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On the road again

On the road again

Wir sind zurück in Kanada, genauer in Montréal. Allerdings nur kurz, um unser Wohnmobil abzuholen. Anschließend geht es direkt weiter zu unserem ersten Camping-Stopp in der Nähe von Québec.

Aber vorher noch eine kleine Anekdote für euch (leider nur Text ohne Fotos, aber nach der Lektüre wird klar, warum ;-))….

Die Einreise nach Kanada war – im Vergleich zu der in die Staaten – einfach, schnell und unkompliziert. Alles wird mittlerweile an Automaten erfasst, die deinen Pass scannen und dich durch ein paar Fragen zu deiner Zollerklärung führen. Unsere Abreise in die USA war dagegen nicht ganz so reibungslos. Bei der Befragung durch den Grenzbeamten (im übrigen noch in Kanada selbst und nicht wie bei Flügen aus Europa erst nach Ankunft in den USA) wurden wir mehrfach ausdrücklich darauf hingewiesen, dass keinerlei Lebensmittel wie Früchte oder Fleisch in die USA eingeführt werden dürfen und mehrfach danach gefragt, ob wir irgendetwas davon dabei hätten. Wir verneinten ebenfalls mehrfach (wobei man nach der zehnten Frage langsam unsicher wird und beginnt zu überlegen, ob man nicht doch vielleicht in irgendeinem Gepäckstück noch irgendetwas vergessen hat. :-D). Trotz unserer Beteuerungen wirklich keinerlei Lebensmitteln (abgesehen von zwei Keksen und ein paar Kaugummis) mit uns zu führen, wurden wir zu einer „speziellen Befragung“ in einen Nebenraum zu einer Kollegin geführt und gebeten, dort zu warten. Für die unter euch, die gern mal diese Sendungen zu Grenzkontrollen in den USA oder Australien schauen, bei denen Menschen in separaten Räumen durchsucht werden und man anschließend 10kg Kokain oder ähnliches entdeckt,… genau so ein Raum (und so eine Atmosphäre) war das.

Als ich schon begann leicht unruhig zu werden, wurden wir aufgerufen. Die Grenzbeamtin prüfte offensichtlich ein paar Einträge im Computer und fragte dann erneut, ob wir irgendwelche Lebensmittel mit uns führten. Wir verneinten erneut, worauf sie fragte, ob wir uns an einen – so wörtlich – „Apfel-und-Orangen-Vorfall in Atlanta im Jahr 2021“ erinnern würden. („Do you recall an apple and orange incident in Atlanta in 2021?“) Nun an dieser Stelle gab es zwei Möglichkeiten mit der Situation umzugehen – ein Ausbruch in schallendes Gelächter angesichts der Absurdität der Situation oder betretenes-und-schuldbewusstes-auf-die-Füße-schauen und die umgehende Versicherung in Richtung der Grenzbeamtin, dass man aus seinen schweren Fehlern damals im Jahr 2021 gelernt habe und so etwas selbstverständlich nie wieder tun würde.

Was war passiert? Damals… 2021… in Atlanta? Wir waren aus Amsterdam angereist und hatten zuvor eine Nacht in einem Hotel in Amsterdam in Flughafennähe übernachtet, da der Flug am nächsten Morgen recht früh ging. Statt eines Frühstücks bekamen wir im Hotel eine Art Lunchpaket gepackt. Dieses enthielt auch – ihr ahnt es bereits – einen Apfel und eine Orange. Als wir nun in Atlanta landeten, hatte ich bis dahin weder Apfel noch Orange gegessen, fand das Obst aber viel zu schade, um es zu entsorgen oder einfach im Flugzeug zu lassen. Wie wir nun durch den Zoll im Flughafen gingen, wurden wir wie üblich zu allerlei Sachen befragt – ob wir mehr als 10.000 $ in bar dabei hätten zum Beispiel (hatten wir leider nicht) oder Waffen oder Obst oder Gemüse. Und an dieser Stelle nun antwortete ich – in dem Glauben das einzig richtige zu tun als anständiger deutscher Tourist, der bestimmt keinen Ärger mit der US-amerikanischen Polizei oder Justiz haben möchte – „oh, ja, Entschuldigung, ich habe hier noch einen Apfel und eine Orange“. Im selben Moment verfinsterte sich der Gesichtsausdruck der Zollbeamtin. Ein Kollege wurde gerufen. Unsere gesamte Reisegruppe wurde in einen abgetrennten Raum geführt und intensiv nach weiteren illegalen Mitbringseln befragt. Sämtliches Gepäck wurde gescannt und jeder Mensch einzeln untersucht. Da an uns oder in unserem Gepäck keine weiteren hochgefährlichen Dinge gefunden wurden, durften wir nach einer intensiven, ausschweifenden Belehrung dann schließlich doch einreisen. Nichtsahnend, dass dieser Fauxpas seinen Weg in die Systeme der amerikanischen Grenzkontrollen als der „Apfel-und-Orangen-Vorfall“ finden würde.

