Panama City

Die Hauptstadt Panamas mit ihren etwa 430.000 Einwohner (über eine Million, wenn man die Vororte mit rechnet) ist eine Stadt mit unglaublich vielen Gesichtern. Eine wie ich finde eigenartige, ungewöhnliche Stadt. Vielfältig und mit den unterschiedlichsten Stadtteilen, so wie es sie wohl in fast jeder größeren Stadt gibt, aber dabei in ihrer Gesamtstruktur und innerhalb der einzelnen Stadtteile so uneinheitlich, wie ich es so, glaube ich, so noch in keiner anderen Stadt gesehen habe. Aber vielleicht habe ich dafür auch schlichtweg noch nicht genügend Städte außerhalb Europas gesehen.

Da ist zum einen das von Weitem geradezu schillernd wirkende (Finanz-)Zentrum der Stadt – mit seinen Wolkenkratzern, die von weiter weg betrachtet eine moderne Skyline bilden, die den Finanzzentren von Frankfurt oder London Konkurrenz machen möchte. Dank seines, nennen wir es ‚investitionsfreundlichen‘, Steuer- und Bankensystems hat sich Panama in den letzten Jahrzehnten zu einem absoluten Finanzzentrum entwickelt. Ganz eventuell haben (neben dem Panamakanal natürlich) hierbei auch Geldwäsche und die Finanzierung gewisser Drogenhandelsaktivitäten eine nicht ganz unbedeutende Rolle gespielt. Also zumindest in der Vergangenheit. 😉 Um die 100 Banken haben wohl eine Niederlassung in Panama City. Sieben der zehn höchsten Gebäude in Lateinamerika befinden sich in Panama City. 24 Hochhäuser in Panama City sind über 200m hoch. Hinzu kommt der überall spürbare starke Einfluss der USA. Nicht nur ist der US-Dollar anerkanntes Zahlungsmittel und die lokale Währung (Balboa) 1:1 an den Dollar gebunden, auch was Geschäfte oder Fast-Food-Ketten beispielsweise angeht, sind die USA geradezu allgegenwärtig.

Kommt man jedoch näher heran, so wird man irgendwie den Eindruck nicht los, dass diese Glitzerwelt so gar nicht zum Rest der Stadt passen möchte. Zweifelsohne gehört das Viertel zu den belebtesten der Stadt. Hotels, Restaurants, Geschäfte, Malls und Bars reihen sich aneinander. Dazu so viele Autos, dass es Tageszeiten gibt, an dem das ganze Viertel ein einziger großer Stau zu sein scheint. 😀 Aber viele der von Weitem so modern wirkenden Gebäude könnten durchaus einen neuen Anstrich vertragen oder einige vielleicht doch sogar eine gründlichere Renovierung. Als hätte man sie aus einer Laune heraus dahin gebaut, aber dann keine Lust mehr gehabt, sich längerfristig darum zu kümmern. Viele der Autos zwischen den Hochhausreihen werden nur noch von viel Hoffnung und gutem Zureden zusammengehalten. Der Gang über die Bürgersteige gleicht eher einem Hindernisparcours, zwischen Schlaglöchern, weggebrochenen Abschnitten oder Stein- und Schutthaufen. Zwischen den Hochglanzhäusern immer wieder winzige Kioske oder auch mal eine Autowerkstatt. Wie aus der Zeit oder dem Konzept gefallen. Als hätte Panama City viel zu schnell erwachsen werden müssen und eigentlich war es doch noch gar nicht so weit.

Auf der Pazifikseite erreicht man das Bankenviertel über eine wunderbare, neue und moderne, mehrere Kilometer lange Promenade, auf der sich hervorragend entlang spazieren lässt. Hier zeigt die Stadt, was in ihr steckt oder in ihr stecken könnte. Ein wirklich schöner Weg am Wasser entlang, gesäumt von Bäumen und Grünflächen. Zwischendrin immer wieder Kunstwerke und Statuen oder kleine Sport- und Spielplätze. Alles hervorragend sauber und gepflegt.

