Andorra (la Vella)

Wir sind in den Pyrenäen angekommen, mitten in den Bergen zwischen Frankreich und Spanien im winzigen Andorra. Über Andorra gibt es so viele interessante kleine Informationen / Fun Facts, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. 🙂 Vielleicht mit der Anreise…. Andorra liegt in einem Hochtal mitten im Gebirge und hat keinen Flughafen und keinerlei Zugverkehr und kann daher nur per Auto/Bus oder zu Fuß erreicht werden. Von Frankreich aus gibt es nur zwei Straßen, um nach Andorra zu gelangen. Die eine führt über den Port d’Envalira, den höchsten Straßenpass in den Pyrenäen auf etwa 2.400m. Die andere durch den mautpflichtigen Envalira Tunnel, um den Pass zu vermeiden, der gerade im Winter immer wieder geschlossen ist. Interessant dabei…. der Tunnel an sich liegt vollständig auf andorranischem Gebiet. Er kann allerdings nur über eine Brücke auf französischer Seite erreicht werden. Daher liegt der Grenzübergang zwischen Frankreich und Andorra etwa zwei Kilometer vor der tatsächlichen Grenze auf französischem Territorium.

Als wir uns die Straße bis kurz vor dem Tunnel heraufgearbeitet hatten, war die Temperatur auf herbstliche 8 Grad gefallen und von der Umgebung war dank dicken Nebels kaum noch etwas zu erkennen. Als wir dann auf der anderen Seite des fast 3km langen Tunnels in Andorra herausfuhren, herrschte plötzlich strahlender Sonnenschein, da die Wolken alle vor dem Pass ‚festhingen‘.

Andorra ist eines der kleinsten Länder der Erde (nach Fläche irgendwo zwischen dem 16. und 19. Platz der kleinsten Staaten, je nach Quelle) mit nur etwa 470 Quadratkilometern – nur so zum Vergleich, London hat eine Fläche von etwa 1.570 Quadratkilometern. 😉 Es leben um die 85.000 Menschen in Andorra, wobei nur etwa ein Drittel davon tatsächlich andorranische Staatsbürger sind. Der größe Teil lebt in der der Hauptstadt – Andorra la Vella. Neben Andorra la Vella („La Vella“ bedeutet so viele wie „die Alte“.) besteht Andorra aus 6 weiteren Gemeinden (eigentlich „Pfarreien“).

Andorra ist ein so genanntes Co-Fürstentum. „Co“ weil es gleich zwei offizielle Staatsoberhäupter gibt: auf spanischer Seite den Bischoff von Urgell und von französischer Seite den französischen Präsidenten (als offiziellen Nachfolger des französischen Königs). Mittlerweile ist Andorra eine parlamentarische Monarchie mit eigener Administration und die beiden Prinzen haben im Grunde nur noch repräsentative Funktionen. Lediglich bei außenpolitischen Angelegenheiten haben beide noch ein Vetorecht.

Andorra la Vella liegt auf etwas über 1.000m Höhe und ist damit die höchstgelegenste Hauptstadt Europas. Die Stadt hat eine hübsche Fußgängerzone und einiges an Sehenswürdigkeiten – vom alten Parlamentsgebäude (‚Casa de la Vall‘), über mehrere (teilweise sehr alte) Kirchen und Museen bis hin zu modernen Skulpturen wie die der „sieben Dichter“ hoch oben auf Stelen, die den Betrachter zwangsläufig dazu bringen, in den Himmel und zu den Bergen hinauf zu sehen.

Die Tatsache, dass alles in Andorra sich mit dem begrenzten Bau-Platz-Angebot mitten in den Bergen arrangieren muss, führt zu interessanten architektonischen Umsetzungen. So muss man beispielsweise, um von der Altstadt Andorra la Vellas in die tiefer gelegenen Viertel zu kommen entweder sehr viele Treppen steigen oder den Aufzug nehmen (der tatsächlich nur dazu da ist, zwei Stadtviertel miteinander zu verbinden). Viele der Gebäude werden mehr an als auf den Fels gebaut. Das hat zum Beispiel bei unserer Unterkunft den Effekt, dass man auf Etage 1 das Gebäude betritt und sich alle anderen Etagen dann darunter befinden. 🙂

Mitten in der Altstadt von Andorra steht mein kleiner Favorit der vielen Skulpturen und Monumente, die man überall in der Stadt, an jedem Kreisverkehr und in den Nachbargemeinden findet – „La Noblesse du Temps“ von Salvador Dali.

