Sommer 2022 – Die Südsee

Sucht man im Internet nach den schönsten Inseln der Welt, ist die Wahrscheinlichkeit gar nicht mal so klein, dass sich irgendwo auf der Liste auch eine Insel in Französisch-Polynesien findet. Und wie der Zufall so will, steht Französisch-Polynesien auch noch recht weit oben auf meiner Liste der „da-würde-ich-wirklich-auch-gern-mal-hin“-Reiseziele. Und so…. heißt das Urlaubsziel für diesen Sommer: Die Südsee! 🙂 Noch ein Stückchen weiter weg von zuhause als Hawaii, noch ein Stückchen abgelegener. Südlich des Äquators, mitten im Pazifik irgendwo zwischen Südamerika und Australien.

Die Reiseplanung gestaltete sich tatsächlich gar nicht so einfach. Französisch-Polynesien besteht aus 118 Insel. Diese sind in insgesamt fünf Inselgruppen eingeteilt: die Gesellschaftsinseln, das Tuamotu-Archipel, die Australinseln, die Gambierinseln und die Marquesasinseln. Und jede dieser Inseln ist eine eigene Welt. Da fällt die Wahl nicht leicht. Allerdings erstreckt sich das Gebiet über eine riesige Fläche von 4 Millionen Quadratkilometern und da die Anzahl der Urlaubstage überraschenderweise auch dieses Jahr wieder begrenzt ist und jeder Flug zwischen zwei Inseln (nur zwischen wenigen besteht auch eine Fährverbindung) nicht nur teuer sondern je nach Entfernung auch zeitaufwendig ist, entschieden wir, uns auf die Gesellschaftsinseln und einen kleinen Abstecher nach Rangiroa im Tuamotu-Archipel zu beschränken. Die anderen Archipele – vor allem die Marquesas, in denen Jacques Brel und Paul Gaugin viele Jahre gelebt haben – müssen schweren Herzens auf ein anderes Mal verschoben werden.

Da selbst die kürzeste Anreise bis nach Tahiti – der Hauptinsel der Gesellschaftsinseln mit der Hauptstadt von Französisch-Polynesien ‚Papeete‘ – fast einen ganzen Tag dauert, war der ursprüngliche Plan, sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg einen mehrtägigen Zwischenbesuch an der Westküste der USA einzulegen. Allerdings müssen zwei der diesjährigen Reiseteilnehmer bereits etwas früher wieder zuhause sein, so dass der Vor-Aufenthalt auf nur eine Übernachtung in San Francisco reduziert wurde.

Der Plan sah folgendermaßen aus: Gruppe 1 bestehend aus 2 früher zurückreisenden Personen fliegt von Düsseldorf über London nach San Francisco, Gruppe 2: 4 Personen mit 4 Koffern (das wird später noch relevant) von Frankfurt über London nach San Francisco. Am folgenden Tag fliegen Gruppe 1 und 2 gemeinsam nach Tahiti. Auf der Rückreise Gruppe 1 mit nur kurzem Zwischenstopp in San Francisco zurück nach Düsseldorf, Gruppe 2 von San Francisco über den Yosemite Nationalpark und Death Valley nach Las Vegas und von dort zurück nach Frankfurt.

Was Gruppe 1 angeht, so lief eigentlich alles ziemlich genau nach Plan. Eine kleine Verspätung hier, ein paar winzige Herausforderungen mit dem Check-in da und kaum erwähnenswerte Herausforderungen bei der Akzeptanz der Kreditkarte im Hotel in San Francisco, aber so alles in allem…nach Plan.

Nicht ganz so bei Gruppe 2. Aufstehen 4 Uhr morgens. Ankunft, Parken am Flughafen in Frankfurt, Check-in und Gepäckaufgabe noch pünktlich und reibungslos. Auf dem Weg zum Gate dann die Information: der Flug nach London fällt aus.

