Wenn man mit mehreren Personen dreieinhalb Wochen auf Reisen ist, ergibt sich mitunter die Notwendigkeit, ausgewählte Kleidungsstücke zwischendurch einer rudimentären Reinigung zu unterziehen. Und praktischerweise gab es in La Vella einen kleinen Waschsalon… Nun wäre diese Tatsache an sich keinen Blogbeitrag wert, aber dieser Waschsalonbesuch war schon irgendwie ein Erlebnis. 😀
Bei meiner Ankunft befanden sich ein junger Mann und eine Frau etwa in meinem Alter im Waschsalon. Von den 5 Waschmaschinen liefen gerade 3. Von den zwei verbliebenen war eine eine 10kg Maschine (deren Nutzung auch entsprechend mehr kostete) also begann ich die leere „Standardmaschine“ mit der ersten Ladung Wäsche zu befüllen. Gerade als ich das erste Kleidungsstück hineinlegte, fiel mir auf, dass ich das Waschmittel im Auto vergessen hatte. Vova sollte, während ich mich um die erste Wäscheladung kümmerte, einen Parkplatz finden, weil wir uns nach dem Waschen auf Stadtrundgang begeben wollten. Als mir der Waschmittel-Mangel auffiel, war er gerade dabei zu wenden und ich sprintete wild mit den Armen fuchtelnd nach draußen… Er sah mich natürlich nicht. Im Gegensatz zu allen anderen Passanten und meinen beiden Mit-Waschsalon-Besuchern, die mich bei meiner Rückkehr ins Gebäude mit einer Mischung aus Sorge und Unsicherheit anschauten. Irgendwie hatte ich das Bedürfnis mich zu erklären, aber ich spreche nur sehr schlecht Spanisch und überhaupt kein Katalanisch, also murmelte ich aus einer Wortmischung von Französisch und Englisch irgendetwas vom vergessenen Waschmittel, hatte aber nicht das Gefühl, verstanden worden zu sein.
Allerdings lächelten beide sehr freundlich und irgendwie mitleidig. (Sowohl in Andorra als auch in vielen Teilen Frankreichs kommt man mit Englisch nicht sehr weit. Wir haben auch viele junge Leute getroffen, die die Frage, ob sie Englisch sprächen, verneinten.) Zwischenzeitlich hatte ich an der gegenüberliegenden Wand einen Automaten mit Waschmittelpackungen entdeckt. Ich warf Geld in den Automaten und es passierte… nichts. Ein weiterer Versuch mit einem anderen Geldstück blieb ebenfalls erfolglos. Die Frau, wir nennen sie der Einfachheit Isabella, rief mir etwas auf Katalanisch zu und ich reimte mir zusammen, dass der Automat wohl defekt ist. Aus ihrer Tonlage und dem nachfolgendem Wortschwall verbunden mit dem einen oder anderen kräftigen Schlag gegen den Automaten entnahm ich, dass sie möglicherweise auch schon den einen oder anderen Euro in der Maschine versenkt hatte. Während ich noch überlegte, wie ich jetzt an Waschmittel kam, hatte sie sich dem jungen Mann zugewandt, um ihrem Ärger Luft zu machen. Es entwickelte sich eine angeregte Unterhaltung, von der ich, was das Vokabular angeht, so gut wie gar nichts verstand, aber irgendwie wurde trotzdem deutlich, dass es sich beim Waschsalonbetreiber offensichlich um einen geldgierigen Halunken handelt, dessen Geräte einfach Geld schlucken und unter dessen Hotline nie jemand zu erreichen ist.