Kommt man jedoch von der anderen Seite so zeigt sich ein ganz andere Bild dieser Stadt. Nicht weit draußen in den Vororten oder Randgebieten, sondern nur zwei oder drei Straßenecken von den Bankenkomplexen entfernt. Da sind Straßenstände mit Obst und Gemüse oder anderen Lebensmitteln, manchmal auch mit ein paar Souvenirs, falls sich doch ein paar Touristen in diesen Teil verirren. Da ist ein Friseur unter einer Brücke in einer offenen Wellblechhütte. Da sind überfüllte Müllcontainer, verfallende Häuser, aufgerissene Straßendecken und unzählige Baustellen.

Und dann sind da wunderschöne Oasen mitten in der Stadt. Wie der Parque Omar – mit 55 Hektar einer der größten Parks der Stadt. Mit ausgedehnten Grünflächen, Sport- und Spielplätzen, einem Schwimmbad und etlichen Mangobäumen, die für jeden, der möchte, die süßesten und leckersten Mangos bereithalten, die ihr euch nur vorstellen könnt. Für euch getestet. 🙂

Drumherum und auch im Rest der Stadt irgendwie scheinbar zufällig verteilt – unterschiedliche Wohnviertel der Stadt (eines der schöneren direkt an den Parque Omar angrenzend trägt übrigens den hübschen Namen ‚San Francisco‘ :-)) und in ihnen immer mal wieder hier und da ein Hochhaus. Als hätte jemand gewürfelt oder willkürlich ausgesucht, wo vielleicht noch so ein Hochhaus hinpassen könnte.

Auf dem Weg quer durch die Stadt zur Panamá Viejo – den Ruinen der ursprünglichen Panama City, die 1671 zerstört wurde und sich in den östlichen Vororten der heutigen Panama City befindet – kommt man noch an allerlei interessanten Orten vorbei – von Kirchen und Markthallen über Einstein-Denkmäler bis zu einem panamaischen Mini-Walk-of-Fame ist da alles dabei. Langweilig ist Panama City auf jeden Fall nicht. 🙂

Panamá Viejo selbst – übrigens ein Unesco Weltkulturerbe – kann man im Rahmen einer Führung besuchen. Allerdings hatten wir zu diesem Zeitpunkt schon viele Kilometer quer durch die Stadt zurückgelegt und so begnügten wir uns mit einem kleinen Schummel-Blick auf die Ruinen über den Zaun, der die Anlage umgibt. 🙂

Neben den genannten Vierteln und der Kanalzone (um die wir uns noch in einem gesonderten Beitrag kümmern werden ;-)) ist der bekannteste Stadtteil und ein weiteres Unesco Weltkulturerbe von Panama City die berühmte Altstadt Casco Viejo (auch: Casco Antiguo) am westlichen Rand des Stadtzentrums.

Hier geht es deutlich ruhiger und beschaulicher zu als im Rest der Stadt. Hier gibt es wunderhübsche kleine Cafés, Museen, süße Boutique-Hotels, Kirchen und Kunstwerke, kleine Marktplätze, Bars, Sourvenirgeschäfte und zahlreiche Gassen, die mit ihren Häusern im Kolonialstil zum Schlendern einladen. Ein wirklich hübsches kleines Viertel direkt am Pazifik (sofern er denn da und nicht gerade Ebbe ist :-)).

Und dann zeigen sich selbst in dieser kleinen Oase auch hier die Herausforderungen, vor denen Panama City noch steht. Wunderschönster Kolonialstil, mühe- und liebevoll restaurierte und renovierte Gebäude. Und gleich gegenüber: Ruinen und verfallene Fassaden, eine Baustelle an der anderen.

Für mich ist Panama City eine Stadt, die gern viel mehr wäre, als sie eigentlich ist. Eine Stadt mit großen Ambitionen, der aber irgendwie noch das langfristige Konzept und die Nachhaltigkeit zu fehlen scheint. Geld für große, übermütige Projekte scheint es zu geben, aber nicht für deren langfristigen Erhalt und auch nur in ganz bestimmten Teilen der Stadt und auch in diesen Stadtteilen nur in einzelnen Straßen oder Vierteln.

Panama City insgesamt ist sicherlich (noch) nicht die allerschönste Stadt, aber sie hat sehr schöne Ecken und sehr viel Potenzial. Ich bin gespannt, wie diese Stadt in ein paar Jahrzehnten aussieht. Hier ist noch sehr viel möglich. 🙂

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