Die ukrainische Autobahn
Deutsche Autobahnen sind langweilig! Und so gänzlich ohne Abwechslung.
Wieso nicht mal aus dem Nichts einen Zebrastreifen auf die Straße malen? Ob man es bei 120 km/h dann auch schafft anzuhalten, wenn da tatsächlich mal jemand drüber will, ist sicherlich eine andere Frage. Oder wie wäre es mit einer Bushaltestelle knapp neben der rechten Spur? Aber ohne große Ankündigung bitte – mit einer Haltestelle muss man schließlich jederzeit rechnen.

Eine lange Einfahrt auf die Autobahn selbst? Vielleicht sogar noch mit einem langsam auslaufenden Beschleunigungsstreifen? Wie albern! Wenn der Asphalt zu Ende ist, muss man sich eben irgendwie eingereiht haben. Das klappt schon! Ach… und natürlich Kühe. Die sollten eigentlich auf keiner Autobahn fehlen. Und das weithin gut sichtbare schwarz-weiss verspricht gerade nachts den einen oder anderen unschlagbaren Überraschungsmoment.


Alternativ sind auch Pferde in Ordnung. Entweder einzeln zum Grasen am Straßenrand oder sonst auch gern in Kombination mit einem Fuhrwerk.

Auch gern genommen werden Spaziergänger oder Fahrradfahrer entweder am Rand oder auf der rechten Spur und im Extremfall natürlich auch beim todesmutigen Überqueren an zuvor genanntem Zebrastreifen.


Für den kulturellen Part sorgen Hunderte kleiner Kirchen in regelmäßigen Abständen am Straßenrand verteilt. Klassische orthodoxe Kirchen mit gold-blauem Kuppeldach und kleinem Zwiebeltürmchen. Je größer das Örtchen, durch das die Autobahn führt (ohne dass es da Hinweise gäbe, die Geschwindigkeit auch nur minimal zu verringern natürlich), um so größer die Kirche.

Und auch für das leibliche Wohl ist gesorgt. Hinter jedem kleinen Dorf finden sich am Straßenrand Menschen, die Obst und Gemüse aus ihrem Garten anbieten oder auch gesammelte Pilze, Beeren oder getrocknete Kräuter. Manchmal sitzt jemand tatsächlich vor einem einzelnen Glas gefüllt mit Sonnenblumenkernen oder Heidelbeeren am Rand der Autobahn und hofft darauf, dass ein Autofahrer aus der Stadt anhält und ihm seine ‚Ernte‘ abkauft.



An einer anderen Stelle sieht man schon aus einiger Entfernung Rauch aufsteigen. Wenn man diesem folgt, wird man im besten Fall mit einem leckeren Schaschlik belohnt, das einer der Bauern, der grad geschlachtet hat, am Straßenrand frisch zubereitet.

Schließlich sind ukrainische Autobahnen auch um einiges praktischer und pragmatischer gestaltet als die deutsche Schnellstraße. Bei einer Panne erst mühsam zur Werkstatt auf die Hebebühne fahren? Hier nicht nötig – alle paar Kilometer finden sich kleine Rastplätze mit entsprechenden Rampen, so dass man kleinere Reparaturen am Unterboden auch mal fix selbst vornehmen kann.

Oder wenn man sich verfahren hat, erst kilometerlang bis zur nächsten Ausfahrt in die falsche Richtung fahren? Was für eine Zeitverschwendung. Ein einfaches Wendemanöver und schon ist die Sache erledigt.

Es ist auch keinesfalls unüblich, dass die Straße kurz vor der Wendemöglichkeit der Gegenseite kurz zweispurig wird, so dass man gern mal genau dann beherzt zum Überholmanöver ansetzt, wenn sich auf der Gegenfahrbahn gerade jemand zum Wenden entschließt….
Auf ukrainischen Autobahnen ist wenigstens noch was los! 🙂






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