstlich angelegt wurden, doch tatsächlich um ein Unesco Welterbe handelt. (Für einen sehr, sehr kurzen Moment hatte ich den Verdacht, dass es einfach wahnsinnig viele Unesco Welterbestätten auf der Welt gibt, so dass man – egal wohin man reist – zwangsläufig immer an drei oder vier von ihnen vorbeikommen muss. Aber das ist natürlich Unsinn. Der Grund für das überdurchschnittlich häufige Auftauchen von Unesco Welterbestätten in diesen Reiseberichten liegt ausschließlich in der ausgeklügelten Reise- und Routenplanung, nicht wahr?)

Interessantes, unnützes Wissen noch zum Rideau Canal: wenn er im Winter zufriert (und die Winter hier sind sehr kalt, so dass das regelmäßig passiert), wird der Kanalabschnitt in Ottawa zur längsten Eislaufstrecke der Welt. 🙂

Während Nummer drei nun also leider doch zu deutlich mehr Erkundungspaziergangskilometern genötigt wurde als ursprünglich geplant, um doch noch ein wenig mehr vom Kanal und der schönen Natur drumherum zu sehen und danach nur noch die nächste Schleuse kurz anzuschauen und dann wirklich nur noch über diese eine Brücke da vorn zu gehen… (bei den Schleusen musste ich ihn tatsächlich davon abhalten, sich direkt ans Werk zu machen und die Tore zu schließen bzw. zu öffnen – da haben wir die Jungs durch unsere Hausbooturlaube in Frankreich vielleicht ein wenig konditioniert :-))….

…erkundeten die beiden anderen Mitreisenden die Altstadt von Ottawa und waren so lieb, auch ein paar Fotos mitzubringen, so dass ihr (und ich) diese Seite der Stadt auch noch sehen könnt. Und auch wenn spektakuläre Wolkenkratzer o.ä. fehlen (auch in Ottawa gibt es eine Höhenbeschränkung für Gebäude), können sich Parlament, oder die Notre Dame Kathedrale durchaus sehen lassen.

Ottawa liegt übrigens am Ottawa River, der die Grenze zwischen den Provinzen Ontario und Québec darstellt. Damit haben wir auch den französisch-dominierten Teil Kanadas hinter uns gelassen. Über 60% der Einwohner Ottawas bezeichnen Englisch als ihre Muttersprache, nur 14% Französisch. In Québec sind es dagegen über 70% Französisch-Muttersprachler. Auch auf Straßenschildern u.ä. wird dieser Unterschied deutlich – während in Québec und Umgebung die Beschreibung immer zuerst auf Französisch steht und darunter / daneben in Englisch, ist es in Ottawa genau umgekehrt. In Nova Scotia war auch Englisch die „dominantere“ Sprache. Generell finde ich diese Zweisprachigkeit großartig – auch wenn das kanadische Französisch mit dem Schulfranzösisch nicht immer allzu viel zu tun hat und wir uns mit dem Verstehen ab und an ein wenig schwer tun. Wenn alle Stricke reißen, kommt man auch im franko-kanadischen Teil fast überall mit Englisch gut weiter. 🙂

Im übrigen ist auch der Text, der auf fast allen Nummernschildern aus der Provinz Québec steht, französisch: „Je me souviens“, was so viel bedeutet wie „Ich erinnere mich“ . Was genau der Hintergrund dieses Satz ist bzw. worauf sein Schöpfer Eugène-Étienne Taché damit genau angespielt hat, ist wohl nicht ganz klar. Eventuell hat es aber etwas mit der (französisch geprägten) Geschichte Québecs und seinem Loslösen vom ‚englischen‘ Teil Kanadas zu tun.

Auf Ontarios Nummernschilder steht dagegen ein englischer und nicht ganz so tiefgründiger Satz: „Yours to discover“, was so viel sagen will wie, dass es an jedem selbst liegt, es zu entdecken“. Dann werden wir das mal tun… 🙂

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