Was für ein Tag! Eigentlich haben wir heute ca. 14 Stunden nur im Auto/Wohnmobil verbracht und man würde meinen, dazu gäbe es nicht viel zu berichten, aber weit gefehlt. Ich hatte gerade überlegt, die Fotos und Erlebnisse des heutigen Tages in irgendeiner sinnvollen Art und Weise thematisch zusammenzufassen, aber ich denke, die chronologische Schilderung ist heute der beste Weg, um euch einen Einblick in diesen Reisetag zu geben. Also dann….

09:00 Uhr: Alles gepackt und vorbereitet. Es kann losgehen. Der heutige Reiseplan sieht eine Strecke von ca. 450km vor – von Odessa durch die Republik Moldau (Offiziell heißt das Land gar nicht Moldawien.) nach Murighiol in Rumänien. Es wird über vergleichsweise kleine Straßen gehen und 2 Grenzübergänge liegen dazwischen, aber 450km sollten machbar sein. Am späten Nachmittag sollten wir im Donaudelta ankommen.

09:20 Uhr: Stadtrand von Odessa. Der Wettbewerb ‚Schlaglöcher erkennen und rechtzeitig ausweichen‘ beginnt. Bezüglich des Straßenbelags werden Erinnerungen an die 80er Jahre wach.

09:45 Uhr: Der Wettbewerb ist in vollem Gange. Zahlreiche weitere Teilnehmer befinden sich mittlerweile auf der Strecke. Wäre man mit der Schlaglochaufgabe nicht umfassend beschäftigt, man könnte seine Aufmerksamkeit den Hunderten von Obstständen entlang der Straße zuwenden. Vor allem Melonen – so viele zuckersüße Melonen – aber auch Pfirsiche, Pflaumen usw. Alles frisch geerntet.

9:50 Uhr: Ein gewagter Blick zur Seite. (Eigentlich vollkommen unverantwortlich, schon ein Zwinkern im falschen Moment könnte uns die Radaufhängung kosten.) Neben uns verlaufen Schienen. In regelmäßigen Abständen steht ein kleines weißes Häuschen daneben. Dann ein Mann, der die Schienen abgeht – vermutlich verantwortlich dafür, die Gleise zu kontrollieren. Zwischen den vielen weißen Häuschen schien er aber der einzige seiner Art, auf einer Strecke von ca. 10km. Vielleicht waren die Kollegen aber auch grad einfach nur Kaffee holen.

10:03 Uhr: Kurz bevor sich die Straße von den Schienen entfernt, dürfen wir noch Zeuge eines Reparaturvorgangs an den Gleisen werden. Hier wird sofort klar: das sind Profis. Alle drei. Und was wir da sehen, ist Präzisionsarbeit. Die genaue Aufgabenteilung war auf den kurzen Blick nicht ersichtlich, aber längeres Hinsehen war angesichts des noch laufenden Wettbewerbes nicht drin.

11:15 Uhr: Wir erreichen ‚Satoka‘, eines DER Urlaubsziele der Ukrainer am schwarzen Meer. Die Obststände am Straßenrand werden durch Menschen abgelöst, die Schilder mit „Vermiete!“ (Zimmer) halten. Viele, viele Menschen und noch mehr Schilder. Wir haben die Wiege von Airbnb entdeckt – nur ohne Internet.

11:30 Uhr: Hinter Sakota beginnt Stufe 2 des Wettbewerbs. Wir verzeichnen einen deutlichen Anstieg der Schlaglöcher in Bezug auf Anzahl, Ausmaß und Tiefe. Ein Dresdner Radiosender bittet seine Hörer jedes Frühjahr, die Straßen mit den größten Schlaglöcher zu melden. Eine Hörerin sagte letztes Jahr zu ‚ihrer‘ Straße, hier müsse man vor jedem Schlagloch anhalten, es könnten Kinder drin spielen. Gut möglich, dass sie damals an Stufe 2 des Wettbewerbs teilgenommen hat.

13:45 Uhr: Wir erreichen die Grenze zur Republik Moldau und wähnen uns im Glück – lediglich zwei Autos befinden sich aktuell in der Abfertigung. Wir stehen direkt an erster Stelle vor der Schranke. So lang wird das nicht dauern.

16:15 Uhr: Nach lächerlichen 2,5 Stunden haben wir es nach Moldawien geschafft. So ein Abfertigungsprozess will auch in Ruhe durchgeführt sein. Das Interesse an unserem Fahrzeug ist auch an dieser Grenze gewaltig. Ich erwäge geführte Touren zu veranstalten- eventuell gegen ein freundliches Entgegenkommen in Bezug auf die Abfertigungsdauer. 🙂

16:17 Uhr: Der Schlaglochwettbewerb geht in die finale Runde. Die „Straße“ besteht nun endgültig zu einem größeren Prozentsatz aus Schlaglöchern als aus Asphalt. Die ersten Teilnehmer müssen wegen größerer Schäden aufgeben. Ich glaube das Wohnmobil mehrmals leise seufzen und ächzen zu hören. Aber vielleicht war es auch Vova.

Die Tatsache, dass wir uns mittlerweile nur noch mit Schrittgeschwindigkeit fortbewegen, gibt uns die Möglichkeit wieder ein wenig mehr von der umgebenden Landschaft wahrzunehmen. Hätte jemand erzählt, die Auflösung der Sowjetunion war nur ein Schwindel der Amerikaner und eigentlich ist noch alles beim Alten, in Moldawien würde man es glauben. Hier hat sich in den Gegenden, die wir durchfahren haben, in den vergangenen 25 Jahren nichts verändert. Alle Leninstatuen, Panzerattrappen und andere Denkmäler der Sowjetzeit stehen unverändert an ihrem Platz am Straßenrand.

Dahinter – endlose Felder mit Wein. Keine WeinBerge wie bei uns, sondern ebene Felder. Bis zum Horizont. Die ersten dieser Felder hatten wir schon in der Ukraine gesehen, aber das hier hat eine ganz andere Dimension. Und Wallnussbäume, unzählige schwer tragende Wallnussbäume. Auch von diesen hatten wir schon viele in der Ukraine gesehen. Und schließlich – nach Sonnenblumen und Pfirsichen – auch noch Olivenbäume. Alles wirklich wunderschön anzusehen. Und wir haben ja Zeit, die Landschaft zu genießen.

17:30 Uhr: Die Grenze nach Rumänien. Diesmal verrät uns die lange Schlange der wartenden Autos gleich, dass es dauern wird. Wir nutzen die Zeit und basteln ein kleines Abendessen zusammen. Wenn man seine Küche schon dabei hat…

19:55 Uhr: Rumänien. Wir sind zurück in der EU. Weiter geht es zur Fähre über die Donau in Galati. Der Schlaglochwettbewerb ist beendet und wir (bzw. vor allem das Wohnmobil) haben die ukrainischen und moldawischen Straßen ohne größere Blessuren überstanden.

21:45 Uhr: Noch eine kleine Mini-Sensation für die Jungs – mit der Autofähre über die Donau.

23:00 Uhr: Ankunft in Murighiol. Ist nicht ganz später Nachmittag geworden 🙂
Strom und Wasser für das Wohnmobil. Betten für uns. Schlafenszeit.

Eine Antwort zu „Tag 10: Odessa – Murighiol”.

  1. Avatar von Kerstin
    Kerstin

    Herrlisch 🙂 – der Text hat mir den Weg zur Arbeit wieder angenehm verkürzt. Ich hoffe, Ihr und Wohni habt Euch gut erholt und habt noch eine schöne Zeit.

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