Es folgt: Anstehen Nr. 1. Wie alle, die eigentlich nach London wollten, stellen wir uns brav am Gate an mit der Erwartung auf eine Umbuchung auf eine alternative Verbindung nach San Francisco. Anstehdauer: ca. 1 Stunde. Nach Erreichen des Schalters erhalten wir die Information, dass man uns hier für diese Verbindung leider nicht weiterhelfen könne, wir sollen uns an den Service-Desk der Lufthansa ein paar Gates weiter wenden. „Der müsste eigentlich besetzt sein.“ Nun… Überraschung… er war nicht besetzt. Ebenso wenig der zweite Schalter in der Ebene darüber.

Ein freundlicher Flughafenmitarbeiter meinte auf Nachfrage mit einem etwas verzweifelten Lachen, dass die Schalter hier seines Wissens erst ab 13 Uhr besetzt seien. Wenn wir vorher irgendetwas von der Lufthansa wollen, müssen wir wieder zurück zum Check-in in der Abflughalle – also komplett raus in dem Wissen, dass wir dann den gesamten Prozess inklusive Passkontrolle und Sicherheitscheck nochmal durchlaufen müssen und dass diese Prozesse aktuell ja durchaus zwei oder drei Minuten länger dauern können. Kurzer Blick auf die Uhr… es ist 9:30 Uhr. 3,5 Stunden bis der Schalter vielleicht öffnet… wir machen uns auf den Rückweg Richtung Abflughalle. Wusstet ihr, dass Frankfurt der größte Verkehrsflughafen Deutschlands ist? Allein die Gepäckförderanlage in Terminal 1 hat eine Länge von 80km. Ich denke, ungefähr so lang ist auch der Weg vom Lufthansa Serviceschalter in Bereich B zur Abflughalle in Z…

In Halle Z angekommen folgt: Anstehen Nr. 2 am Check-in Schalter. Allerdings nur ungefähr 20 Minuten. Dann gelingt es uns, einem wahnsinnig beschäftigt aussehenden Lufthansamitarbeiter die Information zu entlocken, dass bei stornierten Flügen die Check-in Kollegen „ja gar nicht weiterhelfen können (da haben Sie eine falsche Auskunft bekommen)“. Vielmehr müssen wir uns an die Kollegen der ‚Umbuchung‘ wenden.

Unseren entsetzten Gesichtsausdruck angesichts der unfassbar langen Schlange an den Umbuchungsschaltern kontert der Mitarbeiter mit dem Hinweis, dass hier ja sehr viele Schalter offen sind und dass es deswegen „ganz schnell“ gehen sollte. Naja, ‚ganz schnell’ ist sicherlich auch Interpretationssache. Anstehen Nr. 3 am Umbuchungsschalter der Lufthansa jedenfalls dauert am Ende 2 Stunden und 45 Minuten…

An dieser Stelle möchte ich kurz meinen tiefen Respekt (und mein Mitleid) für all die Reisenden zum Ausdruck bringen, die die fast drei Stunden mit kleinen Kindern anstehen mussten. Was für ein Glück sind da Teenager, die problemlos sich mehrere Stunden mit dem Handy in eine Ecke setzen können. 🙂

Kurz nach Zwölf… (wir stehen noch an) plötzlich eine email: „Das Gate für Ihren Flug nach Denver hat sich geändert“ – offensichtlich wurden wir umgebucht – über Denver nach San Francisco. Zunächst große Freude, dann die Ernüchterung: der Check-in für den neuen Flug nach Denver schließt bereits in 30 Minuten. In dieser Zeit müssten wir sowohl durch die Passkontrolle als auch durch die Sicherheitskontrolle – ein Ding der Unmöglichkeit. Wir stehen weiter an. Wir sind ja fast an der Reihe.

Endlich erreichen wir einen Schalter. Die freundliche Mitarbeiterin schaut kurz auf ihren Monitor und verkündet dann freudestrahlend (und wohl in der Hoffnung und Annahme hier einen besonders einfachen Umbuchungsfall vor sich zu haben): „oh Sie sind bereits umgebucht… nach San Francisco über Denver… der Flug geht in…“. An dieser Stelle hält sie inne, schaut auf die Uhr, schaut wieder auf ihren Monitor… „oh, das schaffen Sie wohl nicht mehr. da müssten Sie wirklich sehr schnell sein.“ Sie lacht, schaut uns an und erkennt, dass jetzt gerade wohl doch nicht der geeignete Moment für Scherze ist.

