
Wenn man einen Urlaubsort auswählt oder eine Reise plant, gibt es ja irgendwie immer dieses oder jenes, auf das man sich besonders freut oder was man immer schon mal sehen wollte. Für Island waren das bei mir (neben Wasserfällen, Gletschern und heißen Quellen natürlich) auf jeden Fall Rentiere, Islandpferde und… Puffins.
Puffins oder auch Papageientaucher sehen schon auf Fotos wahnsinnig putzig aus. Wie niedlich müssen sie dann erst in echt sein? Über 60% der atlantischen Puffin-Population kommt jedes Jahr zum Ausbrüten und Aufziehen der nächsten Puffin-Generation nach Island… über 6 Millionen Tiere. Da sollte es doch ein leichtes sein, einen Puffin zu Gesicht und vor die Linse zu bekommen. Allerdings nisten die Tiere nur an besonderen Orten auf der Insel und sie kommen nur zwischen April und September nach Island. Den Rest des Jahres verbringen die Vögel auf dem offenen Meer. Aber es ist ja April und so machten wir uns siegessicher auf zum ersten der bekannten Puffin-Nistplätze: Reynisfjara.

Reynisfjara oder auch Black Sand Beach ist ein besonders hübscher Strand mit einer großartigen Aussicht, feinem schwarzen Sand, großen Felsen, Höhlen und Basaltsäulen. Und genau an diesem Strand hatten wir in einer traumhaften Unterkunft Quartier bezogen mit einem ganz fantastischen Ausblick…

Hätten wir gewusst, welches Wetter der nächste Tag für uns bereit hält, hätten wir uns schon am Ankunftsabend auf Puffin-Suche begeben. So versuchten wir unser Glück am nächsten Tag zuerst im Nebel und strömenden Regen und ein paar Stunden später dann am Nachmittag nochmal, als Sturm und Regen sich ein wenig beruhigt hatten. Manche unserer Klamotten trocknen immer noch. 🙂 Aber mal ehrlich… sieht das nicht auch (oder vielleicht gerade) mit diesem Wetter einfach nur großartig aus? Es ist wirklich ein zauberhaftes Fleckchen Erde.






Und wir haben auch tatsächlich unzählige Vögel fliegen sehen. Vorwiegend Möwen, aber auch andere Vögel, die hoch in die Klippen flogen. Der Wanderweg hoch zu den Felsen war gesperrt und so mussten wir uns mit einem Blick von unten begnügen – und da ist so ein Puffin aus der Entfernung schon etwas schwerer auszumachen. Aber der Flugart nach zu urteilen (so ein Puffin ist ja nicht ganz so aerodynamisch gebaut wie so eine Möwe beispielsweise, da muss man als Puffin schon ein wenig öfter mit den Flügeln schlagen, um die Höhe zu halten:-)) und im Glauben, orangefarbene Schnäbel erkannt zu haben… wenn man genau hinschaut… dann könnte das hier doch zum Beispiel einer von den 6 Millionen sein, oder etwa nicht? 😀

Gut. Da dieser Ort nicht die gewünschte Puffin-Beobachtungsnähe hergab, entschieden wir uns kurzerhand zu einem Besuch DES Puffin-Hotspots schlechthin: Vestmannaeyjar. Die „Westmännerinseln“ ein paar Kilometer vor der isländischen Küste gelten als die Puffin-Hauptstadt – allein auf der Hauptinsel brüten über eine Million Puffin-Pärchen.

Nun liegen diese Inseln im Atlantik und um dahin zu gelangen, bedarf es entweder eines Flugzeugs oder eines Schiffes. Also kurzerhand die Fähre nach Heimaey, der Hauptinsel, gebucht. Natürlich war mir durchaus schon an diesem Punkt bewusst, dass eine solche Fahrt ein klein wenig, wie soll ich sagen, turbulent werden könnte… aber das Wetter war mittlerweile deutlich ruhiger, die Wellen nicht allzu hoch… und ich wollte so so gerne Puffins sehen.

Meine Vorliebe für alles, was sich ohne mein Zutun aber mit mir darin unberechenbar ruckartig oder regelmäßig in verschiedene Richtungen bewegt, ist hinreichend bekannt. Ich vertrage es ja noch nicht mal gut, beim Autofahren hinten zu sitzen. Und so suchte ich mir einen abgeschiedenen Sitzplatz, instruierte alle Mitreisenden bis zu unserer Ankunft auf der Insel, keine Anliegen oder Fragen an mich zu richten, umfasste fest die Armlehnen und verbrachte die nächsten 40 Minuten damit, mit geschlossenen Augen hochkonzentriert tief ein- und auszuatmen. Offensichtlich veranlasste meine Gesichtsfarbe und der leicht unsichere Gang nach Verlassen der Fähre mehrere Mitreisende dazu, sich nach meinem Wohlbefinden zu erkundigen, aber immerhin war das ganze ohne nennenswerte Zwischenfälle abgelaufen. Nachher dann noch fix die Rückfahrt… naja. wird schon schiefgehen. 😀

Vestmannaeyjar ist von überschaubarer Größe und so erreichten wir schon nach wenigen Minuten die Klippen am anderen Ende der Insel. Hier war ausgewiesenes Puffin-Land! Wenn wir hier keine Puffins finden, dann finden wir nirgendwo welche. Und genauso kam es dann auch. Wir fanden keine. 😦 Obwohl wir mehrere Kilometer die Klippen entlang wanderten (hatte ich schon erwähnt, dass es sich bei den Klippen von Vestmannaeyjar um einen der windigsten Orte auf der ganzen Welt handelt?), begegnete uns nicht ein einziger Puffin. Es gab Puffin-Wegweiser, Puffin-Aussichtspunktmarkierungen, sogar Puffin-Souvenirläden unten im Örtchen, aber keinen echten Puffin.




Wahrscheinlich war es tatsächlich einfach zu früh und die Puffins waren dieses Jahr noch nicht auf Vestmannaeyjar angekommen. Die letzte Möglichkeit einen echten Puffin zu sehen, wäre noch das Aquarium auf der Insel gewesen, aber das war an diesem Tag geschlossen. Als kleinen Trost fanden wir – zusätzlich zu ein paar Seehunden, die kurz im Meer auftauchten, als wir oben auf den Klippen standen – zumindest noch für Vova eine kleine Brauerei (zugegeben Vova musste nicht allzu sehr getröstet werden, aber die Brauerei hat trotzdem nicht geschadet.) und für den Rest der Mannschaft (also vor allem mich) den besten Eisladen der Gegend.


Naja, da muss ich dann wohl nochmal wiederkommen, um Puffins zu sehen. Hilft ja alles nichts. 🙂 Und für die Zwischenzeit….








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