Mittlerweile hatte ich entdeckt, dass neben der zum jungen Mann (nennen wir ihn Raúl) gehörenden Waschmaschine eine Flasche Flüssigwaschmittel stand. Ich deute darauf und fragte auf Französisch, ob ich mir wohl etwas davon nehmen dürfte. Raúl verstand mein Anliegen und nickte freundlich. Während ich anfing, Waschmittel einzufüllen, sprang Isabella auf und signalisierte sehr deutlich und mit wiederholtem Zeigen auf ‚ihre‘ laufende Maschine, dass ich wohl nur eine kleine Menge Waschmittel verwenden sollte. Ein Blick auf ihre Maschine zeigte mir auch warum… da war nur Schaum. Von Wäsche oder Wasser war nichts zu sehen. Nur sehr viel Schaum. Und die Anzeige verriet, dass das Waschprogramm eigentlich schon fast fertig war. Ich folgte also ihrem Rat und startete das Programm mit nur wenig Waschmittel. Nun betrat eine ältere Dame den Waschsalon, sah, dass alle Maschinen im Gebrauch waren, und nahm erstmal auf einem der Sitze Platz. Im selben Moment signalisierte Isabellas Maschine, dass das Waschprogramm fertig war. Isabella öffnete die Waschmaschinentür und wie im Film bahnten sich auf einen Schlag mehrere Liter Schaum den Weg aus der Maschine über den Fußboden des halben Waschsalons. Es war grandios. 😀 Isabella stand mittendrin, war ganz kurz sprachlos und fing dann aus tiefstem Herzen an zu lachen. Raúl war völlig überfordert und holte eine Packung Taschentücher hervor. Eine kleine Packung Taschentücher gegen einen Ozean aus Schaum. Es war herzallerliebst.
Die ältere Dame, ich denke, ihr Name war Maria, war da ein wenig pragmatischer. Sie nahm ihre Tasche mit mitgebrachter schmutziger Wäsche und schüttete sie beherzt direkt in den Schaumsee. Der Schaum blieb davon allerdings relativ unbeeindruckt. Isabella und Maria begannen eine hitzige Unterhaltung darüber, wie man der Sache Herr werden konnte. In einer Ecke stand ein kaputter, alter Pappkarton. In Ermangelung von Besen o.ä. riss ich eine Seite des Kartons ab und begann, den Schaum zumindest ein wenig zusammenzuschieben. Maria und Isa taten das Gleiche und in kürzester Zeit hatten wir das Schaummeer in ein Schaumgebirge verwandelt.
Mittlerweile war Raúls Maschine fertig. Marias Wäsche wurde – zusammen mit etwa 100 Litern Schaum – von allen gemeinsam hinein befördert. Die Zugabe weiteren Waschmittels erübrigte sich. Isabella nahm inzwischen ihre – nunja, nicht ganz durchgespülte – Wäsche aus der Schaum-Maschine und lud sie zu einem weiteren Waschgang (ohne Waschmittel :-p) in die 10kg Maschine. Da sie nicht mehr ausreichend Kleingeld hatte und der Automat die Kreditkarte nur sporadisch akzeptierte, gab jeder der Anwesenden noch ’nen Euro dazu. Man hatte irgendwie das Gefühl, wir würden uns alle schon ewig kennen und heute hatten wir uns zu einem gemeinsamen Ausflug zum Waschsalon verabredet. Während der ganzen Zeit unterhielten sich die drei lautstark und mit viel Lachen dazwischen. Maria sprach auch tatsächlich zwei, drei Worte Englisch und Raúl doch ein wenig Französisch und so wurde ich regelmäßig ermuntert, in das Gespräch einzusteigen. Am Ende war es auch irgendwie egal, was genau gesagt wurde. Wir waren uns einig, dass der Besitzer des Waschsalons an allem Schuld war und dass man den Schaum auf jeden Fall noch für die nächsten paar Waschmaschinenladungen verwenden könnte. Einen Teil müsste man aber vielleicht doch irgendwie aufwischen.
Gegenüber vom Waschsalon befand sich ein kleiner Supermarkt, in dem Isa schnell etwas zum Aufwischen besorgen wollte. Sie kam wieder mit einer großen Packung Küchentücher, einer Packung Schinken und etwas Käse. Und nachdem wir meine zweite Maschine mit Wäsche und Schaum befüllt und den Restschaum mit 4 Rollen Zewa beseitigt hatten, gab es zum Abschied als Dankeschön von Isabel noch eine Mini-Runde Tapas für alle (unten Symbolbilder von anderen Tapas-Momenten :-)). Das war eine Lebensfreude und Herzlichkeit. Ich hatte noch nie so viel Spaß beim Wäsche waschen und ich weiß nicht, ob das in einem deutschen Waschsalon auch so möglich gewesen wäre. 🙂










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