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Nachts im Museum

Einmal wie im Film in einem Museum übernachten… klingt verrückt, oder? In London geht das tatsächlich. Alle paar Monate veranstaltet das Natural History Museum für eine sehr begrenzte Anzahl an Besuchern eine „Dino-snores“-Nacht, bei der einem nicht nur eine Übernachtung im Museum sondern auch noch ein cooles Unterhaltungsprogramm geboten wird. Und ich nehm es vorweg: das klingt nicht nur total genial, es war es auch. 😀

Nun steht London an sich ja schon (allein aus nostalgischen Gründen) sehr weit oben auf meiner Liste der Lieblingsbesuchsorte, so dass wir um die Museumsnacht herum gleich noch einen kleinen Kurzbesuch gebastelt haben – ausnahmsweise mal nur zu zweit, denn die Dinosnores sind eine adults-only-Veranstaltung.

Die Wahl des Transportmittels fiel diesmal auf eine Auto-Zug-Kombination: Mit dem Auto nach Brüssel und anschließend mit dem Eurostar in nicht mal drei Stunden nach London. Der Ablauf am Bahnhof ist dabei dem am Flughafen gar nicht so unähnlich- Einchecken, Gepäckscan, Passkontrolle. Aber alles ziemlich schnell und unkompliziert und der Zug selbst sauber und bequem – kann man durchaus mal wieder machen.

Die Eurostarzüge kommen im Bahnhof St Pancras an – direkt daneben liegt die U-Bahn-Station King‘s Cross (die Harry Potter Fans wissen Bescheid) und von dort erreicht man problemlos nahezu jeden Ort in Central London.

Wir haben beide (vor zugegeben recht langer Zeit :)) eine Weile in London gelebt und die Stadt seitdem immer wieder mal besucht. Das Standard-Sehenswürdigkeiten-Touristenprogramm stand daher nicht auf dem Plan sondern stattdessen der Besuch einiger Lieblings- und Erinnerungsplätze.

Ganz vorn dabei: Coventgarden mit seinem Markt und vor allem seinen Straßenkünstlern. (Die lassen nach ihrer Vorstellung heutzutage übrigens nicht mehr den Hut für Bargeld rumgehen sondern stattdessen das Kreditkartenlesegerät. Man muss eben mit der Zeit gehen. :-D)

Außerdem natürlich unverzichtbar: der traditionelle Pub-Besuch. Der Ort auf der Welt, wo (nicht mehr ganz nüchterne) wildfremde Engländer an deinen Tisch kommen und man sich innerhalb weniger Minuten in einem angeregten Gespräch wiederfindet, als würde man sich schon ewig kennen und wo man darum wetteifert, wer wem das nächste Pint ausgibt.

Natürlich lange Spaziergänge durch die Straßen von London – mit den riesigen Parks mitten im Stadtzentrum, die auch im Herbst ein wunderbarer Ausflugsort im hektischen Treiben der Stadt sind.

… ein Besuch auf mindestens zwei oder drei (Wochen-)Märkten.

(Wobei ich von einem Besuch des Marktes auf der Portobello Road in Nottinghill an einem Samstagmorgen aufgrund der unfassbaren Menschenmassen nur abraten kann.)

Und natürlich nicht zu vergessen… mindestens ein traditionelles englisches Frühstück. (Also für Vova… 🙂 Und das am besten – wenn man Anja auch noch glücklich machen möchte – in einem kleinen Lokal, in dem man sich auch noch über einem Feuer im Kamin ein paar Marshmallows zum Nachtisch rösten darf. 🙂 )

Tja und dann… ging es los… mit Isomatten und Schlafsäcken bewaffnet reihten wir uns schließlich, nachdem das Museum offiziell geschlossen hatte, in die Schlange der Wartenden vor dem Natural History Museum ein.

Und dann betritt man dieses riesige, altehrwürdige Gebäude… es war so aufregend. 😀

Zuerst der organisatorische Teil: Ticket- und Gepäckkontrolle (Es dürfen neben gefährlichen Gegenständen zum Beispiel auch keine alkoholischen Getränke mit ins Museum gebracht werden.).

Anschließend wurde jeder Besucher einer von drei Gruppen zugewiesen. Dafür bekam man ein Umhängeband in der jeweiligen Gruppenfarbe, einen Gutschein für ein Getränk, die Information, an welchem Tisch man beim Abendessen sitzen würde, und – am wichtigsten von allem – das Programm für den Abend beziehungsweise die kommende Nacht.

Die Zeiten für die verschiedenen Programmpunkte unterscheiden sich jeweils zwischen den Gruppen, so dass bei jeder Aktivität immer nur eine sehr überschaubare Anzahl an Menschen teilnimmt. Das Angebot ließ dabei keine Wünsche offen: von Comedy über Pubquiz bis hin zur Science-Show war alles dabei.

