
Wale und Puffins hatten wir auf unserer Reise um die Insel nicht (wirklich) gesehen. Dafür Rentiere und Seehunde. Es stand diesbezüglich also quasi unentschieden. Zeit, das Ganze am letzten Urlaubstag noch zu einem 3:2 Endstand zu bringen…. Wir waren reiten! Auf echten Islandpferden. Zunächst gemütlich in einer kleinen Gruppe und irgendwann auch (nur ein wenig schneller) in der Gangart, die es nur bei Islandpferden gibt: dem Tölt. Für Pferdefreunde (wie das kleine Musketier und ich welche sind) ein wirklich schönes Erlebnis. So ein Ausritt in die Natur Islands ist doch etwas ganz anderes als zuhause.
Das Halten und Reiten von Islandpferden ist ein bisschen wie das National-Hobby in Island. Wir haben kaum Höfe gesehen, auf denen nicht zumindest ein paar Pferde standen. Viele Tiere werden auch gezüchtet, um sie dann ins Ausland zu verkaufen. (Wusstet ihr übrigens, dass ein Islandpferd, das die Insel einmal verlassen hat, nie wieder nach Island zurückkommen darf?!)



Nach unserem kleinen Reitausflug schnürten wir ein letztes Mal für diesen Urlaub die Wanderschuhe, um ins „rauchende Tal“, Reykjadalur, zu wandern. Der Weg dauert in eine Richtung etwa eine Stunde und geht, dafür, dass er in ein Tal führen soll, recht ordentlich und stetig bergauf. Belohnt wird man dann aber mit etwas ganz Besonderem. Der kleine Fluss Varmá, der durch das Tal fließt, wird zum Teil aus mehreren heißen Quellen gespeist. Und das führt dazu, dass man an einigen Stellen im Tal in diesem warmen Fluss baden kann. Und genau das haben wir gemacht. 🙂




Der Fluss ist an dieser Stelle nicht tief, aber für ein entspanntes Hineinlegen und das-warme-Wasser-genießen ist es allemal ausreichend. Und die umliegenden heißen Quellen, aus denen schwefelreiche Dämpfe aufsteigen, verbreiten den uns schon sehr vertrauten Geruch – wenn auch bei weitem nicht so stark wie im Norden. 🙂 Allerdings sorgen sie auch dafür, dass die Landschaft sich so bunt färbt, wie nur an wenigen Stellen, die wir bisher gesehen haben.

Der Abschluss war dann ein Kurzbesuch in Reykjavík. Wir haben die sehr beeindruckende Kirche Hallgrímskirkja gesehen, die in ihrer Form an die Klippen der Basaltsäulen in Island erinnert. Gewidmet ist die Kirche übrigens Hallgrímur Pétursson, dem berühmtesten Dichter Islands. Daher auch der Name Hallgrímskirkja – die Kirche von Hallgrímur. Und auf dem Vorplatz steht die Statue von Leifur Eiríksson, dem isländischen Entdecker, der ja bereits etwa 500 Jahre vor Kolumbus nach Amerika gesegelt war.

Anschließend noch eine kurze Stadtrunde um den kleinen See Tjörnin im Zentrum von Reykjavik und ein Spaziergang durch die Fußgängerzone, vorbei an reichlich Street Art, typisch nordischen Häusern und der einen oder anderen Statue.




Reykjavik hat viele Museen und eine ganze Reihe interessanter, moderner Gebäude, aber so richtig die große Begeisterung für die Stadt kam in unserer Runde nicht auf und so beschlossen wir, doch lieber noch einmal kurz an die Küste zu fahren und bei einem leckeren Abendessen übers Land und aufs Meer hinauszuschauen.

Das war wirklich ein besonderes Erlebnis – dieses Island. Wer Natur und Abgeschiedenheit liebt, der kommt hier voll auf seine Kosten – obwohl die absoluten Touristenziele im Südwesten im Sommer wohl schon sehr überlaufen sein können.
Für eure Islandurlaubsplanung hier noch zwei, drei interessante Beobachtungen aus den letzten Tagen:
1. Bänke. Bis auf sehr wenige Aussichtspunkte oder ausgewiesene Rastplätze haben wir auf unseren Ausflügen eigentlich keine Sitzbänke gefunden. Egal wie lang der Wanderweg war, es gab unterwegs einfach keine Sitzmöglichkeiten. Auf so etwas hofft vermutlich nur der deutsche Durchschnittstourist, der sich nach lächerlichen 10km durchaus auch einmal kurz ausruhen würde. Ein Isländer braucht keine Bank. 🙂 Oder liegt es an etwas anderen?

2. Mülleimer. Ähnlich verhält es sich mit Mülleimern. Diese sind – selbst an ausgewiesenen Natur-Sehenswürdigkeiten – so selten, dass man irgendwelchen Kleinmüll wie Bonbonpapier oder alte Taschentücher gern mal den ganzen Tag nirgendwo loswerden kann. Gar nicht dramatisch, nur interessant. Vermutlich liegt es daran, dass alles, was in der abgeschiedenen Natur irgendwo gesammelt wird, für die Entsorgung zunächst weite Strecken transportiert werden muss. Stellt man keine Mülleimer zur Verfügung, reduziert sich automatisch auch die Müllmenge in dieser Gegend und die Besucher müssen ihren Müll selbst wieder mitnehmen. Und die Strafen für irgendwelche Entsorgungen in die Natur sind (völlig zurecht) sehr hoch. Dafür war es überall dann aber auch wunderbar sauber und müllfrei.
3. Alkohol. Dieser ist in Island natürlich (wie alles) zum einen sehr teuer. Zum anderen gibt es ihn aber auch nicht einfach so im Supermarkt zu kaufen. Bier, Wein und anderes bekommt man nur in speziell lizensierten Läden, so genannten Vínbúdin, zu kaufen. Und am Flughafen. Das ist auch der Grund, warum man Einheimische wie Touristen nach ihrer Ankunft literweise Alkohol aus dem Duty Free tragen sieht. 🙂

4. Internet & Co. Was die Nutzung moderner Kommunikation und Technik angeht, sind die Isländer ganz weit vorn. Bis auf sehr wenige Ausnahmen hatten wir nahezu überall auf der Insel perfekten Handyempfang – selbst auf Gletschern und an Wasserfällen, an fast jedem noch so abgeschiedenen Ort gab es Netz. Kontaktlose Zahlungen mit Kreditkarte sind auch in der kleinsten Bäckerei absolut selbstverständlich. Alle Menschen, die wir getroffen haben, sprachen Englisch, so dass auch die Verständigung überhaupt kein Problem war. In all dem haben wir hier im Vergleich doch noch ein wenig Nachholbedarf. 🙂







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