Die Insel Grímsey ist die nördlichste Insel Islands und liegt genau auf dem Polarkreis. Also… noch. Da die Neigung der Erde nicht konstant ist, verschiebt sich der Polarkreis jedes Jahr um ein paar Meter. Im Jahr 2031 wird der Polarkreis daher bereits im Meer nördlich von Grímsey verlaufen und nicht mehr über die Insel selbst. (Tatsächlich verläuft er ab 2039 wohl noch einmal über Grímsey bevor er 2047 dann für längere Zeit ins Meer ‚verschwindet‘.) Möchte man also mal in Island auf dem Polarkreis stehen, muss man sich ein bisschen beeilen, 😀 Und ich wollte sehr gern.
Grímsey kann man von Akureyri aus entweder innerhalb von etwa 3 Stunden mit der Fähre oder alternativ in 25 Minuten mit dem Propellerflugzeug erreichen. Meine Tauglichkeit für kleine Fährschiffe in herausfordernden Wetterbedingungen ist hinlänglich bekannt und außerdem mussten wir ja pünktlich vor dem Ablegen unseres Schiffes wieder zurück sein. Also flogen wir nach Grímsey. Was für ein Erlebnis. 🙂

Der Flughafen von Akureyri ist winzig klein. Das Flugzeug ist noch kleiner mit Platz für nur 19 Passagiere. Die beiden Piloten kümmern sich gleichermaßen um das Steuern des Flugzeuges wie um die Sicherheitseinweisungen und um Informationen zur Reise selbst. (Dazu dreht sich der Copilot einfach einmal fix zu den Passagieren um und erzählt die wichtigsten Punkte.) Getränke werden aus irgendeinem Grund auf dem Flug keine gereicht. 😉






Der Flughafen von Grímsey besteht im Grunde nur aus einem kleinen Häuschen mit Vorplatz (auf dem das Flugzeug auf den Rückflug wartet) und einer kurzen Landebahn. Aber mehr braucht es auch nicht. Außerhalb der Sommermonate wohnen nur um die 20 Personen auf der Insel, am Wochenende manchmal ein paar mehr. Im Sommer sind es bis zu 100. Grímsey ist klein. Es gibt ein paar Wohnhäuser, das wahrscheinlich kleinste Café Islands, eine Art Restaurant, ein kleines Gästehaus, einen winzigen Lebensmittelladen, der für ein oder zwei Stunden am Tag öffnet. (wenn man etwas vergessen hat, kann man die Besitzerin aber auch kurz anrufen, dann schließt sie nochmal auf oder stellt die benötigten Dinge vor die Ladentür.), eine neu gebaute und fast fertiggestellte Kirche (Nachdem die alte, aus Treibholz gebaute Kirche 2021 einem Brand zum Opfer gefallen ist.), einen Leuchtturm und die so genannten „Jahrhundertsteine“, die jeweils den Ort des Polarkreises in den Jahren 1717, 1817, 1917 und 2017 markieren.
Und in den Frühlings- und Sommermonaten hat Grímsey noch eine weitere, spektakuläre Sehenswürdigkeit: Hunderttausende von Puffins, die auf die Insel kommen, um zu nisten und ihre Jungen aufzuziehen. Spätestens Mitte August aber machen sich sämtliche Puffins wieder auf Richtung Atlantik, um die nächsten Monate auf dem offenen Meer zu verbringen. Ich war also zu spät, um endlich einmal Puffins zu sehen. 😦 Irgendwie habe ich, was das angeht, kein Glück – aber bekanntlich sind aller guten Dinge ja drei. Das wird schon noch klappen mit mir und den putzigen Puffins. 🙂
Ein weiteres (ganzjähriges :-)) Highlight der Insel aber ist das Kunstwerk Orbis et Globus – eine riesige Betonkugel, die den Polarkreis markiert und die jedes Jahr zur Sommersonnwende an ihre neue Position gerollt wird. Im Jahr 2047 soll die Kugel schließlich ins Meer gerollt werden. Aber bis dahin kann man sie noch besichtigen. Vom ‚Flughafen‘ aus sind es etwa 45 Minuten zu Fuß auf einem recht befestigten Weg die beeindruckenden Klippen von Grímsey entlang. Und wenn es schon keine Puffins für mich gab, dann doch zumindest eine ganze Herde von Islandpferden, die uns auf dem Weg zur Kugel begegneten und mehr als nur zutraulich waren. Ich denke, da haben wir (und ganz besonders die gute Fee) neue Freunde gefunden. 😀











Tja, und wenn man es dann schon zum und über den Polarkreis geschafft hat, muss das natürlich auch anständig dokumentieren. Schließlich kommt man nicht jeden Tag so weit nach Norden. Und so gab es vor dem Rückflug nicht nur das obligatorische Foto sondern auch eine offizielle Urkunde vom Piloten. Alles sehr feierlich. 🙂










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