Wer glaubt, mit Standardhotel, Airbnb-Wohnung und traditionellem japanischen Gasthaus bereits alle möglichen Touristen-Übernachtungsoptionen durchgespielt zu haben, der irrt. An unserem nächsten Reiseziel, dem Berg Fuji (Fuji-san) haben wir ‚Glamping‘ ausprobiert. Dieses interessante Modewort aus Glamour und Camping beschreibt im Grunde eine Art Luxus-Zelten, bei der man zwar schon in der Natur in einer Art Zelt übernachtet, aber ohne auf Annehmlichkeiten wie die eigene Dusche oder ein bequemes Bett verzichten zu müssen. Und nach unseren zwei Tagen im Glamping-Resort am Kawaguchi-See kann ich sagen…. ich finde es großartig. 🙂


Ein kleine, aber maximal komfortable Unterkunft mitten in der Natur. Hier gibt es neben dem vollausgestatteten persönlichen Sanitärhäuschen (selbstverständlich mit beheizter und vollautomatisierter Toilette, wir sind hier schließlich in Japan) sogar eine kleine Sauna – mitten im Wald. Und das Entertainment-Programm für die jungen Herren passt mit Bogenschießen, Holzhacken und Slackline auch. Wenn jetzt noch jemand das mit den Insekten (und ich sage euch, in Japan gibt es unfassbar große Exemplare!!!) bzw. meiner Panik vor nahezu allen Exemplaren dieser Tierklasse organisieren könnte, wär es perfekt. 🙂


Auch in Bezug auf das leibliche Wohl wurde dem Begriff ‚Glamping‘ alle Ehre gemacht. Die Versorgung erfolgte quasi mit den Rohzutaten, aus denen man sich dann seine eigenen Sandwiches zusammenbauen und diese über dem Campingkocher im eigens dafür zur Verfügung gestellten Sandwichgrillgerät zubereiten konnte. Ohne das perfekt vorgeschnittene Obst, die in hübschen Boxen bereitgestellten Zutaten und den Utensilien zur Herstellung von selbstgepresstem frischen Orangensaft hätte man es fast rustikal nennen können. 😀






Als besonderes Highlight hatte das Ressort dazu übrigens noch eine hauseigene Trinkwasserquelle mit echtem „Fuji-Wasser“. 🙂


Nächstes großartiges Feature dieses Ressorts: es gibt ein Onsen. Das wollte ich unbedingt einmal ausprobieren, konnte die Herren dafür allerdings nicht begeistern. Im Prinzip ist ein Onsen die Nutzung einer natürlichen heißen Quelle – und davon hat Japan mehrere Tausend – als Bad zur Heilung und Entspannung. Onsen gibt es sowohl als Innen- als auch als Außenpools. In der Regel ist das Wasser darin sehr heiß – zwischen 40 und 45 °C. Und es gibt mehrere Regeln, die beim Besuch eines Onsen zu beachten sind. Unter anderem – und möglicherweise war das einer der Hauptgründe für die leicht ablehnende Haltung der Musketiere – sind Onsen generell textilfrei. Und es gibt immer getrennte Bäder für Frauen und Männer.
Schuhe werden selbstverständlich am Eingang ausgezogen, dann gibt es einen separaten Raum zum Ausziehen, anschließend wird sich – in der Regel im Sitzen – geduscht und dann geht es ins heiße Wasser. Der Innen-Onsen im Ressort hatte knapp unter 43 Grad und ich fand es unglaublich heiß, so dass ich es auch nur wenige Minuten darin ausgehalten habe. Beeindruckend, dass man eigentlich wohl mehrere Minuten bis zu einer Stunde im Onsen verbringt. Wahrscheinlich eine Frage der Gewöhnung. Der Außenpool war einige Grad kühler und deutlich angenehmer. 🙂





Ausgesucht hatte ich das Glamping-Ressort aufgrund seiner Lage in unmittelbarer Nähe zum Fuji und zum hübschen Kawaguchi-See, von dem man eine wunderschöne Sicht auf den Fuji haben kann. Also bei schönem, klaren Wetter und freier Sicht. Die gibt es vor allem in den Wintermonaten. Im Juli dagegen liegt die Wahrscheinlichkeit auch nur einen Teil des Fuji wolkenfrei und klar sehen zu können irgendwo zwischen 0 bis 10%. Unsere Chancen waren also gar nicht mal so gut. 😀
Nachdem wir die letzten Tage in Kyōto Temperaturen um die 40 Grad erlebt hatten, waren es bei unserer Ankunft am Fuji nur noch 22. Begleitet von einem hübschen kleinen Nieselregen. Und auch wenn uns die Abkühlung gar nicht so ungelegen kam, war damit doch ziemlich klar, dass das mit unserem wolkenfreien Fuji-Ausblick wohl eher nichts werden würde. Versucht haben wir es natürlich trotzdem. Am Morgen war es wieder trocken und auch wärmer, so dass wir die mühsam von ganz unten aus dem Koffer hervorgekramte lange Hose und Regenjacke wieder verstauen konnten. Musketier Nummer 2 hatte vorab im allwissenden Internet bei TikTok & Co. nach den besten Aussichtspunkten geschaut und so stapften wir hinauf zur Chureito Pagode, um unser Glück zu versuchen.


Das folgende Bild zeigt Fuji-san oder vielmehr die großartigen Wolken, die ihn vollständig einhüllen. Wenn man sich ganz viel Mühe gibt (und viel guten Willen zeigt), kann man oben mittig im Wolkenfenster einen winzigen Teil der Spitze erkennen. Man muss es nur wollen! 😀

Nach diesem Erfolgserlebnis trösteten wir uns noch mit einem kleinen Spaziergang am Kawaguchi-See. Der war auch bei bewölktem Himmel wirklich schön und ab und zu kam sogar die Sonne raus. 🙂




Tja dann… müssen wir wohl nochmal wiederkommen, um uns den Fuji in seiner ganzen Pracht anzuschauen. Da kann man nichts machen. 🙂






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