Ein zerfließende Uhr mit Krone auf einem Baumstamm – laut Dali ein Symbol für die Dominanz der (vergehenden) Zeit über die Menschheit. Daneben auf der einen Seite eine Frau als Symbol für das Körperliche, das Materielle und auf der anderen Seite ein Engel als Symbol für das Geistige, das Spirituelle, das Immaterielle. (Im Hintergrund des Bildes übrigens eine weitere Sehenswürdigkeit von Andorra la Vella – die Pont de Paris über den Gran Valira Fluss.)

Einen sehr schönen Blick über die Stadt bekommt man vom Solá irrigation canal trail aus – einem Höhenwanderweg über der Stadt entlang einem der Bewässerungskanäle für die Terrassengärten auf den Plateaus über dem Tal. Man sieht von oben wie versucht wird, wirklich jeden verfügbaren Quadratmeter Bauland auszunutzen. Dicht an dicht drängen sich alle Häuser an Straßen.

Auf dem Weg zurück zu unserer Unterkunft in der Gemeinde Canillo noch zwei kleine Touristenziele: Zum einen der Mirador del Roc del Quer – einer der vielen Aussichtspunkte, zu denen man sich über eine lange gewundene Straße nach oben schraubt, um mit einer traumhafte Aussicht über Täler und Berge belohnt zu werden.

Auf der berühmten (ebenfalls mit einer Skulptur versehenen) Aussichtsplattform des Mirador del Roc del Quer gab es sogar eine Warteschlange… da reichten mir dann auch die Fotos aus 3 Meter Entfernung. 😀

Und zum zweiten die Kirche Sant Joan de Caselles – eine der ältesten Kirchen Andorras aus dem 11. oder 12. Jahrhundert.

Was gibt es sonst noch Interessantes über dieses kleine Land…. zum Beispiel dass alle Kinder hier dreisprachig aufwachsen mit Unterricht in Katalanisch – als der Landessprache (Andorra ist das einzige Land der Welt, mit Katalanisch als offizielle Landessprache), Spanisch und Französisch. Und dass Andorra zwar Mitglied der Europäischen Währungsunion ist (und damit der Euro als Zahlungsmittel gilt), aber nicht Mitglied der EU. (Also lieber das Roaming auf dem Handy ausstellen, sobald ihr nach Andorra einreist. :-p)

Außerdem, dass Andorra keine Armee hat. Kleiner Zusatz aus der Kategorie ‚unnützes Wissen‘: Im zweiten Weltkrieg war Andorra neutral. Im ersten Weltkrieg hatte allerdings auch Andorra Deutschland den Krieg erklärt. Da Andorra aber im Versailler Vertrag zum Ende des ersten Weltkrieges vergessen wurde, war es offiziell noch bis zur Friedenserklärung 1958 mit Deutschland im Krieg.

Und vielleicht noch, dass es hier unglaublich viele Tankstellen gibt, dass man das Land von einem Ende zum anderen in ungefähr einer Stunde durchfahren kann, dass sich hier mit ca. 210 Pistenkilometern eines der größten Skigebiete Europas befindet und dass die Mülltonnen von Andorra alle in so kleinen Häusschen untergebracht zu sein scheinen. Den Grund dafür hab ich aber noch nicht herausgefunden. Ich bleibe dran. 🙂

2 Antworten zu „Andorra (la Vella)”.

  1. Avatar von Renate Lehmann
    Renate Lehmann

    Liebe Anja, mit Begeisterung haben wir Euch wieder auf Eurer Reise begleitet und uns mit Euch gefreut über all die wunderschönen Erlebnisse. Der Bericht aus Andorra ist natürlich etwas ganz Besonderes, wann erfährt man schon mal so interessante, großartig bebilderte Details aus diesem winzigen Land. Vielen Dank und noch eine erholsame Zeit wünschen wir Euch, mit lieben Grüßen Renate und Hanne

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    1. Avatar von glueckaufreisen

      Es ist so schön, zu wissen, dass ihr wieder mitlest und mitreist. Freue mich so sehr darüber, von euch zu lesen. Ganz liebe Grüße von allen. 🙂

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