Die Einzelheiten des langwierigen und frustrierenden folgenden Gespräches erspare ich euch. Am Ende stand die Erkenntnis, dass es an diesem Tag nur noch einen Flug in die USA gab mit der Chance auf einen taggleichen Weiterflug nach San Francisco – ein Flug 17:20 Uhr nach Chicago. Und wir mussten ja an diesem Tag noch irgendwie dahin, denn morgen vormittag ging der Weiterflug nach Papeete. Plätze gab es für den Flug nach Chicago keine mehr – nur noch Warteliste. Unsicherheit und Anspannung bis zum Schluss – ein Urlaubsbeginn ganz nach meinem Geschmack. :-/

Die nächsten vier Stunden verbrachte ich also vorwiegend damit, mir die Fingernägel abzukauen und auszuknobeln, wer von uns Vieren mitfliegen würde, sollte nicht für alle Platz sein. Dann schließlich… Glück gehabt! Erst nur zwei freie Plätze, aber am Ende kommen wir doch alle mit. Ich war so erleichtert. 🙂

Ab hier hätte nun eigentlich alles klappen können. Fix durch Immigration. Dann das Gepäck holen und für den nächsten Flug wieder aufgeben und schließlich noch die Bordkarten für den Weiterflug abholen – diese hatten wir wegen der Wartelisten-Sache in Frankfurt noch nicht bekommen können.

Aber irgendwie war in dieser ganzen Reise der Wurm drin. Was das Gepäck anging, hatten es leider nur zwei der vier Koffer mit uns nach Chicago geschafft. Und zu den Bordkarten meinte der nette Mann am United-Airlines-Schalter, dass er hier keine Buchung für uns für den Flug nach San Francisco sehen könnte und überhaupt wäre der Flug ausgebucht. An unserem Abflugort war es mittlerweile 4 Uhr morgens… 24 Stunden seit Reisebeginn.

Der früheste Flug weiter nach San Francisco ging 6 Uhr morgens. Damit würden wir es noch rechtzeitig schaffen, um uns mit Gruppe 1 zu treffen, den Flug nach Tahiti zu erwischen und vorher noch die Gepäckverlustanzeige aufzugeben (weil das kann man selbstverständlich nur am Zielort der Reise und nicht schon vorher).

Für die Buchung eines Hotelzimmers und die Buchung des Fluges morgen früh, meinte der United-Airlines-Mitarbeiter, müssten wir uns an die Kollegin von der Lufthansa wenden. Die müsste eigentlich an Ihrem Service Point in der Halle nebenan sein. Ich lachte erst leicht hysterisch und meinte dann sehr ernst und vielleicht ein wenig zu laut, dass ich hier auf gar keinen Fall ohne ein Zimmer und vor allem nicht ohne den gebuchten Weiterflug weggehen würde! Ob er sich vorstellen könnte, was wir hier die letzten Stunden… und ob er wirklich erwartet, dass wir riskieren… und dass ich ursprünglich schließlich bei United gebucht hatte… und irgendwas mit Service-Verständnis und Kundenfreundlichkeit… naja, ihr könnt es euch vorstellen. 🙂

Ein wenig verstört buchte uns der nette Herr dann recht schnell den Flug für morgen früh, brachte uns anschließend zum Lufthansa-Schalter und ging auch erst, nachdem die Dame bestätigt hatte, dass sie uns auf jeden Fall ein Zimmer organisieren würde. Das tat sie und nach einer sehr kurzen Nacht standen wir dann schließlich 4 Uhr morgens wieder beim Check-in für den Flug nach San Francisco.

