Acatenango & Fuego

Ich gebe zu, ich hatte ordentlichen Respekt vor dem heutigen Tag und ich war auch bis zum Schluss nicht sicher, ob ich für den Aufstieg auf den Acatenango wirklich fit genug sein würde. Wir hatten schon die ungeübte-Touristen-Anfänger-Variante gewählt, bei der wir zunächst eine kurze Strecke mit dem Jeep zurücklegten, so dass sich unser Anfangspunkt bereits auf etwa 2.500 Metern Höhe befand. Von diesem hieß es dann sieben Kilometer steil bergan – 1.200 Höhenmeter. Weiterer Bestandteil unserer Luxus-Variante: ein Sherpa, der für uns einen großen Teil unseres Gepäcks nach oben tragen würde. Wozu Gepäck fragt ihr euch? Nun, der Aufstieg sollte den größten Teil des Tages dauern. Absteigen würden wir aber erst am nächsten Tag. Die Temperatur im Tal lag um die 30 Grad. Auf dem Gipfel würden es in der Nacht etwa minus 3 Grad werden. Da war es ratsam, neben reichlich (!) Wasser und ein paar Energieriegeln (und vielleicht ein paar Gummibärchen für mich) auch einige Schichten an warmer Kleidung mitzunehmen. Zunächst aber am Startpunkt zur Stärkung ein kleines Frühstück.

Und dann ging es, mit Wanderstöcken, Wanderschuhen, Rucksäcken und reichlich Sonnencreme ausgestattet steil bergan. Für den Aufstieg hatten wir sehr großes Glück – es war nicht zu heiß und immer wieder etwas bewölkt. Für den Gipfel würde das möglicherweise schlechte Sicht bedeuten, aber da sich die Wetterlage hier sehr schnell ändern konnte, war noch alles möglich. Aktuell waren wir sowieso vorrangig mit schwer atmen beschäftigt und damit, immer wieder einen Fuß vor den anderen zu setzen. Es war wirklich sehr, sehr steil. 

Um so beeindruckender, dass unser Guide und unser Sherpa nicht nur in beeindruckender Geschwindigkeit und Leichtigkeit uns voran bergan stiegen, sondern sich dabei auch noch locker unterhielten – als wär das alles kein bisschen anstrengend. Unser Sherpa – nicht zu vergessen – noch dazu mit unseren 10kg Gepäck und der Ausrüstung für das Abendessen und ähnlichem auf dem Rücken. Einfach bewundernswert.

Generell wurde alles, was auf den Berg transportiert oder vom Berg wieder hinuntergebracht werden musste (inklusive Baumaterialien oder Müll), von Sherpas und zum Teil zumindest einen Abschnitt der Strecke auch von Pferden oder Mulis hinauf bzw. wieder hinunter getragen.

Zu Beginn gab es in unregelmäßigen Abständen noch kleine Hütten, an denen man sich mit Getränken, Obst oder kleinen Snacks versorgen konnte. Je weiter nach oben wir kamen, um so kleiner und um so seltener wurden diese Hütten.

Auch die Landschaft änderte sich deutlich, je weiter es nach oben ging. Liefen wir am Anfang noch – nachdem wir die Maisfelder der Bauern hinter uns gelassen…

…und einen recht kargen, trockenen Teil nach den Feldern passiert hatten…

zunächst durch recht dichten Wald….

so kamen wir nach einigen Kilometern zunächst in das Gebiet von Büschen und Sträuchern…

und schließlich, fast am Basislager angekommen – in eine Art Mondlandschaft. 

Etwa zu diesem Zeitpunkt hatten wir nach ungefähr vier Stunden Anstieg auch den steilsten Teil der Strecke hinter uns gebracht – was für eine Erleichterung. Die Pausen, die ich zum Luftholen benötigte, waren zum Ende doch deutlich häufiger geworden und es ging nur noch im Schneckentempo voran. Dafür tauschten wir die steile, aber dafür ebene Strecke nun gegen Kletter- und Balanciereinlagen.

Solch ein ‚offizieller‘ Weg direkt an der Bergkante, ohne jede Absicherung – in Deutschland undenkbar. Naja, es würde schon gut gehen. 😀

Die Aussicht blieb über die ganze Strecke einfach nur großartig. Auch wenn die physische Kapazität zur Bewunderung mit jedem Höhenmeter doch deutlich abnahm. 😀

Und dann – ohne dass wir Fuego schon sehen konnten – hörten wir die ersten Vorboten dessen, was uns gleich erwarten würde. Lautes Krachen und Grollen. Wie Donner nur lauter und näher. Und nach ein paar Minuten, ein paar weiteren Windungen und Felsen sahen wir schließlich auch die ersten Rauchwolken irgendwo hinter einer Biegung aufsteigen.

