In unserer Reihe… Tipps und Tricks für alle Lebenslangen, bieten wir dem geneigten Leser heute den zweiten Teil zu unserem beliebten Thema „Schleusen leichtgemacht.“ Auch auf dem Lot sind an verschiedenen Stellen für die Bote Höhenunterschiede zu überwinden und es muss geschleust werden.


Nach unseren Erfahrungen im Canal du Midi gehören wir ja aber quasi zu den alten Hasen, was Schleusungen angeht. Dachten wir. Allerdings sind alle Schleusen auf dem Canal du Midi automatische Schleusen. Nicht so auf dem Lot. Bis auf eine müssen alle Schleusen zwischen Luzech und Saint Cinq-Lapopie von Hand bedient werden. Das, was wir am Mont Blanc an Muskelaufbau für die Beine getan haben, machen wir hier für die Arme. Der Muskelkater, den ich heute nach den Schleusungen gestern habe, steht dem vom Bergabsteigen vor ein paar Tagen in nichts nach. 😀
Da ihr nach den Berichten dieses Blogs ja sicherlich schon eure Reise an den Lot plant, hier eine kurze Beschreibung des Ablaufs bei einer manuellen Schleusung. Schließlich will man vor den ganzen Besuchern, die sich an jeder Schleuse in der Regel einfinden, nicht wie so ein Schleusungs-Anfänger dastehen und mitleidige Blicke ernten.


Im besten Fall ist die vor euch liegende Schleuse bereits geöffnet. Dann solltet ihr vor der Einfahrt nur kurz prüfen, ob sich innerhalb der Schleuse gut erreichbare Leitern befinden. Falls nicht, ist es ratsam, wenn der Kapitän am Halt vor der Schleuse kurz stoppt, um mindestens zwei (körperlich ausreichend fitte) Personen von Bord gehen zu lassen. Nachdem das Boot vollständig (also wirklich vollständig ;-)) in die Schleuse eingefahren ist, müssen nun als erstes die Schleusentore hinter dem Boot geschlossen werden. Klingt leichter als es ist. Die Tore sind sch… schwer zu bewegen.


Ein gut gemeinter Rat an dieser Stelle: Damit sich diese riesigen Tore überhaupt bewegen lassen, ist der ganze Mechanismus an allen Stellen mit Unmengen von Fett und Schmiere versehen. Es ist fast ein Ding der Unmöglichkeit, dieses schwarze Zeug aus Schuhen und Klamotten rauszubekommen. Hab ich mir sagen lassen. 😉 Also Vorsicht, wo man hintritt und was man anfasst.
Sobald die Tore geschlossen sind, müssen die Riegel geschlossen werden, durch die vorher das Wasser in die Schleuse rein- oder aus der Schleuse rausgeströmt ist. Und das geht durch kurbeln, kurbeln und nochmal kurbeln. Je höher der Unterschied im Wasserstand auf beiden Seiten der Schleuse, umso mehr muss gekurbelt werden. Das gibt Muskeln.


Sobald nun HINTER dem Boot alles geschlossen ist, muss VOR dem Boot alles geöffnet werden. Also das gleiche Spiel bei den vorderen Schleusentoren in umgekehrter Reihenfolge. Zuerst wieder kurbeln, was das Zeug hält, damit das Wasser durch die Riegel entweder rein- oder rausströmen kann. Und sobald sich der Wasserstand in der Schleuse dem vor der Schleuse angepasst hat, die Tore aufdrehen. Ihr könnt es auch gern vorher probieren und versuchen, die Tore gegen den Wasserdruck zu öffnen. Viel Glück! 😀


Am Ende noch ganz wichtig: Nicht vergessen, die beiden Familienmitglieder, die soeben Schwerstarbeit geleistet haben, wieder mit an Bord nehmen. 😉
Das ist nun der ideale Ablauf. Meistens hat man allerdings nicht so viel Glück, dass vor einem die Schleuse wunderschön geöffnet ist.

In diesem Fall… wenn man auf eine geschlossene Schleuse zufährt, verdoppelt sich die Kurbel- und Schraubarbeit schlagartig. Dann muss nämlich zunächst das vordere Schleusentor geschlossen und dann das hintere Tor geöffnet werden, bevor ein Einfahren in die Schleuse überhaupt möglich ist. Alles natürlich inklusive der Kurbelei für die Riegel. Wenn man das am Tag zwei- oder dreimal (bei den derzeitigen Temperaturen jenseits der 30 Grad) gemacht hat, ist jeder Fitnesstracker zufrieden und man schläft an diesem Abend besonders gut.
Zum Abschluss noch ein echter Insider-Profi-Tipp. Das liest sich jetzt vielleicht ein bisschen kompliziert und unverständlich, aber spätestens bei eurer ersten manuellen Schleusung wisst ihr, was mit den folgenden Beschreibungen und Schleusenteilen gemeint ist. 🙂
Der Riegel- und der Torbewegungsmechanismus sind miteinander verbunden. Sollte der Riegel nur halbherzig geöffnet oder geschlossen worden sein, lassen sich die Tore nicht öffnen oder schließen, da das Tor sich nicht mit dem entsprechenden Mechanismus verbindet. Manchmal springt das Tor auch beim Öffnungs- oder Schließungsversuch aus der Verbindung zum Riegel. Dann hilft es nur, den Riegel nochmal ein Stück zurückzudrehen, die Tür einzuhaken und den Riegel wieder zum Ende zu drehen. Sollte das unwissenden Urlaubern im Boot vor euch passieren, habt ihr mit diesem Wissen jetzt, die geniale Gelegenheit, als Held und Retter in der Not aufzutreten. 🙂







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