Nun, wir wollten ja doch gern einreisen und auch definitiv keinen weiteren Eintrag in die Akte riskieren, also wählte ich Option 2, gab mich schuldbewusst und versicherte ihr, dass mir so ein kapitaler Fehler niemals wieder unterlaufen würde. Anschließend noch eine kurze Schrecksekunde als sie danach fragten, ob ich eine Bestätigung des Vaters von Musketier #3 bei mir hätte, dass #3 auch alleine mit mir reisen dürfte, schließlich ist er ja noch minderjährig. Diese Nachfrage finde ich tatsächlich richtig und sinnvoll. Allerdings war ich diesbezüglich – da wir ja bis zum Schluss von einer gemeinsamen Reise ausgegangen waren – schlecht vorbereitet und hatte keine Bestätigung dabei. Zum Glück genügte dem Grenzbeamten die Erklärung der Gesamtsituation (begleitet vom eifrigen, bestätigenden Nicken meiner Mitreisenden) und das Angebot, den Vater telefonisch zu kontaktieren. (Glücklicherweise bestand er nicht darauf. Bei unserer Abreise saß der Vater von #3 nämlich im Flugzeug auf dem Weg zurück nach Deutschland, denn zumindest für den USA-Teil unserer Reise war er zu uns gekommen. Das war einfach wunderbar und wir hatten ein paar sehr, sehr schöne Tage. ❤

Aber nun zurück zu Montréal. In einigen Städten Kanadas ist es nicht erlaubt, mit Wohnmobilen in die Stadt zu fahren. Dazu gehört auch Montréal. Aus diesem Grund befindet sich die Verleihstation recht weit außerhalb. Einen Mietwagen hatten wir für den einen Tag nicht und für ein Uber oder ein Taxi war ich zu geizig. Also fiel die Wahl auf die öffentlichen Verkehrsmittel – trotz einer angegebenen Reisezeit von ca. 1,5 Stunden. Schließlich haben wir ja Urlaub… wir haben Zeit.

Teil 1: die U-Bahn. Das lief alles recht reibungslos. An der Metrostation befand sich ein Kiosk für die Tickets und da wir genau wussten, wohin wir wollten und uns vorher informiert hatten, welches Ticket wir dafür brauchten (Montréal und die äußeren Gebiete sind in vier Zonen aufgeteilt – sobald man weiß, in welcher Zone das Reiseziel liegt, ist auch klar, welches Ticket man benötigt), war es auch nicht tragisch, dass uns die Verkäuferin bzgl. weiterer Informationen zu Strecke, Umstieg u.ä. nicht wirklich weiterhelfen konnte.

Teil 2: der Bus. Hier sah das Ganze schon etwas anders aus. Wir haben Kanada bzw. die Kanadier bisher ausnahmslos als ausgesprochen freundlich, zuvorkommend und hilfsbereit empfunden. Nun aber weiß ich… auch die Freundlichkeit der Kanadier endet bei einem überfüllten Bus, in dem Menschen mit vier großen Koffern Wege oder sogar Sitzplätze blockieren. Da hört der Spaß einfach auf. Und ich kann euch auch noch sagen… auf Englisch oder Französisch beschimpft zu werden ist eine Sache. Aber lautstark in einer frankokanadischen Sprache, die ein wenig wie eine sehr merkwürdige Mischung aus einer Art Französisch und vielleicht dem Englischen entlehnten Wörtern wirkt, belehrt und beleidigt zu werden, ist nochmal ein ganz anderes Level. Das war eine sehr lange und gar nicht mal so angenehme Busfahrt.

Teil 3: der Fußmarsch. „Unsere“ auf google angegebene Haltestelle befand sich im Nichts an einer Schnellstraße. Ein Fußweg war weit und breit nicht zu erkennen. Also Rucksäcke geschultert und Kofferbügel ausgezogen und auf ging es immer am Randstreifen entlang wie in einer sehr alten Werbung von Aral. („I’m walking…“ die Älteren unter uns erinnern sich). So ein Spaziergang im Rollsplitt mit Reisegepäck während einen halben Meter neben dir die LKW mit 100 km/h vorbeifahren… was gibt es Schöneres. 😀

So im Nachhinein betrachtet, war das Taxi vielleicht doch gar nicht so teuer. Ich meine, wir sind ja zu viert. Da lohnt sich das eigentlich schon fast wieder, oder? Also für den Rückweg… 🙂

Aber gut… am Ende wurden wir belohnt und durften unser sehr hübsches Gefährt in Empfang nehmen. Das also ist nun das Zuhause für die nächsten 10 Tage – ein etwa 8 Meter langes und 5 Tonnen schweres Wohnmobil mit ausfahrbaren Seiten und ausfahrbarem Heck. Schon sehr cool und auch die Mitreisenden waren angemessen begeistert. 🙂

Die große Freude kommt für mich beim Fahren dieses Ungetüms noch nicht wirklich auf und vermutlich habe ich morgen Schmerzen in den Händen, vom nervösen, verkrampften Dauer-Umklammern des Lenkrads, aber wahrscheinlich ist es – so wie auch auf unserer Osteuropa-Tour – nur eine Frage der Gewöhnung. Erstmal haben wir sicher und wohlbehalten die etwa 300km zu unserem Campingplatz geschafft. Das Wohnmobil ist mit Strom und Wasser versorgt. Und die Reisegruppe plant schon eifrig den morgigen Tag und unseren Ausflug nach Québec.

Eine Antwort zu „On the road again”.

  1. Avatar von Lioba
    Lioba

    Das sind ja Abenteuer! Ich wusste gar nicht, dass Du eine kriminelle Vergangenheit hast… Das merke ich mir „Apfel-Orange-Vorfall“ 😉 Verstehe gar nicht, dass Du Dich da nicht getraut hast, noch ein Foto von der Einreise zu machen :-). Ich wünsche Euch noch wundervolle Tage mit dem Camper und drücke die Daumen, dass Ihr immer gute Fahrt habt – die Straßen sind ja breit genug. Liebe Grüße aus Kölle

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