Ich hatte ja schon angekündigt, dass es in Bezug auf Wetter, Wind und Wellen doch ein paar besondere Herausforderungen auf dieser Reise gab. Den Höhepunkt des Wellengangs erreichten wir definitiv während der Überfahrt von Island zu den Färöer. Falls euch eine dramatische Schilderung der stürmischen Nacht im Nordatlantik interessiert, sucht auf google einfach mal nach „AIDAsol“ und „Sturm“. Die AIDA fuhr in der gleichen Nacht wie wir von Island ab (für die AIDA in Richtung Schottland) und geriet in den gleichen Sturm. Die guten Nachrichten in diesem Zusammenhang: 1) Schäden an unserem Schiff gab es keine. 2) Die Stabilisatoren eines modernen Kreuzfahrtschiffes sind wahre Wunderwerke der Technik – so schlimm, wie es beim Blick nach draußen auf den Seegang aussah, fühlte es sich an Bord bei Weitem nicht an. 3) Bei Wellengang lässt es sich eigentlich ganz hervorragend schlafen, während man so in den Schlaf geschaukelt wird. Wenn nur das „Gebälk“ nicht so unglaublich geknarzt hätte. 4) Dank einer gewissen konstanten Flauheit im Magen, wurde an den Seegang-Abenden jeweils auf die große Buffetplünderung verzichtet – definitiv ein Pluspunkt für das Urlaubsabschlussgewicht. 5) Wirklich schlimm seekrank wurden wir überraschenderweise nicht, nur die Aktivitäten und Bewegungen wurden vielleicht ein wenig zurückgefahren. Aber warum nicht auch einfach mal wieder (im Liegen ;-)) ein Buch lesen oder einen Film schauen. 😀
Irgendwie habe ich es versäumt, ein Foto des Wellengangs zu machen. Wenn das denn überhaupt möglich bzw. ausdrucksstark gewesen wäre. Was ich allerdings gemacht habe, ist ein Video des Pools und des in ihm befindlichen Wassers während der Fahrt an dem besagten Abend. Ich habe mal versucht, ein besonders aussagekräftiges Standbild aus dem Video rauszusuchen. (Zum Vergleich daneben der Pool während eines ruhigen Tages.) Vielleicht gibt das einen ganz groben Eindruck. Ansonsten, wie gesagt…. schaut mal nach dem Bericht über die AIDA. 😀


Mit einer gewissen Verspätung erreichten wir dann aber doch alle wohlbehalten Tórshavn, die Hauptstadt der Färöer. Und wenn es einen Wettbewerb gäbe, für die unterschätztesten Urlaubsziele würden die Färöer meines Erachtens ganz vorn mitspielen. Was für eine tolle Überraschung.
Tórshavn liegt auf der Hauptinsel der Färöer – Streymoy. Eine von insgesamt 18 Inseln. Die Färöer (auf deutsch so viel wie „Schafsinseln“) haben nur etwas mehr als 50.000 Einwohner, etwa 14.000 davon leben in Tórshavn. Es ist also alles recht klein und überschaubar und Tórshavn lässt sich gut in einem Tag erkunden. An diesem einen Tag gibt es aber ganz zauberhafte Dinge zu sehen. Da ist zum Beispiel das Løgting direkt im Hafen von Tórshavn, eines der ältesten Parlamente der Welt. Da ist die Altstadt mit ihren wunderhübschen roten Holzhäusern, viele davon mit Grasdächern. Da ist die Domkirche. Die Festung Skansin mit ihrem Leuchtturm. Die kleine Fußgängerzone mit ihren Läden und einigen (wenigen) Hotels und Restaurants.

















Da gibt es den kleinen, sehr hübschen Stadtpark von Tórshavn mit einer interessanten Anekdote. Es gibt auf den Färöer nämlich ursprünglich keine natürlich vorkommenden Bäume. Für den Bau mit Holz war man daher in der Vergangenheit immer auf Treibholz angewiesen gewesen. Seit mehreren Jahrzehnten wird versucht, auf den Inseln Bäume zu pflanzen und Wälder anzulegen. Es gibt dafür sogar einen eigenen Forstminister. Und mittlerweile mit einem gewissen Erfolg. Und der größte „Wald“ auf den Färöer ist eben dieser Stadtwald von Tórshavn. Er ist etwa 32.000 Quadratmeter groß – das dürfte etwa viereinhalb Fußballfeldern entsprechen. Aller Anfang ist bekanntlich schwer. 🙂




Die größte Überraschung aber erwartete uns außerhalb des Stadtzentrums. Etwa 30 Minuten Spaziergang vom Hafen entfernt, erreicht man im Norden von Tórshavn das Tal Hoydalar mit dem Svartifoss – dem „schwarzen Wasserfall“. Das Tal ist ein so unbeschreiblich schöner Ort, an dem es mich nicht überraschen würde, wenn es dort wirklich Feen, Elfen und Trolle gäbe. Ich kann es gar nicht erklären – auf einmal tat sich vor uns so eine unendlich Weite auf. Es war faszinierend. Aber… wie so oft… eine Beschreibung, die dem Anblick und dem Erlebnis gerecht wird, ist kaum möglich. Man muss es selbst gesehen haben. Und daher, statt vieler Worte, lieber ein paar Bilder dieser bezaubernden Landschaft. 🙂








Bei unserem nächsten geplanten Ziel auf den Shetlandinseln handelte es sich wieder um einen Tenderhafen. Das Schiff würde also nicht direkt in Lerwick anlegen können, sondern man würde mit Hilfe von Tenderbooten an Land gebracht werden. Allerdings gab der Sturm immer noch sein Bestes und es war absehbar, dass uns bei einer Fahrt nach Schottland nicht nur eine weitere, unruhige Nacht bevorstehen, sondern auch, dass ein Tendern vermutlich nicht möglich sein würde. Daher entschied der Kapitän bereits kurz nach unserer Ankunft in Tórshavn schweren Herzens, dass wir den Stopp in Lerwick auslassen und uns stattdessen direkt auf den Weg nach Norwegen machen würden. Dank dieses zusätzlichen Seetags konnten wir nun deutlich langsamer fahren, so dass man von dem starken Seegang auf dem Schiff kaum noch etwas spürte. Auch wenn es schade war, die Shetlandinseln zu verpassen, war das für den Erholungsfaktor mit Sicherheit die bessere Wahl. 🙂





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