Der Cognac des Herrn Babinot

Als die letzten Stopps auf unserer kleinen Charente-Reise vor der Rückkehr in unseren Heimathafen in Jarnac hatten wir die Dörfchen Chez Landart und Dompierre-sur-Charente zwischen Saintes und Cognac ausgewählt. Dompierre zum einen wegen der Aussicht auf einen Irrgarten (der aber leider geschlossen war) und zum anderen aufgrund unserer offensichtlich neu entdeckten Vorliebe für besondere Fähren. Denn in Dompierre führt eine Seilfähre über die Charente. Dabei sind beiden Ufer mit einem (Metall-)Seil verbunden, an diesem ist die Fähre ‚eingehängt‘, damit die Fähre nicht von der Strömung abgetrieben wird. Die Fähre wird dann mit Muskelkraft entlang einer Stahlkette durch beherztes Kurbeln eines engagierten jungen Mannes von einer zu anderen Seite gezogen. 🙂 Ist die Fähre nicht gerade von einem Ufer zum anderen unterwegs, liegen Kette und Seil am Boden der Charente, so dass Schiffe ungehindert durchfahren können.

In Chez Landart wohnt Herr Babinot. Und Herr Babinot ist einer der vielen Winzer in der Gegend um Cognac, die ihre eigenen Weine, Pineaus und Cognacs herstellen, unabhängig von den großen Marken-Cognac-Häusern. Und bei Herrn Babinot darf man einen kleinen Blick hinter die Kulissen werfen und man darf sich durch seine leckeren Produkte probieren. Die anwesende Vertretung von Herrn Babinot in Form einer älteren Dame bestach zwar nicht gerade durch übertriebene Freundlichkeit oder besondere Herzenswärme, aber wir waren ja auch wegen Pineau und Cognac da. 🙂

Anschließend noch eine kleine Runde durch das Örtchen und die Weinberge von Herrn Babinot gedreht…. Und ganz oben auf dem Hügel, wo ehemals eine Mühle stand (von der heute nur noch eine Ruine übrig ist) hat man einen wunderschönen Blick über das Charente-Tal.

Damit waren sieben Tage Shippern auf der Charente auch schon wieder wie im Flug vergangen. Der Eins-zu-Eins-Vergleich mit der Fahrt auf dem Lot letztes Jahr ist – angesichts der sehr unterschiedlichen Wetterlagen – nicht wirklich fair, aber auch unabhängig vom Wetter waren sich alle Crewmitglieder (also die sechs, die sprechen können :-p) einig, dass uns das Lot-Tal und die Umgebung noch ein Stück besser gefallen haben. Die Charente und die Natur drumherum sind wunderschön und Orte wie Cognac definitiv sehenswert. Aber im Vergleich zu den Dörfchen am Lot fehlte den anderen Orten am Charente-Ufer ein wenig das Leben. Am Lot war irgendwie „mehr los“ und man hatte das Gefühl, es gab mehr zu sehen, wofür man Anlegen wollte. Auch gab es am Lot – trotz des extremen Niedrigwassers – mehr Stellen, an denen ein Anlegen auch außerhalb von Ortschaften überhaupt generell möglich war. Das gestaltete sich an der Charente mitunter etwas schwierig, da es in Ufernähe entweder zu flach für das Boot wurde oder das Ufer zum Festmachen nicht geeignet war. Außerdem entscheidendes Argument aus Sicht der Musketiere: am Lot gibt es Klippen, von denen aus man in den Fluss springen kann. Damit kann die Charente nicht aufwarten. 🙂

Dafür aber mit traumhaft klarem Wasser und unberührter Natur, mit vielen kleinen Örtchen mit mindestens doppelt so vielen noch kleineren Kirchen, mit Cognac und Pineau, mit dem Geburtshaus von François Mitterrand in Jarnac (in dem übrigens alle Geschenke ausgestellt sind, die er als Staatspräsident von anderen Staatsoberhäuptern erhalten hat), mit reichlich gerupft aussehenden Hühnern und mit besonderen Begegnungen für unser siebtes Crewmitglied, mit endlosen Weinbergen und durch sie führenden Wanderpfaden und mit ganz großartigen Einkehrmöglichkeiten und den dazugehörigen Desserts. 🙂 Schön war’s.

2 Antworten zu „Der Cognac des Herrn Babinot“

  1. Avatar von Elina
    Elina

    Die Beschreibungen sind soooo schön….. Anja, Klasse! Danke Dir!

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    1. Avatar von glueckaufreisen

      Dankeschön. freu mich so sehr, dass du mitliest 🥰

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