Ein paar hundert Meter weiter erreichten wir schließlich das Basislager des Acatenango. Eine Ansammlung verschiedenster Hütten und Zelte, die mühevoll auf Plateaus und an Felswände gebaut worden waren. Manche von ihnen schienen sich mit letzter Kraft in Form zu halten und gleichsam am Fels festzuklammern, um nicht die knapp 4.000 Meter in die Tiefe zu fallen. 

Dank unsere kleinen Luxus-Paketes bekamen wir einen Platz in einem Vier-Personen-Zelt und entgingen dem Schlafen in einer der Wellblechhütten mit dreistöckigen Holzbettlagern für insgesamt jeweils 15 Personen. Schlafsack an Schlafsack. Sardinengleich. Nicht meine absolute Lieblings-Übernachtungs-Variante. 😉

Ansonsten gab es hier oben noch eine kleine Küche und ein Toilettenhäuschen. Nun… es würde ja nur für eine Nacht sein. 😉

Als Belohnung für den geschafften Aufstieg und nachdem ich doch ein paar Minuten gebraucht hatte, um mich (und meinen Kopf) an die Höhe zu gewöhnen, gab es zur Stärkung zunächst eine sehr leckere, heiße Suppe – vor gewaltiger Kulisse. 🙂

Und außerdem einen unvergleichlichen Ausblick – die Wolken zogen schnell und es gab immer wieder größere Lücken, in denen man bis ins Tal hinunterschauen konnte. Und… bis zum Fuego. Zunächst noch in Wolken gehüllt, sahen wir bei einem der ersten Ausbrüche zunächst nur Rauch über den Wolken. Aber schließlich, als es weiter aufklarte, auch mehrere, unterschiedlich starke Ausbrüche in Gänze.

Das wirklich Unglaubliche offenbarte sich aber erst nach Einbruch der Dunkelheit. Nach einem wunderschönen Sonnenuntergang, der jeden nur denkbaren Rot-, Gelb- und Orangeton am Himmel zum Vorschein brachte…

…zeigte Fuego, was er kann und was man bei Licht nicht hatte erkennen können. In unregelmäßigen Abständen spuckte er immer wieder Lavafontänen unterschiedlich hoch in die Luft. Und lange Lavaströme bewegten sich anschließend den Berg hinunter. Ich habe noch nie etwas Vergleichbares gesehen. Nach den ersten erstaunten Ausrufen aller Anwesenden, die um so lauter waren, je stärker der Ausbruch war, starrten alle nur minutenlang sprachlos und gebannt in Richtung des Vulkans.

Am Lagerfeuer gab es dann zunächst Abendessen und später auch noch Marshmallows und heiße Schokolade. Ein mehr als würdiger Abschluss für diesen unbeschreiblichen Tag.

In der Nacht gegen 3:30 Uhr würde es noch die Möglichkeit geben, mit einem Guide noch einmal anderthalb bis zwei Stunden näher zum Fuego zu wandern, um von dort nicht nur die Ausbrüche, sondern auch den Sonnenaufgang zu sehen. Wir entschieden uns dagegen – zum ersten reichte uns die grandiose Aussicht vom Basislager mehr als aus und ich hatte mehrere Reiseberichte gelesen, in denen davon abgeraten wurde, näher zum Fuego zu wandern, da man sich dann in der eigentlichen Ausbruchszone befinden würde, zum zweiten war der Aufstieg tatsächlich sehr anstrengend gewesen und zum dritten wurde es in der Nacht doch sehr, sehr kalt. Und so kuschelten wir uns dick angezogen in unsere Schlafsäcke und Decken, froren aber trotzdem ordentlich und machten uns nach einer Tasse heißem Kaffee bereits kurz nach Sonnenaufgang, gegen 6 Uhr morgens auf den Weg zurück ins Tal. 

Der Abstieg ging natürlich bedeutend schneller als der Aufstieg am Tag zuvor und lief trotz des rutschigen Untergrunds überraschenderweise auch verletzungsfrei ab, aber die Muskeln würden wir morgen auf jeden Fall spüren. Das war mal sicher. 😀 Ich war schon ein bisschen stolz auf uns, dass wir den Aufstieg) gemeistert hatten – auf der Strecke waren wir fast ausschließlich vor Kraft und Energie strotzenden Mitzwanzigjährigen begegnet. Und die ‚älteren‘ oder weniger fitten Herrschaften, die wir im Basislager trafen, waren bis auf eine Stunde Wanderung mit dem Jeep hinaufgefahren. (Wenn ich nur vorher gewusst hätte, dass es diese Möglichkeit gibt. :-D) 

Zusammenfassend kann ich euch sagen – so ein Vulkanausbruch… ein unbeschreibliches Erlebnis!

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