Japan die Erste – so viele Überraschungen :-)

Zum Glück hatte ich sehr auskunftsfreudige und liebe Ratgeber bei der Planung dieser Reise und so war ich zwar nicht weniger aufgeregt (eigentlich schon eher sehr, sehr nervös – das hier ist ja nun doch schon etwas ganz anderes als alles, was wir vorher so an Urlaubszielen und -kulturen gesehen hatten) aber doch nicht gänzlich unvorbereitet. Und so hatten wir nicht nur mehrere Übersetzer-Apps im Gepäck sondern auch eine Grundausstattung an Bargeld. Denn es ist tatsächlich so, dass in Japan nur sehr wenige Menschen Englisch sprechen (also wirklich sehr, sehr wenige! selbst in der Hauptstadt) und dass die Sache mit der Kartenzahlung (also Kreditkarte) keineswegs überall verbreitet und möglich wäre.

Ich frage mich, wie so ein Bild im Kopf entsteht von einem Land, das man noch nie besucht hat?! Hätte man mich vor der Reise gefragt – ich wäre absolut sicher gewesen, dass hier nicht nur mit Sicherheit fast alle fließend Englisch sprechen sondern auch, dass Bargeld in Japan vermutlich nahezu keine Rolle mehr spielt, da man ja wahrscheinlich alles mit dem Handy, der Uhr oder was weiß ich mit welchem coolen Gadget bezahlt. Nun… wir wurden eines Besseren belehrt.

Aber das, was diese beiden Punkte an möglichen Einschränkungen für so einen europäischen Standardtouristen mit sich bringen könnten, machen die Japaner durch eine unbeschreibliche Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft tausendmal wieder wett. Egal, ob man leicht hilfslos an einer U-Bahn-Haltestelle nach der richtigen Verbindung sucht oder angesichts der nur aus japanischen Schriftzeichen bestehenden Speisekarte in einem kleinen japanischen Restaurant überlegt, es vielleicht doch besser bei McDonald’s zu versuchen, immer ist sofort jemand zur Stelle, der mit Händen und Füßen (oder einem Übersetzerprogramm auf dem Handy) versucht, zu helfen. Immer lächelnd. Immer freundlich. Immer leise, demütig, behutsam, zurückhaltend. Und dabei immer unglaublich engagiert und bestrebt, deine Herausforderung auch wirklich mit dir oder für dich zu lösen. Selbst wenn sie dafür mit dir 5 Minuten quer durch die größte Bahnstation laufen müssen, damit du den richtigen Weg findest, weil es gerade größere Bauarbeiten gibt und dir die Handy-Navigation nicht weiterhelfen kann. Es ist einfach wunderbar.

Und dann ist da ja noch dieses Vorurteil mit der absoluten Disziplin der Japaner, der gegenseitigen Rücksichtnahme und dem Halten an Regeln. Dass nun wieder stimmt absolut. Und es ist genauso großartig. Eine völlig überfüllte Bahnstation und alle wollen die nächste U-Bahn erreichen – und dafür stehen alle natürlich perfekt organisiert, ohne zu Drängeln oder zu Schubsen, ohne zu Schimpfen oder Rumzuschreien… in einer Reihe an und warten, bis sie mit Einsteigen dran sind. Könnt ihr euch das in Deutschland vorstellen? 😀

Auf jeder Rolltreppe genau das gleiche Bild. Alle stehen auf einer Seite (in Japan übrigens links) und wer es eiliger hat, kann ohne dass sich jemand daran stört, einfach rechts vorbeigehen. Ohne dass jemand murrt oder den Weg versperrt. Ach, und in der Bahn selbst – abgesehen davon, dass dort aus Rücksicht auf die anderen Fahrgäste niemand (laut) miteinander spricht oder gar telefoniert, es wird auch sofort der Platz frei gemacht, wenn jemand kommt, der ihn dringender benötigt. Und dabei sind keineswegs nur ältere Menschen oder Schwangere gemeint. Wenn ein Pärchen kommt und es sind nur noch Einzelplätze frei, dann setzt sich in kürzester Zeit und ohne, dass jemand etwas fragen oder sagen würde, jemand von einem Einzelplatz um, damit das Pärchen zusammensitzen kann. Einfach aus Rücksicht und Freundlichkeit. Es kann so einfach sein.