Es wäre aber eigentlich schon fast langweilig gewesen, hätte ab diesem Punkt einfach alles funktioniert. Bordkarten hatten wir schon, wir mussten nur das Gepäck (also die zwei verbliebenen Koffer) aufgeben. Am Automaten ging es nicht, also fix zum Schalter, um von der Mitarbeiterin nach endlosen Minuten sie Aussage zu bekommen, dass es irgendwelche Fehler in unserer Buchung gäbe… die Gepäckaufgabe ist leider nicht möglich, sie müsse mit der Zentrale sprechen. Allerdings gäb es da recht lange Wartezeiten von ca. 30 Minuten. Bis zum Boarding waren es noch knapp 50 Minuten. Ich war Sekunden von einem veritablen Nervenzusammenbruch entfernt. 😀

Schließlich entschloss sich die Zentrale wohl irgendwie dazu, einfach alles in unseren Buchungen zu stornieren und neu zu buchen. Vielleicht besser so – hätte es nicht auch unsere Rückflüge nach Deutschland in 3,5 Wochen umfasst. Aber um das zu klären, ist ja noch Zeit. 😀

Die Gepäckaufgabe war möglich, wir hetzten durch Security und Passkontrolle und erreichten unser Gate gerade rechtzeitig.

…und nach einem letzten Aufbäumen des Schicksalsteufelchens am Gate selbst (“Wir müssen Ihnen andere Plätze zuweisen, irgendwas stimmt mit Ihren Bordkarten nicht.”) waren wir schließlich und endlich auf dem Weg nach San Francisco.

…und saßen wenige Stunden später – in kompletter Mannschaftsstärke und mit “sauberer” Buchung zu sechst an unserem Gate zum Flug nach Papeete, Tahiti, Französisch-Polynesien. Der Urlaub kann beginnen! 🙂

5 Antworten zu „Sommer 2022 – Die Südsee”.

  1. Avatar von Renate Lehmann
    Renate Lehmann

    Ihr lieben Weltreisenden, was für eine Freude war das, zu lesen, daß wir mit Euch in die Südsee reisen werden! Aber der erste Bericht ist leider erst mal ein echter, überaus spannender Krimi. Wir hoffen sehr, daß Ihr inzwischen gut im Paradies gelandet seid und die fehlenden Koffer ebenfalls am Zielort eingetroffen sind. Nach all den Strapazen wünschen wir Euch einen wundervollen Urlaub und freuen uns wieder auf interessante, heitere Berichte. Ganz liebe Grüße aus dem siedend-heißen Dresden, Eure Renate und Hanne

    Gefällt 1 Person

    1. Avatar von glueckaufreisen

      so schön, dass ihr wieder mitkommt. jetzt sind wir tatsächlich im Paradies angekommen. ganz liebe Grüße 😊

      Like

  2. Avatar von Elina
    Elina

    Unglaublich!!!!!!!

    Like

  3. Avatar von Lioba
    Lioba

    Liebe Anja,
    ich bin dieses Mal ein wenig hinterher, aber freue mich wieder mit Euch „reisen“ zu können und somit ein Stückchen der wundervollen Welt kennenzulernen, die ich so vielleicht nicht sehen werde.
    Ohhh mein Gott – was für eine Geschichte zur Anreise 😮 Ich wäre fix und fertig gewesen. Respekt, dass Du das alles doch noch einigermaßen organisiert bekommen hast! Und ich drücke sowas von die Daumen, dass die Rückreise entspannter wird. Habt eine wundervolle Zeit! LG aus Köln

    Gefällt 1 Person

    1. Avatar von glueckaufreisen

      ich freu mich riesig, dass du wieder mitkommst 🙂 (und habe auch große Hoffnungen, dass die Rückreise besser abläuft 😅)

      Like

Hinterlasse eine Antwort zu Renate Lehmann Antwort abbrechen

Willkommen beim Glück auf Reisen

Ein Blog über die Freude am Reisen… mit den drei Musketieren, mit der Familie, mit Freunden, mit der guten Fee oder auch zu zweit. Ein Blog über Dankbarkeit und Demut. Ein Blog über die Liebe.