Zunächst aber hieß es erstmal, in der riesigen Eingangshalle einen guten Schlafplatz zu finden und seine Isomatte auszurollen. (Schlafmatten konnte man, wenn man keine eigene dabei hatte, auch vom Museum bekommen – Schlafsäcke musste man selbst mitbringen.) Es war alles so überwältigend und beeindruckend und man konnte sich gar nicht entscheiden, ob man sich lieber zentral unter dem gigantischen Walskelett oder vielleicht auf einer der Emporen einrichtet.

Unsere Wahl fiel schließlich auf eine kleine Nische, die wir uns mit einem ausgestellten riesigen Blauen Marlin teilten. 😀

Anschließend gab es Abendessen – das Menü hatte man zuvor auf der Website ausgewählt. Es gab jeweils die Wahl zwischen zwei Vorspeisen, drei Hauptgerichten und zwei Desserts. Keine Sterneküche aber durchaus lecker.

Und schließlich: Programm – wenn man nur diese eine Nacht hat, will man natürlich nichts verpassen. Also zunächst zur Comedy und anschließend zu „Designer Dinosaurs“.

Für mich tatsächlich der beste und unterhaltsamste Programmpunkt des Abends. Angelehnt an die Idee der Jurassic Park & Jurassic World Filme, in denen aus DNA von ausgestorbenen Dinosauriern und später dann mithilfe der DNA von anderen Tieren Dinosaurier mit speziellen Fähigkeiten kreiert werden sollen, hatte der Mitarbeiter des Museums auch unterschiedliche Tiere mit bestimmten Eigenschaften mitgebracht, zu denen er einiges erzählte und von denen man manche auch anfassen durfte. (Bei Skorpion (der übrigens wie alle Skorpione unter UV-Licht leuchtet) und Vogelspinne wurde darauf verzichtet.)

Anschließend erzählte uns eine weitere Mitarbeiterin auf ansteckend begeisterte Art und Weise in der Science Show alles, was es über Haie zu wissen gibt. Es gab eine Schnitzeljagd durchs Museum, Malwettbewerbe und Brettspiele und wer wollte, konnte bis früh um drei im Kino des Museums Filme schauen.

Das wahre Highlight der Nacht war für mich allerdings, dieses großartige Museum fast für uns alleine zu haben. Keine Menschenmassen, die einen von Ausstellung zu Ausstellung schieben. Kein Gedränge an den interessantesten Exponaten. Alles konnte man in Ruhe anschauen. Jede interaktive Attraktion konnte man ausprobieren. Überall konnte man stehenbleiben, alles, was man wollte lesen, anschauen und bestaunen. Hier und da mal ein anderer Besucher, aber sonst freie Flure und leere Gänge. Es war unglaublich. Selbst die Herzstücke des Museums – die Dinosaurierausstellung mit ihrem berühmten Tyrannosaurus, den man sonst hinter Menschenmengen nur erahnen kann und die Erdkugel, in die man mit einer Rolltreppe, wie als würde man ins Erdinnere reisen, hineinfahren kann – hatten wir fast für uns allein. Einfach nur grandios!

Zum Einschlafen spielte dann noch eine Harfenistin in der großen Halle – ein großartiger Klang…

…wobei ‚einschlafen‘ ist vielleicht nicht ganz das richtige Wort. Bevor die Lichter im Museum gelöscht wurden, war es schon fast 3 Uhr. Und so wie die Harfenklänge durch die riesigen Räume hallten, so hallten später auch sämtliche Schnarchgeräusche. Ein Konzert der ganz anderen Art. 😀

Gegen 7 Uhr gingen die Lichter wieder an und so wurde es eine eher kurze, nicht sehr schlafreiche Nacht. Aber dafür eine unvergessliche! ❤️

Dann noch ein gemeinsames Frühstück. Die Isomatten und Schlafsäcke wieder zusammengerollt. Noch ein letzter Blick zurück in die große Halle. Durch die schwere Holztür nach draußen in den kühlen Herbstmorgen. Und dann schließt der Nachtwächter das große eiserne Tor auf und lässt uns wieder hinaus – zurück in diese Welt. 🙂

Was für ein unglaubliches Erlebnis! ❤️🥰

Eine Antwort zu „Nachts im Museum”.

  1. Avatar von Renate Lehmann
    Renate Lehmann

    Ein unglaubliches Erlebnis, das schon beim Lesen ein Gänsehautgefühl hinterläßt! Danke für diesen tollen Bericht, und liebe Grüße aus Dresden. Renate und Hanne

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