Heute war Wandertag. Und zwar nicht irgendwo, sondern im Nationalpark Vall del Madriu-Perafita-Claror. Das Gletschertal bedeckt etwa 9% der Gesamtfläche von Andorra und wurde in seiner Gesamtheit aufgrund seiner Einzigartigkeit, der reichen Fauna und Flora und der besonderen Geschichte in Bezug auf das Leben der Menschen in diesem Tal in den letzten Jahrhunderten zum Weltkulturerbe erklärt.

Was die Auswahl des Wanderweges betrifft, war ich irgendwie ein wenig zu unbedarft an die ganze Sache herangegangen. Ich hatte zwar Einiges über den Nationalpark gelesen – dass man ihn nur zu Fuß erreichen kann und dass es bis auf ein paar wenige Schutzhütten im Prinzip keinerlei touristische Infrastruktur gibt zum Beispiel – und mich auch ein wenig über mögliche Wanderwege informiert, aber auf viel mehr als die Gesamtstrecke des Wanderweges und den allgemeinen Schwierigkeitsgrad habe ich im Prinzip nicht geachtet.

Nun, lasst es mich so ausdrücken… solltet ihr eine Wanderung in Andorra planen und nicht zur Kategorie ‚durchtrainierte Langstrecken-Höhenwanderer‘ gehören, empfehle ich ganz stark, auch das Kriterium ‚zu überwindende Höhenmeter‘ mit in die Wanderroutenplanung mit einzubeziehen. Und sollte es beispielsweise drei Schwierigkeitsgrade geben (sagen wir mal „easy“ – „difficulty level 1“ – „difficulty level 2“), dann fangt ruhig erstmal bei „easy“ an – so als völlig untrainierte „einmal-im-Jahr-Hobbywanderer“, statt der Meinung zu sein, dass „Level 1“ sooo schwer ja nicht sein kann. Das hier sind die Pyrenäen. Und der Level 1 Wanderweg mag als Rundweg zwar nur etwa 10km lang sein, allerdings führt der 5 Kilometer lange Hinweg von etwa 1.200m auf über 2.200 Meter Höhe. Du lieber Himmel, was hab ich gejappst… 😀
Die ersten Meter ließen sich noch relativ freundlich an, aber es wurde sehr schnell sehr steil und manchmal war ich gar nicht mehr sicher, ob wir uns überhaupt noch auf einer offiziellen Wanderstrecke befanden.







Landschaftlich ist es grandios! Insektenspray sollte man dabei haben (und ein Sauerstoffzelt :-p).










Oben (fix und fertig) angekommen öffnet sich vor einem diese endlose Weite. Es ist großartig und entschädigt für den Aufstieg (und die mitleidigen Blicke, der sehr wenigen (echten, professionellen) Wanderer, die auf unserem Kampfweg nach oben lässig an uns vorbeigejoggt sind. (Die jugendlichen Teilnehmer unserer Wandergruppe waren übrigens nicht halb so fertig wie ich. Gerade Nummer drei ist auch nach drei oder vier Kilometern steilem Aufstieg noch leichtfüßig an mir vorbeigehüpft. Die Energie möchte ich haben!)






Ziel der Anstrengung war im Übrigen eine der Schutzhütten „Refugi de Perafita“. Die Hütte ist als Zwischen- und ggf. Übernachtungsstop für Wanderer gedacht und mit dem Nötigsten ausgestattet. Neben ein paar Pritschen gibt es auch einen kleinen Holzofen, ein wenig medizinische Ausstattung und ein paar Werkzeuge sowie eine Art Gipfelbuch, in das wir uns nach unserem heroischen Aufstieg nicht ohne ein wenig Stolz natürlich auch eingetragen haben (inklusive Stempel!). 🙂







Der Abstieg gestaltete sich dann deutlich einfacher und schneller als der Hinweg, wobei ja auch bei langen Abstiegen immer Muskeln und Gelenke beansprucht werden, die man gefühlt sonst kaum belastet. Ich ahne Schreckliches für den morgigen Tag….
Nach lächerlichen viereinhalb Stunden waren wir auch schon wieder zurück am Ausgangspunkt. Möglicherweise habe ich bei den jungen Herren (mal wieder) ein oder zwei Sympathiepunkte verloren. Musketier Nummer 2 hat den Weg nur unter massivstem und wiederholt lautstark geäußertem Protest zurückgelegt (dafür hätte ich gar nicht die Energie gehabt), aber ich ahne, dass meine Pläne für morgen die Gemüter doch vielleicht wieder ein wenig besänftigen können. 🙂







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