Zwischen zwei Ozeanen

Panama liegt auf einem so genannten Isthmus. (In einem Reiseblog über Panama muss dieses Wort zwangsläufig vorkommen – besser wir bringen es jetzt gleich hinter uns.) Ein Isthmus ist eine Landenge – der schmalste Punkte einer Landbrücke, die zwei größere Landmassen miteinander verbindet und die auf beiden Seiten von Wasser begrenzt ist. Unendlich viele solcher Isthmen (Ja, das ist wirklich der Plural, ich habe nachgeschaut.) gibt es auf der Welt nicht und der Isthmus von Panama ist sicherlich mit der bekannteste. Hier verbindet der Isthmus Nordamerika und Südamerika und trennt den Atlantik (bzw. genauer das Karibische Meer) vom Pazifik. Und es gibt einen Punkt in Panama, von dem aus man – bei guter Sicht – auf beide Ozeane schauen kann: der höchste Punkt Panamas, der Berg Barú im Norden des Landes unweit der Grenze zu Costa Rica. Und genau dort wollte ich gern hin.

Barú ist ein ruhender (nicht erloschener) Vulkan, etwa 3.474 Meter hoch und liegt in der Provinz Chiriquí. Unser Ziel war die Stadt Boquete am Fuße des Barú, etwa 480km von Panama City entfernt. Für diese Strecke benötigt man in Panama etwa 7 Stunden – da man auf dem Panamerica-Highway – die Autobahn, die sich einmal von Norden bis Süden fast durch ganz Panama zieht – im Schnitt nur irgendetwas zwischen 60 und 100 km/h fahren kann und darf. Zum Autofahren in Panama muss ich bei Gelegenheit noch einen eigenen Beitrag schreiben. 🙂

Um den Gipfel des Barú zu erreichen hat man grundsätzlich zwei Möglichkeiten: man kann die Strecke von Boquete über einen etwa 7km langen, steil bergan verlaufenden Pfad etwa 6 bis 7 Stunden hochwandern oder man bucht eine Tour mit dem Allradjeep und fährt etwa eine Stunde hinauf. Nun haben wir unsere Abenteuerwanderung zum Gipfel eines Vulkans ja bereits für Guatemala geplant (fangt am besten jetzt schon mal an, mir dafür die Daumen zu drücken) und wollten uns daher nicht jetzt schon die Überraschung und die Aufregung einer solchen Wanderung vorwegnehmen. 😀

Also fiel die Wahl auf den Jeep und zwar im Rahmen einer Sonnenaufgangstour. Dafür hieß es kurz vor 4 Uhr losfahren und sich dann über Geröll und Gestein den Weg nach oben zu bahnen, um pünktlich vor Sonnenaufgang auf dem Gipfel zu stehen. Wir hatten Glück, dass es die letzten Tage trocken gewesen war – unser Guide, Ángel, berichtete von einigen Touren, bei denen der Weg zu matschig und schlammig gewesen war, so dass sie es auch mit dem Jeep nicht bis nach oben geschafft haben.

Aber der Wettergott meinte es einmal mehr sehr gut mit uns und so standen wir schließlich ordentlich durchgeschüttelt und gut warm eingepackt oben auf dem Gipfel, sahen Millionen von Sterne, den Pazifik zur einen und die Karibik zur anderen Seite. Was für eine Aussicht und dank eines Gewitters über dem Pazifik auch noch mit einer Extraportion Dramatik. Einfach grandios.

Und schließlich begann langsam über der Karibik, die Sonne aufzugehen und der Himmel verfärbte sich in allen Gelb-, Orange- und Rottönen, die man sich nur vorstellen kann. Die karibische Seite lag in Wolken, so dass man nur an einzelnen Stellen, einen Blick auf den Atlantik bekommen konnte, aber dafür trugen die Wolken ihren Teil zu einem ganz unglaublichen Farbenspiel am Himmel bei. Es war zauberhaft.

Und dann ist es ganz plötzlich taghell und man kann weit über Panama im Süden schauen, während sich Costa Rica im Norden in Wolken hüllt, die langsam versuchen, die Bergkette zu überwinden.

Als Highlight zum Abschluss: ein kleines, liebevoll vorbereitetes Frühstück mit dem Blick über die Weite von Panama und dazu zum Wärmen eine heiße Schokolade. (Für mich mit extra vielen Marshmallows :-)).

Für die Rückfahrt hatte ich dann vielleicht doch ein ganz kleines bisschen gehofft, eventuell mit ganz viel Glück ein paar der Tiere zu sehen, die hier im Regenwald rund um Boquete leben. (Auf dem Gipfel hatten uns bereits ein kleiner Kolibri und andere Vögel die Freude eines Kurzbesuches gemacht.) Andere Gäste in unserer Unterkunft hatten erzählt, dass sie am Tag zuvor sogar einen Tapir zu Gesicht bekommen hatten und der Guide berichtete von Pfotenspuren von einem Jaguar, die er an einem der Flüsse gesehen hatte. Nun handelt es sich hierbei um sehr, sehr scheue Tiere und unser Guide bereitete mich schon darauf vor, dass es sehr unwahrscheinlich sein würde, einem von ihnen zu begegnen. (Was im übrigen nicht heißt, dass sie dich nicht sehen. Ganz im Gegenteil. Ángel erzählte, dass bevor du einen Jaguar oder Puma bemerkst, er dir mit Sicherheit schon mehrere Stunden gefolgt ist. Je mehr ich darüber nachdachte, um so weniger dringend wollte ich dann eigentlich auch einem Jaguar begegnen.) Aber Ángel machte mir zumindest ein wenig Hoffnung, dass es uns möglicherweise gelingen würde, einen Quetzal zu sehen – ein wunderschöner bunter, scheuer Vogel, die Männchen mit langen Schwanzfedern, der ausschließlich in den Nebelwäldern von Mittelamerika vorkommt.

Àngel hatte einen der Bäume ausgemacht, in denen ein Quetzalpärchen nistet und da stehe ich nun… minutenlang…. und suche den Himmel und die Bäume nach einem kleinen, rot-grünen Vogel ab.

Aber was soll ich sagen… irgendwas ist da mit mir und besonderen Vögeln. Irgendwie kommen wir wohl nicht zusammen. Egal ob Puffins in der Kälte von Island oder Quetzale im Nebelwald von Panama. Also dieses Mal keine Quetzalsichtung für mich.

Aber noch wird die Hoffnung nicht aufgegeben. Schließlich ist der Quetzal sogar das Wappentier Guatemalas – da sollte einem doch irgendwo mal einer über den Weg fliegen. Vielleicht ja auf dieser Vulkanwanderung in ein paar Tagen…? Wünscht mir Glück. 🙂

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