Und ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sauber eine Millionenstadt wie Tokio sein kann. Obwohl (oder vielleicht gerade weil) es in Tokio seit einem Anschlag in den neunziger Jahren fast keine öffentlichen Mülleimer mehr gibt und obwohl sich jeden Tag unfassbar viele Menschen durch die Straßen dieser riesigen Stadt bewegen, liegt im Zentrum kaum mehr an Müll auf dem Boden als mal eine sehr vereinzelter Papierschnipsel. Überhaupt ist alles so traumhaft sauber. Unterführungen, die einfach nach gar nichts riechen. Öffentliche Toiletten, bei denen man keine Angst haben muss, sich mit Typhus oder Cholera zu infizieren. Ein Traum!

Apropos Toiletten… die sind in Japan ja einfach mal eine Wissenschaft für sich. Wie modern und wie technisiert und was für ein Ort der Ruhe und geradezu Freude 😀 können Toiletten sein?! Ein sich selbst öffnender Deckel, wenn sie jemand nähert? Selbstverständlich. Beheizte Brille und automatische Spülung? Natürlich. Selbstreinigung (also wirklich, echte Reinigung – nicht die bedingt erfolgreiche Sanif***-Variante der deutschen Autobahnraststätte) und das Abspielen übertönender Geräusche, um die Privatsphäre zu wahren? Ja, aber klar. Und alle Varianten der Wasserreinigung für alle Körperstellen, in jeder Temperatur und Intensität – in Japan völlig normal. Selbst in öffentlichen WCs. Ich will das nicht mehr anders!! 😀

Und da haben wir noch nicht von so banalen Dingen gesprochen, wie einem kleinen Hochsitz neben der Toilette – damit eventuell vorhandene Kleinkinder während des WC-Besuchs des Elternteils gut und sicher „verstaut“ sind. Oder einer sauberen! Ablagefläche für so kleinen Kram wie Handy oder Portemonnaie. 😀

Wer hätte gedacht, dass ein Toilettenbesuch so eine Quelle des Frohsinns sein kann. Ich kann es kaum erwarten, die nächsten Überraschungen zu entdecken. Ich bin sehr sicher – das war noch nicht alles, was Japan zu bieten hat. 🙂

6 Antworten zu „Japan die Erste – so viele Überraschungen :-)”.

  1. Avatar von Alexander B.
    Alexander B.

    Hallo Anja, ich spüre förmlich die Begeisterung beim Lesen des Artikels und freue mich total, dass es euch bisher so gut gefällt (inkl.. der obligatorischen Faszination für japanische Toiletten :)). Liebe Grüße, Alex

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    1. Avatar von glueckaufreisen

      Es ist wirklich ein fantastisches Land. Du hast kein bisschen übertrieben. 🙂

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  2. Avatar von Florian S.
    Florian S.

    Hallo Anja, ich bin gespannt, ob du es dann auch noch in die Dagashibar geschafft hast. Schön, dass du die Zeit so genießt!
    らいげつありしましょ。
    Liebe Grüße, Florian

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    1. Avatar von glueckaufreisen

      Leider nein. Es gab einfach noch viel zu viele Dinge zu tun und zu sehen. 🙂 Dann müssen wir wohl noch einmal wiederkommen… Was soll man machen. 🙂
      どうもありがとうございます。 私たちはそれをします

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  3. Avatar von Lioba
    Lioba

    Memo an mich: sollte ich mal nach Tokio reisen, viiieeel Zeit fürs Örtchen einplanen. Bei den ganzen Knöpfen und Tasten … Ich hoffe, Du hast alles ausprobiert 😉

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    1. Avatar von glueckaufreisen

      selbstverständlich! ab und zu kommen uns noch andere „Modelle“ unter mit noch mehr oder anderen Knöpfen. wird natürlich sofort alles getestet. wichtiger Hinweis noch dazu: immer erst vollständig hinsetzen und den Bereich mit dem dafür
      vorgesehenen Körperteil auch komplett abdecken! und vor dem Aufstehen sicherstellen, dass die Funktion auch komplett abgeschlossen wurde. 😉😂

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